Ökumenischer Meilenstein

Orthodoxer Patriarch predigt vor katholischer Synode im Vatikan

Vatikanstadt (DT/KNA) Als erster nicht-katholischer Kirchenführer überhaupt hat am Samstag der orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. vor der Weltbischofssynode im Vatikan gepredigt. Bei einem Gottesdienst in der Sixtinischen Kapelle unterstrich das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie die zentrale Bedeutung der Heiligen Schrift für die Christen und für deren Einheit. Es sei ein „historisches Ereignis“, dass er vor diesem Weltbischofstreffen sprechen könne, hob Bartholomaios I. hervor, der unter den Fresken Michelangelos auf gleicher Augenhöhe mit dem Papst Platz nahm.

In seiner theologischen Ansprache äußerte er die Hoffnung, dass die getrennten Kirchen bald zur vollen Einheit finden. Eindringlich rief er zu gemeinsamem Einsatz gegen Armut, Ungerechtigkeit, Rassismus und gegen die Zerstörung der Schöpfung auf. Die theologische Ansprache des Ökumenischen Patriarchen war ein Höhepunkt der Bischofssynode. Sie endet am 26. Oktober im Vatikan und befasst sich mit der Bedeutung der Bibel für das Leben und die Sendung der Kirche. Benedikt XVI. bedankte sich zum Abschluss für die Rede des Patriarchen, die eine Erfahrung echter Gemeinschaft gezeigt habe. Die Christen in Ost und West hätten gemeinsame Kirchenväter, unterstrich er unter Hinweis auf die vielen Zitate des Patriarchen aus dem religiösen Erbe des Orients. „Wenn wir gemeinsame Kirchenväter haben, wie können wir dann nicht Brüder sein?“, hob er hervor. Die Rede des Patriarchen habe tatsächlich „Synode“ im Sinne einen Zusammentreffens erleben lassen. Der „christliche Realismus“ halte die Christen an, gemeinsam auf die Herausforderungen der Welt zu reagieren. „Wir sind auf einem gemeinsamen Weg mit Ihnen“, so Benedikt XVI. wörtlich.

In der traditionellen Kapelle der Papstwahl waren die 253 Bischöfe des Kirchentreffens, darunter gut vierzig Kardinäle, sowie die Beobachter, Delegierten und Experten versammelt. Benedikt XVI. und Bartholomaios I. nahmen auf zwei gleichartigen Thronen unter den Fresken von Michelangelos „Jüngstem Gericht“ Platz. Nach den Psalmengesängen und den Fürbitten wurde die Lesung auf Griechisch vorgetragen. Zum Abschluss erteilten Papst und Patriarch nacheinander den Segen.