Streitbarer Primas gestorben

Griechisch-orthodoxes Oberhaupt erliegt Krebsleiden

Athen (DT/KNA) Erzbischof Christodoulos, Oberhaupt der orthodoxen Kirche Griechenlands, ist tot. Er erlag gestern im Alter von 69 Jahren einem Krebsleiden. Bereits im Juni vorigen Jahres war bei Christodoulos Darm- und Leberkrebs diagnostiziert worden. Anfang Oktober wurde eine Lebertransplantation in den Vereinigten Staaten wegen Metastasenbildung abgesagt. Der Erzbischof wurde 1998 zum Primas der orthodoxen Kirche von Griechenland gewählt. Wiederholt machte er mit deftigen Aussagen zu Kirche, Gesellschaft und Politik sowie durch Rechtsstreitigkeiten mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., Schlagzeilen. 2001 traf Christodoulos beim ersten Papstbesuch in Griechenland seit über tausend Jahren mit Johannes Paul II. zusammen.

Zuletzt empfing ihn im Dezember 2006 Benedikt XVI. im Vatikan. Bei dieser Gelegenheit verlieh ihm die Päpstliche Lateran-Universität in Rom eine Ehrendoktorwürde. Als Primas trat Christodoulos vehement für den Erhalt einer autonomen orthodoxen griechischen Staatskirche ein. Das brachte ihn in scharfen Gegensatz zum Patriarchen von Konstantinopel, zu dessen Jurisdiktion traditionell auch mehrere griechische Diözesen gehören. In Griechenland bekennen sich rund 98 Prozent der Bevölkerung zum orthodoxen Glauben. Vor seiner Wahl zum Athener Erzbischof war Christodoulos Christos Paraskevaidis Metropolit von Dimitrias und Almyros/Volos. Als Mitglied der Heiligen Synode war er zuständig für die ökumenischen Beziehungen in der orthodoxen Kirche Griechenlands.