Osterfeiern am selben Termin

Bonn (DT/KNA) Dies ist kein Ostern wie jedes andere. Seit 1943 ist kein Ostersonntag mehr so spät gewesen wie in diesem Jahr. Damals fiel das Fest der Auferstehung Jesu auf den 25. April, in diesem Jahr ist es der 24. April. An einem 24. April fand Ostern zuletzt 1859 statt, das nächste Mal wird es erst wieder 2095 sein, weiß Reinhold Bien, Kalenderexperte im Heidelberger Astronomischen Rechen-Institut. Auf Jahre im Voraus berechnen die Wissenschaftler dort mit Computerprogrammen oder astronomischen Erfahrungswerten den Lauf der Gestirne und die sich daraus ergebenden Jahresläufe und Feste. Dass das höchste Fest der Christenheit so sprunghaft durch den Kalender wandert, hat mit dem jüdischen Passahfest und seiner Abhängigkeit vom Mondkalender zu tun. Das Passahfest wird alljährlich am 14. Nissan, am Tag des ersten Frühjahrsvollmonds, gefeiert – unabhängig davon, um welchen Wochentag es sich dabei handelt. Da Jesus laut Bibel unmittelbar vor dem Passah-Fest gekreuzigt wurde, orientierten sich auch die ersten Christen an diesem Datum. Denn Ostern wird in den christlichen Kirchen immer am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert. Als Frühlingsbeginn gilt dabei der 21. März; frühester Ostertermin ist deshalb der 22. März, spätester der 25. April. Es sind also insgesamt 35 verschiedene Ostertermine möglich. Laut Bien sind die extrem frühen und die extrem späten Ostertermine aber vergleichsweise selten. Dies ist noch aus einem anderen Grund kein Ostern wie jedes andere. Denn trotz unterschiedlicher Zeitrechnung feiern katholische, evangelische und orthodoxe Christen das Fest von Tod und Auferstehung Jesu in diesem Jahr wieder am selben Tag. Das kommt nicht gerade häufig vor. Denn seit dem sechzehnten Jahrhundert folgen orthodoxe und die westlichen Kirchen unterschiedlichen Kalendern: die russisch-orthodoxe richtet sich nach dem auf Julius Caesar zurückgehenden Julianischen Kalender, katholische und evangelische Kirche folgen dem 1582 von Gregor XIII. reformierten Kalender. Die Ostertermine können deshalb bis zu fünf Wochen auseinanderfallen. Gemeinsame Ostern gab und gibt es in den gut 1 500 Jahren zwischen 1583 und dem Jahr 3000 genau 271 Mal, wie die zahlen-begeisterten Astronomen ausgerechnet haben – davon im 20. Jahrhundert 26 Mal, im 21. Jahrhundert 31 Mal.

Versuche, sich zu einigen, verliefen im Sand

Für viele Christen ist ein solcher kalendarischer Zufall deshalb von hoher Symbolik. Eine Einigung auf einen gemeinsamen Ostertermin könnte ein Signal für das Zusammenwachsen aller Kirchen werden, meinte Papst Johannes Paul II. vor wenigen Jahren. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist seit Jahrzehnten um eine Vereinheitlichung des Osterdatums bemüht – bislang ohne Erfolg. Denn alle Versuche, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, verliefen im Sand. Zuletzt wurde das Problem 1997 im syrischen Aleppo thematisiert und ein gemeinsamer Vorschlag erarbeitet. Wegen großer Widerstände in den orthodoxen Kirchen – die über solche Fragen in den 1920er Jahren schon einmal einen bis zur Kirchenspaltung hochkochenden Konflikt erlebt hatten – trat diese Regelung jedoch nicht in Kraft. „Kalender-Korrekturen waren in der Geschichte immer nur schwer durchsetzbar, weil Menschen ihre Gewohnheiten ändern und sich an neue Zeitrhythmen gewöhnen müssen“, mahnt Bien mit Blick auf Unruhen und Volksaufstände bei der Gregorianischen Kalenderreform. Wer etwa Ostern verschieben wolle, müsse nicht nur das ganze Kirchenjahr verändern. Auch Ferientermine und die Karnevalssession seien betroffen. „Und wer will schon gerne Ostern im Mai feiern, wo doch für viele das Osterfest mit dem Frühling und dem neuen Leben verbunden ist?“ rechnet er vor. „Wenn Sie mich fragen: Am besten ändert man nichts.“