Spurensuche in der Klausur

Eine Ausstellung des Freisinger Diözesanmuseums gibt Einblicke in das Leben in Kloster Beuerberg. Von Marie-Thérese Knöbl

Kloster Beuerberg wird ab Herbst Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten als Unterkunft dienen. Foto: IN
Kloster Beuerberg wird ab Herbst Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten als Unterkunft dienen. Foto: IN

Rückblick auf eine erhabene Tradition: ehemals stolzes und wohlhabendes Augustinerchorherrenstift, ab 1835 in Besitz des emsigen Ordens der Salesanerinnen, wird das Barockjuwel Kloster Beuerberg im Süden von Wolfratshausen bei München derzeit Gegenstand archivarischen Interesses, bevor es ab Herbst diesen Jahres Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten als Unterkunft dienen wird. Denn so soll durch das Erzbistum München und Freising hier der Auftrag von Papst Franziskus nach mehr globaler Gerechtigkeit umgesetzt werden.

Kloster Beuerberg steht für eine lange und bewegte Geschichte. Im Jahre 1121 wurde es von den Grafen von Eurasburg als St. Peter und Paul geweihtes Sühnekloster gegründet, kurz darauf erhielt es die päpstliche Bestätigungsurkunde. Die Salesianerinnen, deren Leben in Kloster Beuerberg bis zum 16. Oktober 2016 eine große Sonderausstellung des Freisinger Diözesanmuseums gewidmet ist, sind hingegen erst verhältnismäßig kurz in Beuerberg: Mehr als 600 Jahre nach der Gründung des Klosters und erst nach den Wirren der Säkularisation und dem Abtransport der einst legendären Bibliothek in die Staats- und die Universitätsbibliothek München begannen hier 1846 sieben Schwestern und fünf Novizinnen von der Heimsuchung Mariä aus dem nahe gelegenen Dietramszell nach den Regeln des weiblichen Ordens der Salesianerinnen Don Bosco miteinander zu leben. Mit der Förderung der Lehrorden unter König Ludwig I. erlebte das Kloster eine neue Blüte; im 20. Jahrhundert hielten die Schwestern unerschütterlich dem Totalitarismus der Nationalsozialisten und den Wirren der Kriegsjahre stand.

Im idyllisch gelegenen Kloster Beuerberg waren die Schwestern auf vielfältige Weise tätig. Zunächst betrieben sie hier bis zu dessen Auflösung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1934 ein deutsch-französisches Lyzeum mit Internat. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren diente das Kloster als Lazarett sowie als Müttergenesungsheim und vorübergehende Unterkunft für Lehrer, Schüler und Mitschwestern aus München, Österreich und Tschechien und als Altenheim. Das Altenheim wurde schließlich zu Beginn der 70er Jahre aufgelöst, bis vor zwei Jahren lebten noch vierzehn agile Schwestern in dem Kloster. Mit einem Gottesdienst wurden sie am 5. Mai 2014 entlassen und auf nahe gelegene Altenheime der Franziskanerinnen, der Barmherzigen Schwestern und der Salesianerinnen verteilt. Noch im selben Jahr ging der Klosterkomplex in den Besitz des Erzbistums München und Freising über. Seither sind einige Umbauten begonnen worden, über die weitere Nutzung als Seminarhotel, Exerzitienzentrum und Flüchtlingsunterkunft wird spekuliert. Das im 18. Jahrhundert als Zentrum der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit weithin bekannte Kloster – Zentrum insbesondere der historischen und naturwissenschaftlichen Forschung mit einer umfangreichen Bibliothek, einer bestens ausgestatteten Apotheke, einer meteorologischen Station mit täglicher Übermittlung der Wetterbeobachtungen an die Bayerische Akademie der Wissenschaften nach München sowie einem Münz- und einem Naturalienkabinett – erlebt somit knapp 900 Jahre nach seiner Gründung erneut einen Wandel.

