Priestersein – ein fortgesetzter Glaubensakt

Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen begeht vierzigjähriges Priesterjubiläum

Fulda (DT/bpf). „Gott ist wirklich treu“, betonte Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen aus Anlass seines 40-jährigen Priesterjubiläums am Sonntag im Hohen Dom zu Fulda. Gerade in Zumutungen und Problemen sei Gott da, so der Jubilar, der 1969 im Paderborner Dom durch Kardinal Lorenz Jaeger (1892–1975) zum Priester geweiht worden war. „Priestersein ist ein einziger, fortgesetzter Akt des Glaubens“, zitierte Festprediger Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, den früheren Paderborner Erzbischof. Aufgabe und Dienst eines Bischofs sei es, die Frage nach Gott wachzuhalten, damit das Zwischenmenschliche in der Gesellschaft nicht ersticke. „Europa braucht die Rückbindung an Gott“, rief der Freiburger Erzbischof sodann in Erinnerung. Es reiche nicht aus, es nur als Wirtschafts- und Währungsunion zu gestalten. „Geben wir Europa ein christliches Gesicht und damit eine menschliche und menschenwürdige Zukunft!“ Das Gehen für Jesus und das Gehen zu Jesus sei das, was einen „Mann Gottes“ charakterisiere, so Zollitsch weiter, der Bischof Algermissen die Gabe wünschte, wie der Freiburger Religionsphilosoph Bernhard Welte die Zeichen der Zeit und die Erfahrungen des Glaubens denkend zu durchdringen, sowie die Kraft, wie Kardinal Jaeger die Gegenwart im Geist Jesu Christi zu gestalten und Weichen für die Zukunft zu stellen.

Mit Bischof Algermissen konzelebrierten neben Erzbischof Zollitsch Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn), Bischof Friedhelm Hofmann (Würzburg), die Fuldaer Weihbischöfe Johannes Kapp und Karlheinz Diez sowie Domkapitular Bruno Heller (Erfurt). Der Domchor Fulda und der Jugendkathedralchor unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber sangen in dem Gottesdienst Chorsätze aus der „Messe in D“ von A. Dvoøák sowie weitere von J. S. Bach und W. A. Mozart; an der Domorgel spielte Domorganist Hans-Jürgen Kaiser.

Beim anschließenden Empfang im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät begrüßte Generalvikar Gerhard Stanke die anwesenden Bischöfe sowie die Familie des Jubilars und zahlreiche Gäste aus Kirche und Gesellschaft. Allen die frohe Botschaft Gottes zu verkünden, bezeichnete Stanke als erste Aufgabe eines Priesters und ein Hauptanliegen von Bischof Algermissen. Der Paderborner Erzbischof Becker stellte anschließend in seinem Grußwort die Heimatverbundenheit Algermissens und seine „westfälischen Tugenden“ Glaubensüberzeugung, Beständigkeit und Verlässlichkeit heraus. Der Jubilar beziehe auf schwierigem Terrain Position, „ohne die Kritik zu scheuen, die Dir manchmal auch auf verletzende Weise entgegentritt“. In besonderer Weise gelte dies, wenn die Einheit der Kirche vor Ort mutwillig verletzt werde, betonte Becker mit Blick auf die jüngsten Aktivitäten der Piusbruderschaft in Fulda. Für Algermissens über dreißigjährigen Dienst als Priester und dann Weihbischof im Erzbistum Paderborn sagte der Erzbischof Dank.

Im Namen des Landes Hessen gratulierte der Vize-Ministerpräsident und Minister für Justiz, Integration und Europa, Jörg-Uwe Hahn (FDP), Bischof Algermissen zum 40jährigen Priesterjubiläum. Dabei würdigte der Politiker die gute Zusammenarbeit zwischen katholischer Kirche und dem Land. In Deutschland bestehe zwar eine Trennung zwischen Staat und Kirche, aber kein laizistischer Staat. Daher sei auch von staatlicher Seite ein Glückwunsch selbstverständlich, unterstrich Hahn, wobei er die Rückbesinnung auf die christlich-jüdischen Werte in Europa als Grundlage für 60 Jahre Frieden herausstellte und die enge Zusammenarbeit von Staat und Kirche bei sozialen Aufgaben hervorhob.

Professor Christoph Gregor Müller, Rektor der Theologischen Fakultät Fulda, verwies in seinem Grußwort an Bischof Algermissen als Großkanzler der Fakultät auf die besondere Bedeutung der Zahl 40 in der Bibel, so zum Beispiel darauf, dass der Auferstandene seinen Jüngern 40 Tage lang erschien. Bischof Algermissen verkünde als Oberhirte seiner Diözese Jesus als den Auferstandenen. Der Vorsitzende des Priesterrats der Diözese, Pfarrer Martin Schöppe (Hofgeismar), dankte Algermissen für die deutlichen Worte, die dieser am Diözesantag am 3. Juli über den Dienst der Priester gefunden habe. Ein Priester müsse Geistlicher mit und für die Menschen sein. Katholikenratsvorsitzender Richard Pfeifer bezeichnete Algermissen als „ersten Seelsorger“ im Bistum, der sich um die Menschen sorge und mit dem Pastoralen Prozess eine notwendige „geistliche Erneuerung aus dem Evangelium“ in Angriff genommen habe. Algermissen selbst dankte am Schluss den Rednern für ihre guten Worte und machte deutlich: „Hier in Fulda bin ich zu Hause“.