Tagesheiliger: 26. Oktober: Der selige Josif Mihali

Von Claudia Kock

Seine erste Reise in ein europäisches Land führte Papst Franziskus im September 2014 nach Albanien: ein Land mit uralten christlichen Wurzeln, in dem die Getauften aufgrund der historischen Entwicklungen heute in der Minderheit sind. Trotzdem begrüßte ihn eine riesige Menschenmenge auf dem Hauptboulevard der Stadt Tirana, über den bunte Bänder gespannt waren. Daran befestigt waren die Porträts von 38 Märtyrern, die zwischen 1945 und 1974 dem kommunistischen Regime zum Opfer gefallen waren. Zwei Jahre nach dem Papstbesuch, am 5. November 2016, wurden diese Märtyrer in Shkodra seliggesprochen. Einer von ihnen war der Priester Josif Mihali, der am 26. Oktober 1948 in einem Arbeitslager auf grausame Weise ermordet worden war.

Das Christentum in dem südosteuropäischen Land geht bis auf den Apostel Paulus zurück, der hier die erste Gemeinde gründete. Durch die Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 kam der Süden des Landes unter byzantinischen Einfluss, während der Norden Rom unterstellt blieb. Mit der Kirchenspaltung des Jahres 1054 entstanden so ein orthodoxer und ein katholischer Landesteil. 1895 konvertierten einige Dörfer in der Landesmitte um die Stadt Elbasan zum katholischen Glauben, behielten aber den byzantinischen Ritus bei, was zur Gründung der mit Rom unierten Albanischen griechisch-katholischen Kirche führte. Dieser gehörte die Familie von Josif Mihali an, der am 26. September 1912 in Elbasan geboren wurde. Als Priesteramtskandidat wurde er zur Ausbildung nach Rom geschickt, wo er zunächst in der katholisch-byzantinischen Abtei von Grottaferrata und anschließend im Päpstlichen Griechischen Kolleg vom heiligen Athanasius studierte, wo katholische Priester des byzantinischen Ritus ausgebildet werden. In der Kirche des Kollegs feierte Josif Michali nach seiner Priesterweihe am 1. Dezember 1935 zum ersten Mal die göttliche Liturgie.

1936 kehrte er nach Elbasan zurück und spielte als Pfarrer eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung der kleinen griechisch-katholischen Gemeinde der Stadt. Er war bei den Mitgliedern der Pfarrei sehr beliebt und geschätzt, da er ihnen half, Probleme des täglichen Lebens zu lösen, und ihnen gleichzeitig den Weg zu Gott zeigte. Sie nannten ihn liebevoll und ehrfürchtig „Papas Sifi“.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde Albanien zunächst von den Italienern, ab 1943 dann von den Deutschen besetzt. Gegen die Besatzer bildeten sich starke Partisanengruppen, und 1944 kam es zur Machtübernahme der Kommunisten unter dem Diktator Enver Hoxha, der die Sozialistische Volksrepublik Albanien ausrief, die später zum „ersten atheistischen Staat der Welt“ erklärt wurde. Kirchen wurden geschlossen, jegliche Religionsausübung untersagt, zahlreiche Geistliche, aber auch Laien, die bei religiösen Handlungen – wie etwa Taufen – ertappt wurden, ermordet oder gefangengenommen. Besonders ins Visier der Verfolger geriet der katholische Klerus, der verdächtigt wurde, politische Verbindungen zum Westen zu pflegen. 1945 wurde neben vielen weiteren Priestern auch „Papas Sifi“ verhaftet. Er wurde zu zehn Jahren Arbeitslager in einem Sumpf bei Korça im Südosten des Landes verurteilt – einem gefürchteten Ort voller Schlangen, Mücken und Blutsaugern. Bis zu seinem Tod gibt es von dort nur ein einziges Zeugnis über ihn, das von einer Ordensschwester kommt, die ihn sehen konnte. Sie berichtet, dass er in einem erbärmlichen Zustand war, die Kleidung durchtränkt mit Blut und Exkrementen.

Am 26. Oktober 1948 wurde dem von Hunger und Müdigkeit geschwächten Priester zum Transport eine schwere Last aufgelegt, unter der er zusammenbrach. Als Mitgefangene ihm zu Hilfe kommen wollten, wurden sie von Wärtern daran gehindert. Diese befahlen ihnen, den Priester an der Stelle, wo er lag, im Schlamm lebendig zu begraben.

Josif Mihali war einer der zahllosen Glaubenszeugen, die die unmenschlichen Ideologien, die im 20. Jahrhundert weite Teile Europas in ihrer Macht hatten, hervorgebracht haben. In seiner Predigt zur Seligsprechung im albanischen Shkodra sagte Kardinal Amato, die Märtyrer seien wie Sterne in der Nacht. „Während sich die Verfolger wie schwarze Schatten auflösten, die für immer in der Finsternis des ewigen Vergessens verloren sind, sind die Märtyrer bleibende Lichter der Orientierung. Sie leuchten am Himmel der Menschheit und zeigen das wahre Gesicht menschlicher Güte. Es ist das Gesicht der Gottebenbildlichkeit, in der der Mensch geschaffen ist.“