Missionsbewusster Auftakt

Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst als Nachfolger von Franz Kamphaus in Limburg eingeführt

Limburg (DT) Die Einführung eines neuen Bischofs feiert eine Diözese nicht alle Tage. So herrschte am Sonntag Volksfeststimmung rund um den Limburger Dom, als am Sonntagnachmittag der 48 Jahre alte Franz-Peter Tebartz-van Elst feierlich in sein neues Amt eingeführt wurde. Die Glocken läuteten, Vertreter von Kolping, Maltesern und Pfadfindern des Bistums standen mit ihren Fahnen für den Ein- und Auszug des neuen Bischofs vor der Kirche Spalier. Da der Dom mit 2 000 Gästen bis auf den letzten Stehplatz besetzt ist, wurde der Gottesdienst auf Großleinwände in ein großes Zelt vor dem Dom und in die Stadtkirche übertragen. So konnten noch einmal etwa 800 Gläubige den Feierlichkeiten folgen. Zwei Fernsehsender übertrugen das Ereignis live.

An dem Gottesdienst nahmen mehr als 50 Bischöfe aus deutschen und ausländischen Bistümern teil, aber auch Vertreter der evangelischen Christen in Hessen und Landespolitiker, unter ihnen die Ministerpräsidenten Roland Koch und Beck aus Hessen und Rheinland Pfalz. In den ersten Kirchenbänken hatte auch die große Familie des neuen Bischofs Platz genommen: Seine Mutter, Geschwister und eine bunte Schar von zwölf Neffen und Nichten.

Es waren bewegende Momente, als Altbischof Franz Kamphaus seinem Nachfolger als Zeichen der Amtsübergabe den Petrusstab der Limburger Bischöfe übergab – einen wertvollen Stab aus dem Domschatz. „Elf Bischöfe haben ihn vor dir getragen. Der Heilige Geist hat Dich zum Bischof bestellt, damit Du das Volk Gottes leitest auf dem Weg des Evangeliums. Hab Acht auf die Herde Christi“, sagte Kamphaus, der wie sein Nachfolger gebürtiger Münsteraner ist. Sichtlich ergriffen sagte Tebartz-van Elst leise „Danke“.

Zuvor hatte der apostolische Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Périsset, die Ernennungsurkunde des Papstes überreicht, die anschließend vom Domkapitel – es hatte Tebartz-van Elst aus einer Liste von drei Kandidaten gewählt – in Augenschein genommen wurde. Daraufhin führte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner den neuen Bischof in sein Amt ein. Da das Bistum Limburg zusammen mit den Diözesen Aachen, Münster, Osnabrück und Trier zur rheinischen Kirchenprovinz gehört, war es Meisners Aufgabe, Tebartz-van Elst zur steinernen Cathedra, dem Bischofsstuhl zu führen. Erst mit dem „Platz nehmen“ auf der Cathedra nimmt der neue Bischof sein Bistum in Besitz und tritt sein Amt an.

Die Aufgabe eines Bischofs sei es, so Meisner in seiner Ansprache, den Ursprung der Kirche zu vergegenwärtigen. Weil jeder Bischof selbst von einem anderen geweiht wurde, der ebenfalls seine Bischofsweihe von einem anderen empfangen habe, gehe die Weihelinie „zurück zum Anfang zu den Aposteln und damit zum Herrn“. Insofern sei das Bischofsamt ein „apostolisches Amt“. Meisner legte Wert darauf, dass dies nicht „die kühne Behauptung eines Bischofs aus dem 21. Jahrhundert“ sei, sondern „urapostolische Überzeugung“. Deshalb könne die Kirche auch „nicht aus ihren eigenen Beschlüssen erneuert und revitalisiert werden, sondern immer nur von ihrem Ursprung her, das heißt vom Herrn selbst“.

Deutliche Worte gab Meisner dem neuen Bischof mit in sein Amt. „Manche Menschen übernehmen heute aus verschiedenen Gründen nur jene Wahrheiten des Glaubens, die ihnen passen, während sie andere ablehnen.“ Eine solche Selektion sei jedoch „unannehmbar“. „Der Glaube“, so Meisner, „verträgt keine Teilung, so wie Gott selbst unteilbar sei. Ein geteilter Glaube frustriert. Nur ein ganzer Glaube befreit und inspiriert.“

