Paul-Werner Scheele: Ein Leben für die Einheit

In der Ökumene liegt das Vermächtnis des verstorbenen Bischofs Paul-Werner Scheele. Von Kilian Martin

Paul-Werner Scheele
Bischof em. Paul-Werner Scheele (1928–2019). Foto: Markus Hauck (POW)

„Friede und Freude“ hatte Paul-Werner Scheele als Wahlspruch über sein Bischofsamt gestellt. Nach über 44 Jahren in diesem Dienst darf man sagen, dass der frühere Würzburger Oberhirte seinem Motto gerecht geworden ist. So war sein Wirken, das die Überwindung der schmerzlichen Trennung der Christenheit stets zentral im Blick hatte, immer geprägt von großer Lebensfreude und Menschenfreundlichkeit. Am vergangenen Freitagabend ist Scheele im Alter von 91 Jahren in Würzburg gestorben.

Die Jugend von Paul-Werner Scheele

Seiner späteren Heimat näherte sich der Sauerländer Scheele unfreiwillig bereits in Jugendjahren erstmals. Als junger Wehrmachtssoldat kam er kurz vor Kriegsende nach Franken. Der erst 16-Jährige desertierte und schlug sich vom Maintal in seine kriegszerstörte Heimatstadt Olpe durch. „Das sind Dinge, die man nie vergisst“, erinnerte sich Scheele im Gespräch zu seinem 90. Geburtstag mit der „Main-Post“.

Knapp zwei Jahrzehnte nach Kriegsende kehrte Scheele – nach Theologiestudium, Priesterweihe und ersten Pfarrerjahren in Paderborn – als Doktorand nach Würzburg zurück. Als einen bereits damals außergewöhnlichen Theologen beschreibt ihn sein langjähriger Wegbegleiter Fidelis Ruppert. Der frühere Abt von Münsterschwarzach erinnert sich in seinem Nachruf auch an die Lebensfreude Scheeles, seinerzeit „besonders bekannt fürs Fußballspielen“.

Arbeit an der Einheit der Kirche

Die Dissertation im Jahr 1964 über Johann Adam Möhler, einen Wegbereiter der Ökumenik, wies bereits auf Scheeles Lebensthema hin. Die Arbeit an der Einheit der Kirche führte ihn auch zum Zweiten Vatikanischen Konzil, bei dem er als Berichterstatter an der dritten Sitzungsperiode teilnahm. Ein prägendes Erlebnis, wie er noch Jahrzehnte später betonte. Auch in seiner universitären Laufbahn, zunächst in Bochum, später wieder in Würzburg, kreiste Scheele stets um die Fragen der Ökumene. Im Jahr 1971 als Dompropst in seinem Heimatbistum Paderborn zurückgekehrt, übernahm er auch die Leitung des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik.

Theologe, Ökumeniker und Seelsorger

Schließlich setzte sich auch der Bischof Paul-Werner Scheele stets für das Streben nach der Einheit ein. Zunächst als Weihbischof in Paderborn, seit 1979 dann als Bischof von Würzburg, war Scheele ein weltweit geschätzter Ökumeniker. So hatte er nicht zuletzt großen Anteil an der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre von Lutheranern und Katholiken im Jahr 1999. In seinen letzten Lebensjahren setzte er sich zudem besonders für den Dialog mit den orientalischen Kirchen ein. Dabei war er immer auch auf der Suche, was die Kirche im Westen von der reichen Tradition des Ostens noch zu lernen hat.

Paul-Werner Scheele bleibt in seinem Bistum nicht nur als großer Theologe und Ökumeniker in Erinnerung. Besonders den aufgeschlossenen und vor allem humorvollen Seelsorger haben viele Würzburger schätzen gelernt. Besonders war er den Erlöserschwestern verbunden. Noch bis vor wenigen Monaten feierte Scheele täglich die heilige Messe in ihrem Mutterhaus. Als ihm das zuletzt nicht mehr möglich war, brachten wiederum die Schwestern ihrem alten Bischof die heilige Kommunion.