Tagesheilige: 27. Juni: Die selige Marguerite Bays

Von Katrin Krips-Schmidt

Vor genau zweihundert Jahren wurde die selige Marguerite Bays am 8. September 1815 in La Pierraz bei Fribourg in der Schweiz geboren. Mit fünf Geschwistern im Glauben aufgewachsen, entschied sie sich jedoch nicht für den Eintritt in einen Orden, sondern war davon überzeugt, im Laienapostolat viel Gutes tun zu können.

Die intelligente Tochter eines Bauern konnte nur drei Jahre lang eine Schule besuchen, mit fünfzehn Jahren machte sie eine Ausbildung zur Schneiderin und lebte weiterhin im Haushalt ihrer Eltern. Es heißt von ihr, sie habe beständig in der Gegenwart Gottes gelebt. Sie widmete sich Werken der Nächstenliebe und nahm sich besonders der Kinder der Umgebung an, mit denen sie spielte, die sie in den christlichen Glauben einführte und mit denen sie betete. Sie selbst besuchte täglich die heilige Messe, unternahm Wallfahrten nach Einsiedeln und lebte ihre Frömmigkeit in „einem langen stillen Weg zur Heiligkeit“, wie Papst Johannes Paul II. den nach außen hin eher unscheinbaren Lebensweg der neuen Seligen anlässlich ihrer Seligsprechung am 29. Oktober 1995 charakterisierte. Marguerite kümmerte sich zudem um Kranke und Sterbende, denen sie in ihrer letzten Stunde Trost zusprach.

1853 wurde die 38-Jährige von Darmkrebs befallen. Sie bat die Muttergottes um Fürsprache bei ihrem Sohn, ihre starken Schmerzen in ein anderes Leiden umzuwandeln, so dass sie sich mit der Passion Christi vereinen könne. Marguerite wurde tatsächlich wieder gesund – die wunderbare und unvermittelte Heilung fand am 8. Dezember 1854 statt – an dem Tag, an dem Papst Pius IX. das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis verkündete. Und noch etwas geschah: Jeden Freitag zeigten sich bei ihr die Stigmata Christi, und sie durchlitt die Stationen des Leidens Jesu. Bis zu ihrem Tod versuchte Marguerite, vor ihrer Umwelt die Wundmale des Gekreuzigten zu verbergen, dennoch sprachen sich die Stigmatisation und ihre mystischen Ekstasen alsbald herum. Marguerite trat 1860 dem Dritten Orden der Franziskaner bei. Sie starb am 27. Juni 1879 in La Pierraz und noch heute pilgern Gläubige zu ihrem Wohnhaus, das heute als Museum dient, das dem Andenken der Seligen gewidmet ist.