Papst erklärt Hamel informell zum Seligen

Vatikanstadt (DT/KNA) Papst Franziskus hat den von Islamisten ermordeten französischen Priester Jacques Hamel als „Seligen“ bezeichnet. Italienischen Medien zufolge ermunterte er nach einer Messe für Hamel am Mittwoch den Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, ein Foto des Getöteten in der Kirche aufzustellen, da dieser „bereits selig“ sei. Lebrun dürfe sich auf die persönliche Erlaubnis des Papstes berufen, gaben die Medien den Erzbischof wieder. Franziskus hatte am Mittwoch in seiner Hauskapelle gemeinsam mit französischen Pilgern und Lebrun eine Gedenkmesse für Hamel gefeiert. Einer formalen Seligsprechung, mit der die offizielle Verehrung eines Verstorbenen in den katholischen Kirchen einer bestimmten Region oder einer Gemeinschaft erlaubt wird, geht in der Regel ein mehrjähriges kirchliches Verfahren voraus. Franziskus hatte den 85-jährigen Hamel in seiner Predigt zunächst als Märtyrer bezeichnet und ergänzt: „Und die Märtyrer sind Selige – wir müssen ihn bitten, dass er uns Sanftmut, Brüderlichkeit, Frieden schenkt, aber auch den Mut, die Wahrheit zu sagen: Töten im Namen Gottes ist satanisch.“ Zwei Männer hatten dem 85-jährigen Hamel während eines Gottesdienstes in seiner Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray am 26. Juli die Kehle durchgeschnitten. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ reklamierte die Tat für sich. Am Donnerstag werde in der Kirche San Bartolomeo auf der Tiber-Insel das Brevier des 85-jährigen Geistlichen als Reliquie deponiert, sagte der Präsident der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Marco Impagliazzo, am Dienstag in Rom. An der Zeremonie nehme Rouens Erzbischof Dominique Lebrun teil. Zu dessen Kirchenbezirk gehörte Saint-Etienne-du-Rouvray, wo Hamel am 26. Juli während eines Gottesdienstes getötet worden war. Die Kirche San Bartolomeo wird seit 1993 von Sant'Egidio betreut; 2002 widmete Johannes Paul II. (1978–2005) sie den Märtyrern des 20. Jahrhunderts. Das Gotteshaus verwahrt Reliquien und Erinnerungsgegenstände von Christen unterschiedlicher Konfessionen, die aufgrund ihres Glaubens gewaltsam ums Leben kamen, etwa Erzbischof Oscar Romero (1917–1980) oder der NS-Widerstandskämpfer Franz Jägerstätter (1907–1943).