Aus diesem Anlass hat das selbst im Umbau befindliche Diözesanmuseum Freising hier eine große thematische Ausstellung rund um das Leben im Kloster konzipiert. Bis 16. Oktober ist ein Teil der Räume des Klosters für die Sonderausstellung „Klausur – vom Leben im Kloster“ der Allgemeinheit geöffnet. Im Rahmen dieser Ausstellung besteht die einmalige Gelegenheit, nicht nur den Friedhof der Schwestern und den Klostergarten, sondern auch Kapitelsaal, Refektorium, Backstube, alte Apotheke, Kreuzgänge und Nonnenchor, Sakristei und Wirtschaftsräume zu besichtigen. In der Backstube der Schwestern kann außerdem an besonderen Tagen mitgebacken werden, im Refektorium und auf der vorgelagerten Terrasse herrscht vorübergehend ein äußerst charmanter Cafébetrieb. An allen Tagen während der Sonderausstellung kann man hier, ob mit oder ohne Einkehr im Refektorium, durch Lustwandeln im klostereigenen Garten auf einzigartige Art und Weise den Blick vom Kloster auf die Dorfkirche und die umliegende oberbayerische Landschaft genießen.

In den Klosterräumen selbst möchte das Diözesanmuseum Freising „stimmungsvolle Einblicke“ in den Alltag der Beuerberger Schwestern geben. Das gelingt an der zur Kasse umgewandelten Klosterpforte, in den Besucherräumen, im Kreuzgang und der exemplarisch geöffneten Zelle einer sogenannten „Windenschwester“ (Pfortenschwester) recht gut.

Eher schwierig wird es an Stellen, an denen dem Besucher gegenüber so getan wird, als sei eine Ordensberufung ein Kuriosum aus längst vergangenen Zeiten, das Leben in einem Frauenkloster beinahe so etwas wie eine Absonderlichkeit der menschlichen Natur. Denn dass die Schwestern mit ihrem Leben in Beuerberg Kirche und Gesellschaft mehr als nur ein oder zwei gute Dienste erwiesen haben, wird auf jedem Schritt deutlich. Dass sie im Laufe der Jahrhunderte so manchen historischen Wirren zu trotzen verstanden, auch. Dem Rundgang folgen ein „Ausstellungsladen“, in dem gegen Barzahlung Möbel und persönliche Gegenstände der letzten Schwestern erworben werden können, sowie ein „Archiv der Erinnerung“ mit Fotografien und Interviews mit den 2014 ausgeschiedenen Schwestern von Kloster Beuerberg, untergebracht in einem kastenförmigen schwarzen Pavillon. Der Katalog zur Ausstellung bietet eine Dokumentation beschaulicher Stilleben und Zitate aus zehn bayerischen Frauenklöstern mit Sitz in der Erzdiözese München und Freising; er archiviert, was außerhalb der Buchseiten durchaus noch existiert, dessen Existenz jedoch unmittelbar bedroht ist: „Einige dieser Frauenklöster sollen in den nächsten Jahren wegen Nachwuchsmangels aufgelöst werden“, verrät der Katalog.

Für den Fall von Kloster Beuerberg steht fest: 179 Jahre lang haben die Salesiannerinnen über das Loisachtal geblickt und mit ihrem selbstlosen Dienst am Nächsten und ihrem unermüdlichen Gebetsleben intensiv in die Welt hineingewirkt. Nun werden wohl Flüchtlinge das Leben in der Klosteranlage und die landschaftlich herrliche Umgebung genießen können. Was immer an diesem Ort entstehen mag: Das Gebet der Schwestern und der Augustiner Chorherren wirkt weiter.

Sonderausstellung „Klausur – Vom Leben im Kloster“. Kloster Beuerberg, Klosterstraße 2, 82547 Eurasburg-Beuerberg

Anfahrt mit dem Auto/Bus über die A 95, Ausfahrt Beuerberg (Park- und Busparkplätze sind vorhanden); Anfahrt mit der S-Bahn von München: S7 bis Wolfratshausen & Bus 372 Richtung Beuerberg (Bahnhofsstraße und kurzer Fußweg)

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 11–19 Uhr

Schulklassen nach Anmeldung Montag bis Freitag ab 8.30 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei