Schon zu Lebzeiten verehrt

Die selige Bonne de Carlat – 26. Oktober Von Katrin Krips-Schmidt

Bonne de Carlat oder Bonne d’Armagnac stammte aus einem angesehen Adelsgeschlecht. Sie kam um 1430 im Schloss Carlat in der französischen Auvergne auf die Welt. Ihr Vater Bernard VIII. d‘Armagnac, ein Graf und Vicomte, war Hauslehrer des Dauphins, des künftigen Königs Ludwig XI. (1423-1483), auch Ludwig der Kluge genannt. Bonnes Mutter Eléonore de Bourbon war Herzogin von Nemours und Gräfin von la Marche.

Zudem war ihr Bruder Jean Bischof von Castres. Ein weiterer Bruder, Jacques d’Armagnac, Herzog von Nemours, wurde 1477 wegen eines von ihm angezettelten Komplotts gegen den König, der ihn zuvor mit Wohltaten überhäuft hatte, hingerichtet.

Eine Vorfahrin, Isabelle de Carlat (1265–1328), gründete 1323 eine Abtei, die dem Drittorden der Klarissen angegliedert war: den Konvent Sainte-Claire de Boisset, der sich zur Aufgabe machte, sich um Mütter aus der Region zu kümmern.

Bonnes Eltern hatten sich schon lange ein Mädchen gewünscht. Wenn ihr Wunsch in Erfüllung gehen sollte – so hatten sie gelobt – solle ihre Tochter Gott im Orden der Klarissen geweiht werden. Als Bonne das Eintrittsalter erreicht hatte, wollte sie von diesem Plan jedoch nichts wissen. Dennoch führte sie ein Leben voller Großzügigkeit armen Frauen aus ihrer Umgebung gegenüber und widmete sich Leprakranken. Den von ihrer Ahnfrau Isabelle ein Jahrhundert zuvor ins Leben gerufenen Konvent baute sie weiter aus. Überall wurde sie hoch verehrt, und man nannte sie schon „die Heilige von Carlades“ – nach dem Namen eines Teils der Provinz Auvergne, in der sie so segensreich wirkte.

1459 fasste sie dann aber doch noch den Entschluss, Ordensschwester zu werden, allerdings bei den Klarissen von Lézignan, im südfranzösischen Languedoc, fast am Mittelmeer und mehr als 300 Kilometer südlich von ihrem Heimatort gelegen. Um zu zeigen, dass es ihre eigene Entscheidung sei und sie nicht aus Gehorsam ihren Eltern gegenüber handele, brach sie mit einem prächtigen Gefolge auf. Ihr Bruder Jacques widersetzte sich ihrem Vorhaben, denn er wollte seine Schwester aus eigenen Machtinteressen verheiraten. So begab er sich sogleich nach Lézignan, als er von dem Plan Bonnes erfuhr. Bei seiner Ankunft griff sich die beherzte junge Frau jedoch eine Schere und schnitt sich ihre lange Haarpracht ab – im Mittelalter ein Zeichen für Herrschaft und Adel – um sich damit der Möglichkeit zu berauben, in den Ehestand mit einem Edelmann zu treten.

Bonne starb 1462, nachdem sie drei Jahre im Kloster Lézignan gelebt hatte.