Manchmal reden nicht einmal die Steine

Tausende von Kirchen wurden in der Türkei innerhalb des 20. Jahrhunderts zerstört – Bis zum Ersten Weltkrieg hatte Ostanatolien eine armenische Mehrheit

Während der türkische Premier Erdogan Druck auf die EU macht, die Gespräche über den EU-Beitritt der Türkei zu beschleunigen, fürchtet das über 1 600 Jahre alte syrisch-orthodoxe Kloster Mar Gabriel in Ostanatolien um seine Existenz.

Die Bürgermeister dreier kurdischer Dörfer in der Nachbarschaft des Klosters versuchen, sich das Klostergelände anzueignen. Mar Gabriel gehört zu den ältesten Klöstern der Christenheit und ist das Zentrum der verbliebenen aramäisch sprechenden Christen im Turabdin. Von den mehr als 100 000 Christen, die es dort noch vor einem halben Jahrhundert gab, sind heute nur wenige tausend geblieben. Zehntausende Christen sind nach Deutschland, Schweden und Holland ausgewandert, wo sie heute Bischöfe und Pfarreien haben. Im Ersten Weltkrieg waren Hunderttausende von syrisch-orthodoxen, aber auch katholischen und nestorianischen Christen in diesem Gebiet ermordet worden. Ihr Schicksal ist viel weniger bekannt als das der Armenier. Zwar gab es in den letzten Jahren Hoffnungen, als mehr als hundert Familien aus Schweden in den Turabdin zurückkehrten, doch die Bedrohung für das Kloster Mar Gabriel löst heute Ängste und Befürchtungen aus, auch diese letzte christliche Bastion in der Türkei könnte ebenso dem Untergang geweiht sein wie das übrige Christentum in Kleinasien. Dort gibt es zwar noch einen katholischen Erzbischof in Izmir und einen Bischof in Iskenderun mit insgesamt einem Dutzend Pfarreien, doch die Kirchenstruktur der armenischen, orthodoxen, nestorianischen und chaldäischen Kirche ist seit dem Ersten Weltkrieg ausgelöscht.

Tausende von Kirchen wurden zerstört

„Während die armenische Bevölkerung in einigen Bezirken von Istanbul wuchs, nahm sie in anderen ab. Infolge dieser Fluktuation waren einige Kirchen und Schulen überflüssig und verschwanden.“ So versucht ein 1991 in Istanbul erschienener türkisch-englisch-armenischer Bildband „Armenian Churches of Istanbul“ euphemistisch ein Kapitel dieses Buches über nicht mehr bestehende armenische Kirchen in Istanbul einzuleiten. Ihr Schicksal lässt ahnen, was mit den weit über 1 800 armenischen Kirchen im ganzen Land geschah. In Istanbul sind zwar 40 orthodoxe, zwölf katholische und drei protestantische Kirchen der Armenier geblieben, aber in der übrigen Türkei weniger als ein Dutzend. Zerstörung, Schändung und Abriss von Kirchen und Kapellen gab es noch bis zum letzten Viertel des 20. Jahrhunderts im ganzen Stadtgebiet von Istanbul. So verschwand die Stefanskirche in Hasköy, als 1975 eine Brücke über das Goldene Horn gebaut wurde. In Pangalti musste schon 1920 die St. Gregor-Kirche dem Straßenbau weichen. Die St. Jakob-Kirche in Zeytinburnu wird seit 1950 als Fabrik benützt, die Kirche in Alemdagh auf der asiatischen Seite des Stadtgebietes ist seit 1922 eine Moschee.

Wenn heute die Zahl der verbliebenen Griechen in Istanbul viel geringer ist als die der Armenier und nur noch wenige tausend beträgt, ist abzusehen, wann die Orthodoxen nicht mehr alle ihre 40 Kirchen unterhalten können. Von den weit über 1 000 griechischen Kirchen Kleinasiens und Thrakiens sind nur jene auf den Prinzeninseln vor Istanbul und auf den Inseln Imbros und Tenedos bei den Dardanellen geblieben. Die Kathedralen und Bischofssitze, die vielen alten Kirchen und Klöster in Kleinasien und in der europäischen Türkei außerhalb Istanbuls gibt es seit 1923 nicht mehr. Manche Gebäude dienen heute dem türkischen Staat als Schulen und Bibliotheken, aber auch Privatpersonen als Warenlager, Scheunen oder Ställe für das Vieh. Das gilt für das Pontos-Gebiet genauso wie für das Küstengebiet der Ägäis, für Kappadokien und Ostanatolien, und gilt für die ehemaligen Gotteshäuser aller Konfessionen. Nur manche dieser Kirchen sind heute Museen und wurden renoviert wie das griechische Sumela-Kloster bei Trabzon, dem alten Trapezunt, oder die armenische Kathedrale auf der Insel Aghtamar im Vansee. Sie sind heute Touristenmagnete, aber die anderen ehemaligen griechischen Klöster bei Trabzon oder die armenischen Klöster im Osten werden kaum genannt. Wenn sie als mögliches Touristenziel auftauchen, dann fehlen meist Hinweise, wann sie zu Ruinen wurden. Wurden sie im Mittelalter durch Eroberung oder durch Erdbeben zerstört? Oder erst 1915 oder 1922?