Seine Antrittspredigt hielt der neue Limburger Bischof über den Dom, „der von heute an mein Zuhause ist“. Als Kirche an der Autobahn, als Kirche auf dem Felsen und nicht zuletzt als Kirche mit den sieben Türmen gäbe sie zahlreiche Antworten zum Glauben und zur Glaubensverkündigung. So sei Kirche für viele Menschen „Kirche en passant“. So wie man von der Autobahn aus nur einen schnellen Blick auf die Kirche erheische, so sei es auch im Glaubensleben moderner Menschen: „Die Hast erlaubt vielen keine Rast“, stellte Tebartz-van Elst fest. Er ist jedoch überzeugt davon, dass es einen „Mehrwert des Glaubens“ gibt. „Es muss mehr geben als das, was uns besetzt und hetzt.“ Für die vielen, die vorbeieilen, brauche es überzeugte Christen, die sie dazu bewegen, ein zweites Mal hinzuschauen. „Wo Menschen den Mehrwert des Glaubens in sich tragen, wird sie das Gefühl nicht erschüttern, Minderheit zu sein.“

Tebartz erinnerte an Johannes den Täufer, der von Jesus Zeugnis gegeben hat. „Weil er ,mehr‘ gesehen hat als viele, die nur ,en passant‘ schauen, kann er anderen die Augen für Christus öffnen. So wird Kirche missionarisch.“

Der Limburger Dom, der auf einem Felsen gebaut ist, sei jedoch auch ein Zeichen für das Vertrauen, das die Christen in die Fundamente der Kirche haben können. „Glaube, der trägt“, sagte Tebartz-van Elst weiter, „erwächst aus einer Treue, die mitgetragen hat.“ Die sieben Türme des Limburger Doms interpretierte er als Symbol für die sieben Heilszeichen der Kirchen. „Kirche lebt nicht aus Sitzungen und Satzungen“, so Tebartz-van Elst. Es gehe vielmehr darum, gemeinsam und geistlich den Weg des Glaubens zu gehen und zuerst nach oben und nach vorne zu schauen.

Drei Botschaften an die Zukunft stellte der neue Bischof an den Schluss seiner ersten Predigt. „Es ist an der Zeit, den Herrn zu suchen. Es ist eine Gnade, Halt im Herrn zu haben. Es ist ein Geschenk zu wissen, wohin wir in allem Wandel unterwegs sind.“

Für die Deutsche Bischofskonferenz begrüßte deren scheidender Vorsitzender, der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, seinen neuen Nachbarn. Als Mitglied in den Kommissionen für die Seelsorge und für die Weltkirche in der Bischofskonferenz habe Tebartz besondere Verantwortung für die Mission getragen, sagte Lehmann. Gerade im Rhein-Main-Gebiet mit seinen vielen Großstädten und einer mobilen Gesellschaft brauche die Kirche, so Lehmann, „eine grundlegend missionarische Seelsorge“.

Der 48 Jahre alte Tebartz-van Elst ist der jüngste Diözesanbischof in Deutschland. Zu seinem neuen Bistum gehören etwa 678 000 Katholiken in Teilen von Hessen und Rheinland-Pfalz. Der Pastoraltheologe und bisherige Weihbischof im Bistum Münster tritt die Nachfolge von Franz Kamphaus an, der vor einem Jahr nach fast 25 Jahren als Limburger Oberhirte auf eigenen Wunsch von seinem Amt entpflichtet worden war.

Über der Cathedra, dem Bischofssitz, war wenige Tage vor der Einführung eine Bronzeplatte mit dem symbolträchtigen viergeteilten Wappen des neuen Bischofs befestigt worden. Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sein bisheriges Wappen durch das Emblem des Bistums Limburg in der linken oberen Ecke ergänzen lassen. Das bekannte Zeichen des Bistums Limburg, Kreuz und ein Schwert, das einen Drachen tötet und symbolisch für den Heiligen Georg, den Patron des Bistums steht, sind nun im linken oberen Viertel zu sehen. Die rechte Hälfte des Wappens symbolisiert die Schutzmantel-Madonna von Kevelaer und Maria als Urbild der Kirche. Unten links sind die drei niederrheinischen Flüsse Rhein, Maas und Niers angedeutet, drei Ähren zeigen die Herkunft vom Land. Im theologischen Sinn deuten die Flüsse auf das Sakrament der Taufe hin, die Ähren auf die Eucharistie. Rechts unten ist das Zeichen für das Heimatbistum Münster zu sehen. Über dem Wappen ist der Wahlspruch des neuen Limburger Bischofs, „In Christo baptizati, Christum induistis“ („Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt“), zu lesen.