Tagesheiliger: 13. Juni: Der selige Gerhard von Clairvaux

Von Katrin Krips-Schmidt

Der selige Gerhard von Clairvaux war der ältere Bruder des heiligen Bernhard von Clairvaux. Als Gerhard von der Entscheidung seines jüngeren Bruders erfuhr, im Frühjahr 1112 mit rund 30 Verwandten und Freunden in das Kloster Cîteaux einzutreten, zeigte er sich selbst zunächst reserviert gegenüber dem Gedanken, sich einem Orden anzuschließen. Das Leben als Mönch schien nicht sein Ideal zu sein, vielmehr war er von der Aussicht fasziniert, bei der Armee Karriere zu machen. Dennoch sagte ihm der künftige heilige Bernhard voraus, dass der Tag käme, an dem „der Schmerz seinen Geist erleuchten werde“.

Und so kam es dann auch. Kurz nach dieser Prophezeiung wurde Ritter Gerhard bei einer Schlacht schwer verwundet und geriet in Gefangenschaft. Wie andere Heilige vor oder nach ihm – der heilige Franziskus von Assisi und der heilige Ignatius von Loyola – deutete auch Gerhard seine Verletzung als ein Zeichen Gottes: Er sollte sein Leben ändern und sich bekehren. Als er wieder freikam, bat er um Aufnahme im Kloster Cîteaux. So wurde er zu einer wertvollen Stütze für seinen Bruder, den er wenige Jahre später mit weiteren Mitbrüdern begleitete, als dieser 1115 das Kloster Clairvaux, 10 km südlich von Troyes im Nordosten Frankreichs gründete. Hier wurde der praktisch veranlagte Gerhard mit der Verwaltung der Abtei betraut.

So ergänzten sich die beiden Brüder bei ihrer Arbeit. Bernhard hatte ein so großes Vertrauen in Gerhard, dass er ihn bat, ihn bei seinen heikelsten Missionen zu begleiten.

Doch am 13. Juni 1138 starb Gerhard in der Abtei Clairvaux nach der Rückkehr von einer Reise. Bei der Beisetzung gelang es Abt Bernhard noch, die Tränen zurückzuhalten. Doch die berühmte Grabrede, die Bernhard vor den Mönchen für seinen Bruder hielt, verrät seinen tiefen Schmerz über den Verlust und berührt noch heute: „Er war mein Bluts-, aber auch mein Glaubensbruder, doch durch die Religion waren wir noch brüderlicher einander verbunden. Habt Mitleid mit mir, ich bitte Euch, Ihr versteht das doch. Ich war schwach – er trug mich; ich verzagte – er stärkte mich; ich war träge und nachlässig – er spornte mich an; als ich sorglos und vergesslich war, war er mein Gedächtnis. Warum bist Du mir entrissen worden… Gebe Gott, dass ich dich nicht verloren habe, sondern dass du mir nur vorangegangen bist.“