Psychiater warnte Münchner Ordinariat vor Pädophilem

München (DT/KNA) Das Erzbistum München-Freising hat Warnungen eines Psychiaters vor einem pädophilen Geistlichen offenbar jahrelang ignoriert und ihn trotz Vorstrafe in der Gemeindeseelsorge eingesetzt. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstag) berichtet, behandelte der Münchner Psychoanalytiker Werner Huth (80) den unlängst suspendierten und wegen Missbrauchs verurteilten Bad Tölzer Kurseelsorger H., der 1980 von Essen nach München kam. Huth sagte der SZ, er habe von Anfang an vor dem Mann gewarnt, vor allem davor, ihn mit Kindern und Jugendlichen arbeiten zu lassen. Mit kurzen Unterbrechungen war der Priester bis 2008 in der Gemeindearbeit tätig. Der damalige Generalvikar Gerhard Gruber erklärte bei Bekanntwerden des Falls vor einer Woche dem Blatt, die Prognose für den Priester sei so günstig gewesen, dass keine Bedenken gegen einen erneuten Einsatz in der Pfarrseelsorge bestanden hätten. Zugleich räumte er ein, dies sei ein „schwerer Fehler“ gewesen. Im Ordinariat hält man Huths Darstellung für glaubwürdig. Huth sagte der Zeitung, der Mann sei wenig einsichtsfähig gewesen. Er habe ihm auferlegt, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten, keinen Alkohol zu trinken und sich von einem Supervisor kontrollieren zu lassen. Darüber habe er, Huth, mit dem damaligen Generalvikar und mit Weihbischof Heinrich Graf von Soden-Fraunhofen gesprochen. Spätestens 1985 lag diese Einschätzung nach Huths Angaben dem Ordinariat auch schriftlich vor.