Rom berät über Pfarrer-Rebellion

Bischöfe aus Österreich informieren den Vatikan über drohende Kirchenspaltung. Von Guido Horst

Helmut Schüller, der Wortführer der Pfarrer-Initiative. Foto: Kathpress/Rupprecht
Helmut Schüller, der Wortführer der Pfarrer-Initiative. Foto: Kathpress/Rupprecht

Rom (DT) Im Vatikan hat am Montagnachmittag ein Gespräch zwischen Spitzenvertretern der Österreichischen Bischofskonferenz und Vertretern römischer Dikasterien über die von dem Priester Helmut Schüller geführte „Pfarrer-Initiative“ stattgefunden. Diese Gruppe, die nicht nur für Ungehorsam gegenüber der katholischen Kirchenführung wirbt, sondern Thesen vertritt, die die Grenze zur Häresie überschreiten, will sich nun auch als internationale Organisation und als andere Länder und Kontinente umfassendes Netzwerk aufstellen (siehe DT vom 24. Januar).

Die „Los-von-Rom-Bewegung“ hat Sympathisanten

Für Papst Benedikt und die römische Kurie ist der Augenblick gekommen, dieser Los-von-Rom-Bewegung nicht weiterhin tatenlos zuzuschauen. Wie Schüller selber in Interviews mitteilte, warteten schon Pfarrer-Gruppen etwa in Deutschland oder Frankreich darauf, sich mit seiner Initiative zu verbinden. Die österreichischen Bischöfe waren bei dem Gespräch im Vatikan vertreten durch den Wiener Kardinal Christoph Schönborn, den Erzbischof von Salzburg, Alois Kothgasser, sowie durch die Oberhirten von Graz und Sankt Pölten, Egon Kapellari und Klaus Küng. Mit am Tisch saßen Kurienprälaten des vatikanischen Staatssekretariats, der Glaubenskongregation sowie der Kongregationen für die Bischöfe und den Klerus. Ziel der vatikanischen Seite war es unter anderem, durch gezielte und detaillierte Fragen das Ausmaß des drohenden Pfarrer-Abfalls zu ermessen, der eine Kirchenspaltung zur Folge hätte. Für manche österreichische Medien gilt Helmut Schüller, der einmal der Generalvikar von Kardinal Schönborn und österreichischer Caritas-Präsident war, als Star. Zudem kann Schüller auf einen starken Rückhalt unter romkritischen Katholiken der Alpenrepublik zählen. Jetzt kommen Gruppierungen von Geistlichen aus dem Ausland hinzu. Mit seinem „Ich kann nicht anders“ erinnert Wortführer Schüller an den Reformator Martin Luther.

Aber auch Kardinal Schönborn, der dann am Dienstagabend im römischen Anima-Zentrum ein Requiem für Otto von Habsburg las, vertritt ein „Ich kann nicht anders“: das der Deeskalation.

Die Vernetzung der Pfarrer bringt Rom in Zugzwang

Der Wiener Erzbischof zögert, mit kirchenrechtlichen Schritten gegen die aufständischen Priester vorzugehen, weil er befürchtet, dass angesichts des medialen Erfolgs von Schüller eine offizielle und damit öffentliche Klärung des Konflikts statt zu einer bisher latenten, dann auch zu einer offen ausbrechenden Kirchenspaltung führen könnte. Das hat der Wiener Kardinal bei dem Spitzengespräch im Vatikan auch dargelegt.

Schweigen oder nicht schweigen, so stellt sich offensichtlich die Frage im Vatikan. Es gibt Stimmen in der römischen Kurie, die dafür eintreten, dass die Hirten der Kirche es nicht weiter hinnehmen dürfen, dass sich unter der Decke der österreichischen Kirche ein schleichendes Schisma ausbreitet. Den Konflikt aus den Medien und der Öffentlichkeit herauszuhalten, bedeute schließlich nicht, dass er in der Sache nicht schon länger existiert. Die Gläubigen bräuchten Orientierung, auch wenn klare Worte bedeuten könnten, dass man einen Teil der Kirchenmitglieder verliere.

Papst Benedikt ist besorgt über die Pfarrer-Rebellion in Österreich. Das Gespräch am vergangenen Montag fand in größter Vertraulichkeit statt. Die vatikanischen Medien oder Pressestellen haben nicht darüber berichtet. Man möchte den Eindruck vermeiden, dass es immer Rom und der Vatikan sind, die gegen Abweichler vorgehen. Lieber sähe man es, wenn die zuständigen Bischöfe, das heißt die Oberhirten in der Alpenrepublik, selber eine Klärung der Zustände unter ihren Priestern herbeiführen würden. Trotzdem dürfte Kardinal Schönborn mit einem kleinen Gefühl der Erleichterung zurück nach Wien fahren. Wenn die „Pfarrer-Initiative“ jetzt angekündigt hat, sich zu internationalisieren und über die Grenzen hinaus zu vernetzen, so ist das keine rein österreichische Angelegenheit mehr. Dann müsste am Ende doch der Vatikan einschreiten.