„Mehr zärtliche Liebe und mehr christliche Power!“

Der Heiligenkreuzer Zisterzienserpater Karl Wallner folgt Leo Maasburg an der Spitze der Päpstlichen Missionswerke in Österreich. Von Stephan Baier

Bereits im Juni konnte der scheidende Missio-Nationaldirektor Leo Maasburg dem Papst seinen Nachfolger, den Heiligenkreuzer Zisterzienser Karl Wallner, vorstellen. Foto: OR
Bereits im Juni konnte der scheidende Missio-Nationaldirektor Leo Maasburg dem Papst seinen Nachfolger, den Heiligenkreu... Foto: OR

Pater Karl Wallner wirkt, als könnte er Bäume ausreißen und auch noch Spaß dabei haben. Groß, stark, laut und fröhlich, so tritt der Zisterzienser aus dem traditionsreichen Stift Heiligenkreuz auf, der mittlerweile weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt ist. Bernhard Meuser schrieb über ihn: „Er hat Pranken wie ein Hufschmied.“ Pater Karl vermittle „den Eindruck eines in vielerlei Hinsicht überaus kraftvollen und aktiven Menschen“ und sei so etwas wie der „umtriebige Außenminister“ seines Klosters.

Einen Großteil seiner klösterlichen Aufgaben gibt er jetzt ab: die Öffentlichkeitsarbeit ebenso wie die Jugendseelsorge, die er 18 Jahre lang innehatte und – zwischen Kraftkammer und Abteikirche – mit großer Leidenschaft betrieb. Pater Karl Wallner übernimmt als Nationaldirektor die Leitung der österreichischen Missio. „Nanu, was ist denn dem lieben Gott da eingefallen?“, sei sein erster Gedanke gewesen, als er gefragt wurde, bekennt er in „alle welt“, dem Magazin der Missio. Dann jedoch nahm der seit 2005 amtierende Missio-Chef Leo Maasburg ihn zum Treffen aller Nationaldirektoren nach Rom mit. Dort hörte er, was Papst Franziskus von seinen Missionswerken erwartet: „Ihr seid nicht nur zum Spendensammeln da. Auf, versetzt die ganze Kirche in eine missionarische Aufbruchsstimmung!“ Das habe er als „päpstlichen Marschbefehl“ verstanden, so Pater Karl. Zunächst will er in den Senegal fahren, dann nach Peru. Die Atmosphäre in den Ländern des Südens müsse man „erst einmal atmen“, meinte er am Dienstag in Wien. Der dynamische Zisterzienser aus dem Wienerwald, der mit 18 Jahren ins Kloster ging, will aber auch die missionarische Mentalität unter Österreichs Gläubigen fördern: „Eigentlich sind wir selbst die Missionsländer. Bei uns gibt es das Geld, in den Ländern des Südens dafür die Intensität des Glaubens.“ Darum wünsche er sich für die Kirche in Österreich „mehr zärtliche Liebe und mehr christliche Power“.

Die Neuevangelisierung war dem rastlosen Pater schon bisher wichtig. In seinem Bestseller „Wer glaubt, wird selig“ kritisierte Karl Wallner, der von sich sagt, er sei „ein glücklicher Mensch und ein noch glücklicherer Mönch“, die Übersetzung des Entlassungsrufs am Ende der Messe. „Ite, missa est!“ sei ein kraftvoller Befehl: „So geht doch endlich! Brecht auf! Raus mit Euch!“ Mission sei, „wenn man einen energetischen Impuls erhalten hat, wenn man angestoßen wurde, um etwas weiterzugeben“. Darum sei jede Messe „wirklich eine Sendungsfeier für die Christen“. Auch da liegt der neue Missio-Chef ganz auf der Linie seines Vorgängers: Leo Maasburg schärfte in zwölf Jahren das katholische Profil der österreichischen Missio im Stil von Mutter Teresa, die er selbst jahrelang auf vielen Kontinenten begleitet hatte. Maasburg kenne die ganze Welt und habe „Missio tief kirchlich und spirituell geprägt“, meint Karl Wallner über seinen Vorgänger.

Der wiederum sagt über seinen Nachfolger, Pater Karl sei „ein hervorragender Theologe mit großem missionarischem Herzen“. Tatsächlich ist Karl Wallner nicht bloß ein dynamischer Organisator, dessen kraftvolle Umtriebigkeit viel zum Boom des Klosters und der Hochschule beitrug. Er ist auch ein Theologe von Format, der mit 25 Jahren an der Universität Wien über die Theologie der Dreifaltigkeit bei Hans Urs von Balthasar in Abgrenzung von Hegel promovierte. Dogmatik und Sakramententheologie will der neue Missio-Chef weiterhin dozieren. Ein Nachfolger als Rektor der „Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ ist auch noch nicht auserkoren. Als er selbst ins Kloster eintrat, so erzählt Pater Karl Wallner, habe die ordenseigene Hochschule gerade einmal 62 Studenten gehabt, heute sind es mehr als 300. „Hier hat sich eine Dynamik entwickelt, die uns selbst überrascht hat.“

Seine eigene Dynamik stellt der in Heiligenkreuz bewährte Seelsorger, Fundraiser, Vortragsreisende und Bestsellerautor – all das ist der Mönch nämlich auch – jetzt der Missio zur Verfügung. Wohl „um ein bisschen Werbung für den katholischen Glauben zu machen, für einen Glauben, der mich selbst erfüllt und glücklich macht“, wie er in seinem Buch „Faszination Kloster“ formulierte. Dort beschrieb er auch seine Entscheidung, mit 18 Jahren ins Kloster zu gehen: „Ich hatte mich einfach in den lieben Gott verliebt.“ Eine gute Voraussetzung für einen Missionar.