Papstbiograf: Vatikan soll Positio überarbeiten

George Weigel plädiert für öffentliche Klarstellung des Heiligen Stuhls zur Rolle Johannes Pauls II. vor einer allfälligen Seligsprechung

Washington/Rom (DT/KAP) Vor dem Hintergrund der Vertuschungsvorwürfe gegen Papst Johannes Paul II. in den Causen „Kardinal Groer“ und „Padre Maciel“ hat sich der amerikanische Publizist George Weigel für eine Öffnung und Überarbeitung der offiziellen Positio zum Wojtyla-Papst ausgesprochen. Das berichtet der nordamerikanische Journalist John Allen in einem aktuellen Beitrag für die Wochenzeitung „National Catholic Reporter“ (NCR).

Die Positio ist die kirchenrechtlich erforderliche detaillierte vatikanische Biografie des Kandidaten für ein Seligsprechungsverfahren. Die Positio für Johannes Paul II. wurde an sich 2009 – vor der Welle der Enthüllungen zum aktuellen Missbrauchs-Skandals – abgeschlossen. Am 19. Dezember 2009 hatte Benedikt XVI. das Dekret über den „heroischen Tugendgrad“ seines 2005 verstorbenen Vorgängers unterzeichnet; Basis für das Dekret war die Positio.

Weigel ist Theologe, Publizist und Politikwissenschaftler und Dozent am Think-Tank „Ethics and Public Policy Center“ in Washington. Bekannt wurde er vor allem durch seine Wojtyla-Biografie „Zeuge der Hoffnung“. Im Blick auf die Vertuschungsvorwürfe gegen Johannes Paul II. in der Maciel-Missbrauchscausa – Marcial Maciel, 2008 verstorbener Gründer des Ordens der „Legionäre Christi“, stand beim Wojtyla-Papst in hohem Ansehen – plädierte Weigel NCR zufolge dieser Tage für eine öffentliche Klarstellung des Vatikans. Diese müsste jedenfalls noch vor einer allfälligen Seligsprechung erfolgen.

Wörtlich unterstrich Weigel: „Es geht um eine Maßnahme der Klugheit, um zu verhindern, dass sich nach einer Seligsprechung bereits der dritte Absatz in sämtlichen Berichten mit P. Maciel befasst, der das nicht verdient. Deshalb hoffe ich, dass die Seligsprechung erst nach Veröffentlichung einer Dokumentation erfolgt, die belegt, wie das Täuschungsmanöver Maciels tatsächlich abgelaufen ist.“

Papst Benedikt XVI. hatte vor drei Wochen mit der Ankündigung der Einsetzung eines Legaten für die „Legionäre Christi“ und der Durchführung einer Studie zur Neuausrichtung des Ordens – voraussichtlich verbunden mit der Auswechslung der gesamten Führung – Konsequenzen aus einem Missbrauchsskandal gezogen, mit dem er schon vor seinem Pontifikat konfrontiert war. Im Vatikankommunique wurde verlautbart, dass Ordensgründer Marcial Maciel (1920–2008) ein intolerables Doppelleben geführt habe. Seminaristen sollen von ihm missbraucht worden sein; mit zwei Frauen soll er drei Kinder gezeugt haben, von denen er zwei ebenfalls missbraucht haben soll. Im Kommunique spricht der Vatikan vom „objektiv unmoralischen Verhalten“ des aus Mexiko stammenden Ordensgründers, der Seminarien und Universitäten ins Leben gerufen hatte.