Tagesheiliger: 4. August: Der selige Henryk Krzystofik

Von Claudia Kock

„Ich, ein Sohn polnischer Erde und zugleich Papst Johannes Paul II., ich rufe aus der ganzen Tiefe dieses Jahrhunderts, rufe am Vorabend des Pfingstfestes: Sende aus deinen Geist! Sende aus deinen Geist! Und erneuere das Angesicht der Erde! Dieser Erde!“ Mit diesen eindringlichen Worten beendete Johannes Paul II. seine historische Predigt auf dem Siegesplatz in Warschau am 2. Juni 1979. Als er 20 Jahre später, am 13. Juni 1999, an derselben Stelle 108 polnische Märtyrer aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs seligsprach, war das Angesicht der Erde wirklich erneuert: der Eiserne Vorhang war gefallen, Polen ein freies Land geworden. Johannes Paul II. war überzeugt, dass die Erneuerung nicht zuletzt dem Zeugnis der Märtyrer von der Macht der Gnade Christi zu verdanken war, die – wie er in seiner Predigt zur Seligsprechung sagte –, „bewirkt, dass schwache Menschen zu einem Heroismus befähigt werden, der nicht selten bis zum Martyrium reicht“.

Einer der damals seliggesprochenen Märtyrer war Henryk Krzysztofik, dessen Gedenktag die Kirche am 4. August feiert. Er wurde am 22. März 1908 in Zachorstew bei Lodz geboren und trat mit 19 Jahren in den Kapuzinerorden ein. Zum Studium wurde er erst nach Holland und dann nach Rom gesandt, wo er am 30. Juli 1933 die Priesterweihe empfing. Nach Abschluss seines Lizentiats an der Päpstlichen Universität „Gregoriana“ kehrte er nach Polen zurück, wo er als Professor für Dogmatik und Rektor des Seminars der Kapuziner in Lublin tätig war.

Als Polen 1939 von Hitler-Deutschland besetzt wird, muss der Guardian der Gemeinschaft, ein Holländer, das Land verlassen; sein Amt wird Henryk übertragen. Im angespannten politischen Klima, in dem eine schreckliche Verfolgungswelle die Ordensleute und Seminaristen in Angst und Schrecken versetzt, ist Henryk bestrebt, innere Ruhe und geistliche Werte zu vermitteln. Furchtlos predigt er weiterhin das Evangelium. Schon bald, am 25. Januar 1940, steht die Gestapo vor den Toren des Klosters von Lublin: Alle 23 Kapuziner und Seminaristen werden verhaftet und – da das örtliche Gefängnis bereits überfüllt ist – in der Burg der Stadt eingekerkert, wo Henryk seine Gemeinschaft aufruft, alle Leiden, die kommen mögen, im Glauben anzunehmen und Gott zum Opfer darzubringen. Es gelingt ihm sogar, jeden Tag im Morgengrauen heimlich für seine Mitbrüder die Messe zu feiern.

Im Juni 1940 werden die Kapuziner von Lublin ins Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin abtransportiert; kurz vor Weihnachten kommen sie nach Dachau. In der Hölle des Lagers versucht Henryk seine Mitgefangenen geistlich zu stärken und ihr Leiden, wo er kann, zu lindern. Ein Zeuge berichtet später von seiner selbstlosen Nächstenliebe: Obwohl er selbst fast bis auf das Skelett abgemagert war, teilte er zwei kleine Laibe Brot mit 25 Mitgefangenen.

Im Juli 1941 ist Henryk so erschöpft und geschwächt, dass seine Beine versagen. Er wird ins Krankenrevier gebracht, von wo aus er heimlich eine letzte Botschaft an seine Mitbrüder senden kann: „Liebe Brüder! Ich bin im Revier, Block 7. Ich bin schrecklich abgemagert… Ich wiege nur noch 35 kg. Der ganze Körper tut weh. Ich liege auf dem Rücken, wie Christus auf dem Kreuz. Ich freue mich, mit Ihm zu sein und mit Ihm zusammen leiden zu dürfen. Ich bete für euch und biete Gott meine Leiden für euch an.“ Ein Jahr ganzes Jahr verbringt Henryk so mit Christus am Kreuz, bis er am 4. August 1942 schließlich durch den Tod erlöst wird.

Henryks Leichnam wurde im Krematorium des Lagers verbrannt, aber die Erinnerung an seine heroische Nächstenliebe und sein Martyrium blieb lebendig und wurde zu einem der Samenkörner, die die Kirche in Polen unter dem Pontifikat Johannes Pauls II. neu erblühen ließen.