„Schwere Fälle“

Erzabt kündigt umfangreiche Aufklärung in Sankt Ottilien an

Sankt Ottilien (DT/KNA) Der Erzabt von Sankt Ottilien, Jeremias Schröder, hat eine umfassende Aufklärung der Missbrauchsfälle in seinem Kloster angekündigt. Es habe „schwere und traurige Fälle“ gegeben“, sagte der Erzabt in seiner Sonntagspredigt, die auf der Homepage des Klosters unter www.erzabtei.de veröffentlicht ist. Zugleich bat er um Mithilfe: „Wenn es etwas zu klären gibt, dann helfen Sie uns bitte in diesem Tagen und Wochen, dies zu tun.“ Die Missionsbenediktiner stehen seit Freitag in Kontakt mit der Staatsanwaltschaft. „Wir werden selbstverständlich alles offenlegen, was von dort angefragt wird, und Mitbrüder zur Selbstanzeige bewegen oder notfalls selber melden, wo sich Strafbares ergeben sollte“, unterstrich der Erzabt.

Die Erzabtei wolle auch die Öffentlichkeit regelmäßig über den Stand der Ermittlungen informieren. In den bisher eingegangenen Briefen und Berichten sei eine „sehr tiefe Verletzung“ zu spüren. Deswegen und wegen der Hoffnung auf Heilung sei der Orden dankbar für alle, die jetzt helfen würden, die Geschichte aufzuklären. Von einem namentlich bekannten mutmaßlichen Opfer wird ein in den 1960-er Jahren als Erzieher und Lehrer tätiges Ordensmitglied beschuldigt, das seit 1969 nicht mehr dem Orden angehört. Weiter sieht sich das Kloster mit einem anonymen Vorwurf sexuellen Missbrauchs gegen einen Mitbruder konfrontiert. Demnach soll es in den 1960-er Jahren und 1970-er Jahren zu missbräuchlichen Handlungen im damaligen Seminar gekommen sein. Der Mitbruder wurde nach Bekanntwerden der Informationen von seinen derzeitigen Aufgaben entbunden. In Sankt Ottilien gelten die von der Deutschen Ordensobernkonferenz erarbeiteten Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Ordensleute. Das Vorgehen in der Untersuchung wird unter der Autorität des Ordensoberen von einem Beauftragten koordiniert. Ihm steht ein Beraterkreis zur Seite, der sich aus einer Therapeutin, einem Juristen einer großen Anwaltskanzlei und einem Kirchenrechtler zusammensetzt.

Der Erzabt bat zugleich um Geduld bei Aufklärung. Es gehe nicht darum, etwas zu vertuschen. Vielmehr werde die Zeit benötigt, um mit jedem Opfer sprechen zu können. Auch der Beschuldigte müsse Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten. „Wir werden um Verzeihung bitten müssen“, kündigte Schröder an. Doch wäre es zu billig, sich jetzt schon allgemein zu entschuldigen. Er wolle jedes dem Ordem bekannte Opfer persönlich zum Verzeihung bitten, so der Erzabt. Sollte der Täter noch leben, wolle er auch diesen dazu bewegen. Zu klären sei auch noch der spätere Umgang mit dem Täter. In den Vereinigten Staaten hätten die Bischöfe durch ihre Null-Toleranz-Politik die Kinderschänder auf die Straße gesetzt. Das schütze sicher keine künftigen Opfer und entspreche nicht dem, was ein Mitbruder dem Kreis der Benediktiner bedeute, auch wenn er sich versündigt habe.