Patronin der Kranken

Zum Gedenktag der heiligen Äbtissin Bilhildis von Altmünster am 27. November. Von Katrin Krips-Schmidt

Bilhildis-Brunnen am Erthaler Hof in Mainz. Statue der Äbtissin mit dem Modell des Altmünsterklosters. Foto: KNA
Bilhildis-Brunnen am Erthaler Hof in Mainz. Statue der Äbtissin mit dem Modell des Altmünsterklosters. Foto: KNA

Wie nicht selten bei Heiligen aus dem frühen Mittelalter, liegen uns über das Leben von der ehemaligen Äbtissin von Altmünster, Bilhildis, nur wenige schriftliche Überlieferungen vor, hauptsächlich Viten, die etliche Jahre nach ihrem Tod verfasst wurden. Auf Abbildungen ist die Heilige mit ihrem Äbtissinnengewand oder im Fürstinhermelin bekleidet, als Attribute sind ihr Kirchenmodell und Stab beigegeben.

Die Verehrung für Bilhildis ist seit dem 9. Jahrhundert nachweisbar, sie soll Mitte des 7. Jahrhunderts in Veitshöchheim, wenige Kilometer nordwestlich von Würzburg gelegen, geboren worden sein. Ihr Name kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „die mit dem Beil Kämpfende“. Sie entstammte dem fränkischen Adelsgeschlecht der Haganonen und war eine Tochter des Grafen Iberin und dessen Frau Mathilda.

Als Witwe gründete sie ein Benediktinerinnenkloster

Als junge Frau heiratete sie wahrscheinlich 718 den heidnischen Thüringerkönig Hetan II., den sie – so weiß die Legende zu berichten – zum Christentum bekehren konnte. Nachdem ihr Mann bei einem Kriegszug 719 ums Leben gekommen war, begab sich Bilhildis nach Mainz, wo sie mit Hilfe ihres Onkels, Bischof Rigibert von Mainz, einen Frauenkonvent gründete: Das Benediktinerinnenkloster Altmünster, dem sie bis zu ihrem Tod um das Jahr 734 selbst als Äbtissin vorstand.

In den mittelalterlichen Viten wird ihre Mildtätigkeit gegenüber den Kranken hervorgehoben, sowie ihre Gabe der Herzensschau, wodurch sie die ihr anvertrauten Menschen in besonderer Weise unterstützen konnte. So kümmerte sich die Heilige, die selbst Mutter eines Kindes war, das allerdings mit drei Jahren starb, vor allem um Frauen während der Geburt, aber auch um Mütter, die nach ihrer Niederkunft lebensbedrohlich erkrankt waren.

Der Konvent erhielt das Schweißtuch Christi

Ihre Lebensbeschreibungen erwähnen zudem die Schenkungen, die ihrem Kloster gemacht wurden. Dazu gehören unter anderem auch die Reliquien der heiligen Märtyrer der thebäischen Legion und der Jungfrauen der heiligen Ursula von Köln. Als wichtigste Reliquie wurde dem Konvent das Schweißtuch Christi gestiftet, das nun in der nicht öffentlich zugänglichen Ostkrypta des Mainzer Doms aufbewahrt wird. Bis ins 19. Jahrhundert hinein erfuhr es bei Wallfahrten eine rege Verehrung.

Bilhildis starb um 734 in Mainz. Ihre Kopfreliquie befindet sich in einem Sammelreliquiar im Mainzer Dom. An einem Sonntag im Mai findet alljährlich in ihrem Geburtsort Veitshöchheim die Bilhildis-Prozession statt, bei der ihr zu Ehren ihre Büste durch den Hofgarten und die Straßen der Stadt getragen wird. Die heilige Bilhildis wird als Patronin der Kranken verehrt.