Cerro de los Angeles

Missionieren mit dem Herzen

Missionereignis mitten in Spanien: Hundert Jahre nach der Weihe der Nation an das Herz Jesu haben mehr als zwölftausend Gläubige in Cerro de los Angeles das Weiheversprechen erneuert.

Tribut an Spaniens wahren König: In Abwesenheit Felipes VI. legten zwölftausend Pilger am Sonntag in Cerro de los Angeles ein Zeugnis für die Vitalität der Herz-Jesu-Verehrung auf der iberischen Halbinsel ab. Foto: Diözese Getafe

Der erste Mann im Staat fehlte: König Felipe VI. blieb der Erneuerung der Weihe Spaniens an das Herz Jesu fern. Gegen massive Widerstände von Freimaurern und antiklerikalen Kräften hatte sein Urgroßvater Alfons XIII. sein Königreich am 30. Mai 1919 im Beisein tausender Gläubiger Christus geweiht. Das Weihegedenken am Sonntag nach dem Herz-Jesu–Fest stand dem historischen Akt an geistlicher Intensität nicht nach: Mehr als zwölftausend Gläubige waren zum Pontifikalamt in das Heiligtum Cerro de los Angeles im geografischen Mittelpunkt des Landes unweit von Madrid gepilgert. Mit dem Apostolischen Nuntius Renzo Fratini sowie mehreren Kardinälen und Bischöfen erneuerten sie vor der weit in die Ebene des Bistums Getafe leuchtenden weißen Christusstatue das Weiheversprechen.

Die Statue gilt als Sinnbild für die unzerstörbare Liebe Gottes und die Anerkennung der Königsherrschaft Christi: Wenige Tage nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs im Juli 1936 feuerten sechs Milizionäre Gewehrsalven auf sie ab. Das mehr als anderthalb Meter breite Herzfragment der Statue, die kurz darauf gesprengt und 1944–65 wieder aufgebaut wurde, wird heute im Karmel von Cerro de los Angeles aufbewahrt. Es zeigt sechs Einschusslöcher, doch keine Kugel traf das Herz Jesu. In Cerro de los Angeles werden auch die sterblichen Überreste von fünf Jugendlichen verehrt, die das Heiligtum während des Spanischen Bürgerkriegs vor der Miliz verteidigten und dabei das Martyrium erlitten.

Schützen zeigen Reue für Schüsse auf Jesu Herz

Bis heute sehen spanische Gläubige in diesem tragischen Kapitel der spanischen Geschichte eine Verpflichtung für die Kirche: In dem von der heiligen Karmelitin Schwester Maravilla von Jesus (1891–1974) gegründeten Kloster wird unablässig gebetet. Die Nonnen wollen dem Herzen Jesu Sühne leisten für den Undank der Menschen und beten für deren Bekehrung. Insbesondere jenen, die im Juli 1936 auf die Herz-Jesu-Statue schossen, gilt ihre Fürbitte. Von zwei Milizionären wissen die Karmelitinnen, dass sie ihr Vergehen nach dem Krieg bereuten: Einer bat im Kloster der Vinzentinerinnen von Zaragoza um einen Beichtvater und erzählte den Schwestern, wie leid es ihm tue, dass er im Bürgerkrieg auf das Herz Jesu Schüsse abgefeuert habe. Und ein anderer, der nach dem Krieg verurteilt wurde, bat den Richter um ein besonderes Strafmaß: Er wollte beim Wiederaufbau von Gotteshäusern mitarbeiten, um Sühne zu leisten für seine Untaten in Cerro de los Angeles.

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Bischof Ginés García Beltrán von Getafe erinnerte am Sonntag an das schwierige Jahrhundert, das Spanien erlebt habe: „Vieles hat sich geändert, manches haben wir zerstört, doch Gottes Liebe bleibt bis zum Ende.“ Die Erneuerung der Weihe des Landes an das Herz Jesu verband er mit dem Auftrag zur Neuevangelisierung: „Diese Hundertjahrfeier ist ein Missionsereignis, das der Erneuerung dienen soll. Wir kehren zu Ihm zurück, um von der Logik seines Herzens zu lernen. Von uns wird heute verlangt, dass wir vom Herzen her das Evangelium verkünden.“ Das Jubiläum sei auch eine Einladung, „den Kindern und Jugendlichen die Liebe und Verehrung des Herzens Jesu nahezubringen. „Wir sollen ihnen zeigen, dass einer sie als schwache und sündige Menschen liebt. Damit geben wir ihnen den Schlüssel zum Glück in die Hand.“ Auch der Madrider Kardinal Carlos Ososo rückte die geistliche Erneuerung Spaniens in den Fokus: Das Herz Jesu zeige, wie Gott wirklich ist.

Die Herz-Jesu-Verehrung hat Tradition in Spanien

Zur geistlichen Erneuerung des Landes gehört auch eine Wiederbesinnung auf seine Geschichte der Herz-Jesu-Verehrung. Deren ersten Apostel, der 2010 seliggesprochene Jesuit Bernardo Francisco de Hoyos de Sena (1711–1735). Bestärkt durch die Lektüre der Werke des französischen Jesuiten Joseph de Gallifet und (1663–1663) wurde er Feuer und Flamme für die von der seligen Margareta Maria Alacoque verbreiteten Herz-Jesu-Verehrung. Seine mystischen Erfahrungen im Jesuitenkonvent von Valladolid fasste er in dem Buch „Der versteckte Schatz des Heiligen Herzens Jesu“ (1734) zusammen.

Im Mittelpunkt der Botschaft des seligen Bernardo stehen, kurz gefasst, die Verheißungen der Barmherzigkeit und die Prophezeiung Jesu aus dem Jahr 1733: „Ich werde in Spanien herrschen und dort mehr verehrt werden als woanders“. Bis heute erinnert die „Basilika der Großen Verheißung“ im Stadtzentrum von Valladolid an diese Zusage Jesu. Mit dem Bau des Heiligtums von Cerro de los Angeles sollte sich diese Verheißung zumindest symbolisch erfüllen: Der Sockel der Statue trägt die Inschriften: „Ich herrsche in Spanien“ und „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“.

Bis Ende November feiert die Diözese Getafe noch das Jubiläumsjahr mit Tagungen, Pilgerfahrten und Gebetstreffen. Ein Highlight wird der Evangelisierungskongress vom 27. bis 29. September. Ziel ist es, „den Glauben zu stärken und missionarische Jünger werden“, so Bischof Ginés.