Nuntius in Polen von Vorwürfen entlastet

Warschau (DT/KNA) Neu freigegebene Archivdokumente entlasten den Vatikan-Botschafter in Polen, Erzbischof Jozef Kowalczyk (71), vom Vorwurf der Zusammenarbeit mit dem einstigen kommunistischen Geheimdienst SB. Wie die Tageszeitung „Rzeczpospolita“ (Dienstag) berichtete, ist Kowalczyk den SB-Akten zufolge 1982 ohne sein Wissen unter dem Decknamen „Cappino“ als „Informationskontakt“ registriert worden. Zudem habe er sich als unbrauchbar für den Geheimdienst erwiesen. Das Blatt hatte dem Apostolischen Nuntius vor einem Jahr unter Berufung auf SB-Akten vorgeworfen, er habe womöglich wissentlich mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet. Der Krakauer Pfarrer Tadeusz Isakowicz-Zaleski, der sich seit Jahren der Aufarbeitung der Geheimdienst-Vergangenheit von Geistlichen widmet, veröffentlichte damals die Dokumente und kritisierte Kowalcyk. Die Bischofskonferenz stellte sich hingegen hinter den Nuntius und wies die Vorwürfe zurück. Die Historische Kommission des Erzbistums Warschau entlastete Kowalczyk ebenfalls. Sie stellte im Januar 2009 im Auftrag des Nuntius fest, es gebe keine Hinweise auf eine Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst. Seinen Kontakt als damaliger Leiter der polnischen Abteilung des vatikanischen Staatssekretariats zu Vertretern des polnischen Staates in Rom könne man „auf keinen Fall als Spitzel-Tätigkeit werten“. Der SB führte Kowalczyk bis Januar 1990 als „Informationskontakt“. Der seit 1989 amtierende Nuntius wird als Favorit für die Nachfolge des Primas der katholischen Kirche Polens, Erzbischof Henryk Muszynski (76) von Gniezno (Gnesen), gehandelt. Muszynski soll das Amt zu seinem 77. Geburtstag im März abgeben.