Tagesheilige: 16. März: Die selige Benedikta von Assisi

Von Claudia Kock

In Assisi begegnet man bis heute auf Schritt und Tritt den beiden großen Heiligen, die in diesem kleinen umbrischen Ort zuhause waren: dem heiligen Franziskus und der heiligen Klara. Wenn man genauer hinschaut, entdeckt man in ihrem Umfeld noch weitere Heilige, die heute relativ unbekannt sind, aber viel zur Verbreitung des franziskanischen Geistes beigetragen haben.

Zu ihnen gehört die selige Benedikta von Assisi, deren Gedenktag die Kirche am 16. März feiert. Sie war die Nachfolgerin der heiligen Klara als Äbtissin der ersten Klarissengemeinschaft. Unter ihrer Leitung fand der Umzug der ersten Klarissen von „San Damiano“ in das Kloster an der Basilika „Santa Chiara“ statt, das bis heute als „Protomonastero“ besonderes Ansehen genießt und wo auch der Leichnam der heiligen Klara ruht.

Von der seligen Benedikta ist eine zeitgenössische Abbildung erhalten, auf dem großen Holzkreuz über dem Hauptaltar der Basilika „Santa Chiara“, das um 1260 von einem unbekannten umbrischen Meister geschaffen wurde, der in der Kunstgeschichte als „Maestro di Santa Chiara“ bezeichnet wird. Hier kniet die selige Benedikta betend zu Füßen des Gekreuzigten, links neben Franziskus, während Klara sich ihr gegenüber befindet. Die Inschrift verweist auf sie als Stifterin des Kreuzes: „Domina Benedicta post Sanctam Claram prima Abbatissa me fecit fieri“, was auf deutsch soviel bedeutet wie Die Herrin Benedikta, erste Äbtissin nach der heiligen Klara, ließ mich herstellen.

Benedikta, mit bürgerlichem Namen Name Ginevra di Giorgio di Ugone di Tebalduccio, stammte aus einer der vornehmsten Familien von Assisi. Bereits 1214 schloss sie sich der Gemeinschaft in „San Damiano“ an und gehörte damit zu den ersten fünfzig Frauen, die wie die heilige Klara auf alle weltlichen Güter verzichteten, um im franziskanischen Geist ein Leben in Gebet, Armut und Buße zu führen.

Äbtissin in mehreren Klöstern

Im Jahr 1238 findet sich ihr Name auf einer Liste der Angehörigen der Gemeinschaft von „San Damiano“. Sie scheint jedoch mehrere Jahre lang nicht in Assisi gewesen, sondern beauftragt gewesen zu sein, an anderen Orten Umbriens und der angrenzenden Toskana neue Klarissen-Gemeinschaften aufzubauen: 1227 ist Benedikta als Äbtissin in Siena belegt, anschließend in Spello.

Von 1240 bis 1248 leitete Benedikta das Klarissen-Kloster in Vallegloria. Diese Tätigkeit lässt darauf schließen, dass sie ein besonderes Charisma und Führungsqualitäten besaß, was wohl nicht zuletzt auch ihrer adligen Herkunft und einer damit verbundenen guten Bildung zu verdanken sein dürfte. Vor Klaras Tod am 11. August 1253 kehrte Benedikta nach Assisi zurück, wo sie zur Nachfolgerin der Ordensgründerin gewählt wurde. In Klaras Heiligsprechungsprozess, der kurz darauf eingeleitet wurde, sagte Benedikta nicht aus, was vermutlich auf ihre lange Abwesenheit aus Assisi zurückzuführen ist. Sie war jedoch bei ihrer Heiligsprechung im Jahr 1255 anwesend.

Bei den Franziskanern stand die Äbtissin Benedikta in hohem Ansehen aufgrund ihrer Klugheit und ihrer Tugend. Auch Wunder wurden ihr nachgesagt. Bruder Leo und Bruder Angelo – zwei der frühen Gefährten des heiligen Franziskus – vertrauten ihr das Brevier ihres 1226 verstorbenen Ordensgründers an, das bis heute im Reliquienschatz der Basilika „Santa Chiara“ aufbewahrt wird. Benedikta erlebte noch die Grundsteinlegung der neuen Basilika und leitete die Übersiedlung der Gemeinschaft von „San Damiano“ in das der Basilika angeschlossene Kloster. Sie starb am 16. März 2016. Ihr Grab befindet sich in der Basilika „Santa Chiara“ neben dem der heiligen Agnes von Assisi, Klaras jüngerer Schwester. Wie Benedikta gehört auch sie zu den „unbekannten“ Heiligen um Franziskus und Klara.