Tagesheiliger: 4. Februar: Der heilige Rabanus Maurus

Von Reinhard Nixdorf

Tagesheiliger: 4. Februar: Der heilige Rabanus Maurus

„Obwohl ich sie immer in Unsicherheit und nicht bleibend bewohnte, war die Mönchszelle für mich der willkommene Aufenthalt“, bekannte Rabanus Maurus (Statue um 1260 im Diözesanmuseum Mainz; Foto: KNA) in seiner selbstverfassten Grabinschrift. Wenn er sich selbst als Mönch ansah, war er für seine Zeit, das neunte Jahrhundert, Gelehrter, Abt von Fulda und Erzbischof von Mainz – einer der bedeutendsten Köpfe der karolingischen Renaissance. Noch tausend Jahre später rühmte man ihn als „Praceptor Germaniae“.

Um 780 in Mainz geboren, gaben ihn seine Eltern, fränkische Adlige, 788 ins Kloster Fulda. Dort lernte Rabanus lesen, schreiben und rechnen, bekam Einblick in Bibel und Ordensregeln. 801 zum Diakon geweiht, hielt sich Rabanus von 802 bis 804 zum Studium in dem von Alkuin von York geleiteten Kloster Saint-Martin in Tours auf. Alkuin, Berater Karls des Großen, gab Rabanus den Beinamen Maurus, ein Hinweis auf das enge Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler; schon St. Benedikt hatte seinen Lieblingsschüler so genannt. Zurückgekehrt nach Fulda lehrte er an der Klosterschule. 814 empfing Rabanus die Priesterweihe, 822 wählten ihn die Mönche von Fulda zum Abt.

Als Abt erweiterte Rabanus Maurus die Bibliothek und machte die Klosterschule zu einer der besten Schulen im Fränkischen Reich. Rabanus stand treu zu Ludwig dem Frommen und dann, im Interesse der Reichseinheit, auf der Seite Lothars. Als Lothar 842 seinen Brüdern unterlag, resignierte Rabanus als Abt.

Dennoch erhob ihn Ludwig der Deutsche, zu dessen Machtbereich Fulda gehörte, 847 zum Erzbischof von Mainz. Drei Synoden und die Auseinandersetzungen um Gottschalk den Sachsen bestimmten die ersten Jahre des Episkopats. Was an Zeit blieb, galt den Studien und der Schriftstellerei. Das Werk des Rabanus Maurus betrifft fast alle Gebiete des Wissens. Neben dem 810 vollendeten Gedichtzyklus „De laudibus sanctae crucis“ (Lob des heiligen Kreuzes), stehen Bibelkommentare, die Schrift „De institutione clericorum“ (Die Erziehung der Kleriker), die Enzyklopädie ,,De rerum naturis“ (Die Natur der Dinge) oder der Pfingsthymnus „Veni Creator Spiritus“ (Komm Schöpfer Geist), der, wenn nicht von ihm verfasst, so doch von ihm überliefert und mit seinem Namen verbunden ist. Rabanus' Verdienst war es, das in Vergessenheit geratende Wissen der Antike dem Frühmittelalter zu vermitteln, mit dem Ziel, dass alle Kenntnisse helfen sollten, das Heil zu erlangen. Kaiser Lothar sagte deshalb von ihm: „Wir sagen Lob und Dank dem allmächtigen Gott, der uns nicht mit weniger Glanz erleuchtet hat als unsere Vorgänger. Denn wenn er ihnen einen Hieronymus, Augustinus, Gregor und andere schenkte, so hat er, der Verdienst und Weisheit schenkt, uns den Rabanus beschieden.“

Nach der Überlieferung starb Rabanus Maurus am 4. Februar 856 in Winkel im Rheingau und wurde im Stift St. Alban vor Mainz beigesetzt. Bald wurde er als Heiliger verehrt. 1515 wurden seine sterblichen Überreste vom Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg nach Halle überführt, von dort kamen sie später nach Aschaffenburg. Sein heutiges Grab ist nicht bekannt.