Samenkorn in England

Zum Gedenktag des heiligen Alban am 22. Juni Von Claudia Kock

In der Grafschaft Hertfordshire im Süden Englands erhebt sich die mächtige „St. Alban’s Cathedral“, die längste und höchstgelegene Kirche in England. Von den Anwohnern wird sie noch heute „The Abbey“ genannt, auch wenn die einst an die Kirche angeschlossene Benediktinerabtei 1539 von Heinrich VIII. aufgehoben wurde und später verfallen ist. Die Abtei wurde 739 gestiftet auf dem Ort der Hinrichtung des heiligen Alban, des ersten christlichen Märtyrers in England. Alban lebte zur Zeit der Christenverfolgungen im dritten oder Anfang des vierten Jahrhunderts in Verulamium, einer Stadt des römischen Britannien, 35 Kilometer nördlich vom heutigen London. Die Geschichte seines Martyriums hat der Mönch Beda Venerabilis (672–735) in seiner „Kirchengeschichte der englischen Nation“ überliefert.

Beda berichtet, dass Alban, der damals noch die heidnischen Götter verehrte, einem von kaiserlichen Truppen verfolgten christlichen Priester in seiner Wohnung Unterschlupf gewährte. Der Priester verharrte Tag und Nacht im Gebet, was Alban sehr beeindruckte. „Da kam die göttliche Gnade über ihn“, schreibt Beda, „und er begann, das Vorbild des Glaubens und der Frömmigkeit, das er vor Augen hatte, nachzuahmen.“ Der Priester unterwies ihn im Glauben, und schließlich ließ Alban sich von ihm taufen.

Als die Soldaten vor der Tür standen, um den Priester gefangen zu nehmen, zog Alban dessen Gewand an und ließ sich selbst anstelle des Priesters verhaften, während dieser entkommen konnte. Alban wurde vor den Richter geführt, der ihn nach Namen und Herkunft fragte. Er antwortete: „Meine Eltern haben mich Alban genannt, und ich verehre den wahren und lebendigen Gott, den Schöpfer aller Dinge“. Daraufhin forderte der Richter ihn auf, den Göttern ein Opfer darzubringen. Als er sich weigerte, ließ der Richter ihn foltern und gab schließlich den Befehl zu seiner Hinrichtung.

Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte musste Alban einen Fluss durchqueren, aber die einzige Brücke war voll mit Schaulustigen, die der Hinrichtung beiwohnen wollten. Alban wünschte sich so sehr den Märtyrertod, dass er zum Himmel betete und der Fluss daraufhin zurückwich. Als der Henker das sah, bekehrte auch er sich zum Glauben, sodass ein zweiter Henker das Urteil vollstrecken musste. Dieser wurde daraufhin mit Blindheit geschlagen. Der Richter, von all diesen Wundern beeindruckt, befahl, die Verfolgung einzustellen.

Bedas Bericht enthält viele legendäre Elemente, aber sicher ist, dass Albans Ruhm schon früh über England hinausging. Bereits im sechsten Jahrhundert schrieb Venantius Fortunatus, Bischof von Poitiers: „Ein fruchtbringendes Britannien rühmt Albans Namen.“ Der Ort seiner Hinrichtung geriet nie in Vergessenheit. Schon zu Bedas Lebzeiten stand dort ein Gotteshaus.