Papst kreiert weitere Kardinäle

Sechs neue Mitglieder im Senat des Heiligen Vaters – Benedikt XVI.: „Die Kirche ist die Kirche aller Völker“. Von Guido Horst

Dürfen sich ab sofort mit dem Kardinalspurpur schmücken: Erzbischof Rubén Salazar Gómez, der maronitische Patriarch Bechara Boutros Rai, Erzbischof Olorunfemi Onaiyekan, Erzbischof Luis Antonio Tagle, Erzbischof James Michael Harvey und Großerzbischof Baselios Cleemis Thottunakal... Foto: Fotos: KNA/dpa
Dürfen sich ab sofort mit dem Kardinalspurpur schmücken: Erzbischof Rubén Salazar Gómez, der maronitische Patriarch Bech... Foto: Fotos: KNA/dpa

Rom (DT) Im Vatikan verleiht Papst Benedikt XVI. heute einem Patriarchen und fünf weiteren Erzbischöfen das purpurrote Birett und ergänzt damit das letzte Konsistorium vom vergangenen Februar. Die neuen Kardinäle sind der maronitische Patriarch von Antiochia, Seine Seligkeit Bechara Boutros Rai, sowie der aus den Vereinigten Staaten stammende Erzbischof James Michael Harvey, der bisher Präfekt des Päpstlichen Hauses war und als Erzpriester die Leitung der Patriarchalbasilika Sankt Paul vor den Mauern übernehmen wird. Des Weiteren nehmen der Inder Baselios Cleemis Thottunakal, Großerzbischof der Syro-Malankaren, der Erzbischof von Abuja in Nigeria, John Olorunfemi Onaiyekan, der Erzbischof von Bogota, Rubén Salazar Gómez, und der Erzbischof von Manila, Luis Antonio Tagle, die Ernennungsurkunde vom Papst entgegen. Tagle habe mit einem Stipendium des Missionswissenschaftlichen Instituts (MWI) von missio Aachen promoviert und zähle „mittlerweile zu den wichtigsten Theologen und Botschaftern der asiatischen Kirche innerhalb der katholischen Weltkirche“, teilte missio gestern in Aachen mit.

Benedikt XVI. begründet seine Wahl

Es ist das erste Konsistorium seit 88 Jahren, in dem kein Europäer ernannt wird. Mit dem heutigen Konsistorium wird die katholische Kirche wieder 119 wahlberechtigte Kardinäle haben, neunzig von ihnen hat Benedikt XVI. persönlich ernannt. Es ist das fünfte Konsistorium in der Amtszeit des deutschen Papstes. Benedikt XVI. hatte das Konsistorium bei der Generalaudienz in der letzten Arbeitswoche der römischen Bischofssynode vom vergangenen Oktober angekündigt.

Die Nachricht hatte – auch im Vatikan und in der römischen Kurie – für Überraschung gesorgt, weil unter den sechs neuen Kardinälen kein Europäer ist und auch der Pro-Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, nicht auf der Liste der Erwählten steht. Der Papst hat daraufhin nochmals beim Abschluss der Bischofssynode die Bedeutung des kleinen Konsistoriums von heute erläutert. Der Gedanke an diese Kardinalserhebung sei aus der Absicht heraus entstanden, so erklärte Benedikt XVI., das Konsistorium zu vervollständigen, das bereits zu Beginn dieses Jahres stattgefunden hatte, und zwar „im Kontext der Neuevangelisierung und um die Universalität der Kirche zu demonstrieren“.

Beim vergangenen Konsistorium im Februar hatten Kommentatoren angemerkt, dass die Liste der neuen Purpurträger stark „europalastig“ sei. Allein sieben Italiener waren damals in das Kardinalskollegium berufen worden. Mit der Kardinalserhebung von heute wird das wieder ausgeglichen. Am letzten Arbeitstag der Synode hatte Papst Benedikt dazu erläutert, dass „die Kirche die Kirche aller Völker“ sei, in allen Sprachen spreche und immer die „Kirche von Pfingsten“ sei. Sie sei nicht die Kirche eines Kontinents, sondern die universelle Kirche. Diesen Zusammenhang, diese Universalität der Kirche habe er ausdrücken wollen, als er die Ernennung der sechs neuen Kardinäle angekündigt habe.

Spekulation um Gänswein als Nachfolger Harveys

„Für mich“, so der Papst damals mit Blick auf die Teilnehmer an der Synodenversammlung, „ist es wahrhaft aufbauend, tröstend und ermutigend, hier den Spiegel der universellen Kirche mit ihrem Leiden, Bedrohungen, Gefahren und Freuden und Erfahrungen der Gegenwart des Herrn auch in schwierigen Situationen zu sehen“. Mit Spannungen wird nun erwartet, wen der Papst zum neuen Präfekten des Päpstlichen Hauses ernennen wird. Erzbischof Harvey war 1998 von Johannes Paul II. in dieses Amt berufen worden und hat in dieser Eigenschaft auch den mittlerweile wegen Dokumentendiebstahls verurteilten Kammerdiener Paolo Gabriele eingestellt. Der Präfekt des Päpstlichen Hauses empfängt Staatsgäste und hohen Besuch im Apostolischen Palast und begleitet sie zum Papst. Hinter den Kulissen ist er für alles zuständig, was die offiziellen Termine und Audienzen des Papstes betrifft. Italienische Medien spekulieren derzeit, ob Privatsekretär Georg Gänswein die Nachfolge Harveys antreten könnte (siehe auch Seite 4).