Wie reich an christlichen Bauwerken Kleinasien war, kann nicht übertrieben werden. Alte Reiseführer aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg nennen noch Ankara als Sitz zweier armenischer (gregorianischer und katholischer) Bischöfe und eines griechischen Metropoliten. Kayseri, Malatya, Mardin, Diyarbakir und andere Städte hatten mehrere Bischöfe. Wo sind ihre Kirchen und Kathedralen?

Ruinen als Touristenziele

Der Touristenort Ayvalik an der Ägäis rühmt sich heute in Türkisch, Englisch, Französisch und sogar Russisch seiner historischen Ruinen und zeigt im Internet die ehemaligen Kirchen der Taxiarchen, des heiligen Johannes, der Muttergottes, der Heiligsten Dreifaltigkeit und des heiligen Panteleimon mit Bildern der heutigen Ruinen. Auch die Nikolaus- und Demetrios-Kirche und einige ehemalige Klöster werden so vorgestellt. Für das Schwarzmeergebiet empfehlen Sevan und Müjde Niºanyan in einem englisch-türkischen Reiseführer nicht nur das Sumela-Kloster, sondern auch die Ruinen des „Kaymakli Monastery“. Für das alte armenische Erlöser-Kloster müssen sie aber feststellen, es sei „now part of a privatly owned farm“ ebenso wie die leerstehenden Ruinen des Peristera-Klosters des heiligen Georg und des Vazelon Klosters.

In den modernen Reisehandbüchern der Osttürkei werden kunstgeschichtlich bedeutsame Kirchenruinen dieses Gebietes beschrieben: Alte Klosteranlagen finden sich dort, armenische Kreuzkuppelkirchen, Heiligenreliefs an der Außenwand der Heilig-Kreuz-Kirche auf der Insel Aghtamar im Van-See und andere Kunstdenkmäler. Aber es wird kaum erwähnt, manchmal mit keinem Wort, dass Ostanatolien bis 1915 eine armenische Mehrheit hatte, ehe die Türken 1915 mit der Endlösung und der Vernichtung der Armenier begannen. Wie zahlreich die Armenier Anatoliens waren, ersieht man daraus, dass es in Kleinasien mehr als 50 armenisch-orthodoxe Bistümer gab, die dem Patriarchat von Konstantionopel unterstanden. Es gab ferner ein Dutzend Bischöfe des Katholikats Kilikien und des Patriarchates Aghtamar. Dazu kamen 15 armenisch-katholische Diözesen. Solche Bischofsstädte der mit Rom unierten Armenier waren unter anderem Artvin, Trabzon, Ankara, Bursa, Erzerum, aber auch Siirt und Mardin. Sie wurden bis 1972 noch im Päpstlichen Jahrbuch, wenn auch ohne Zahlenangaben, geführt und sind heute Titularbistümer. Am weitesten ging die Zerstörung alles Armenischen in der Stadt Van am Vansee. Die heutige Stadt ist erst nach dem Ersten Weltkrieg entstanden. „Die alte Stadt wurde 1915 verlassen“, lesen wir in Reiseführern. Von der alten Burg blickt man auf weniger als ein Ruinenfeld: Man blickt auf das Nichts, aus dem nur zwei Ruinen von Moscheen ragen. Auch in Kars und Erzerum erinnert wenig an die Armenier. Beide Städte sind zwar gewachsen, Erzerum ist sogar eine Millionenstadt, aber es sind keine Armenier geblieben.

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es im armenischen Patriarchat Konstantinopel in Kleinasien 1 778 Kirchen und Pfarreien, dazu kamen die Gotteshäuser im Katholikat Kilikien und im Patriarchat Aghtamar. Aber Dutzende armenische Dörfer waren schon bei den Pogromen 1895 und 1908 mit ihren Kirchen zerstört worden. Bei diesen Pogromen und Massakern gab es bei allen drei Konfessionen Zehntausende von Toten. In Urfa, dem alten Edessa wurden 1895 mehr als 1 000 Armenier in der Kirche verbrannt. Die Kirche wurde wieder restauriert, aber 1915 ging das traditionsreiche Armeniertum in Urfa unter. Die dortigen Armenier hatten sich wie ihre Landsleute auf dem Musadag gewehrt und gegen die Deportation verteidigt. Für die türkischen Soldaten, die daraufhin gegen das Armenierviertel eingesetzt wurden, führte ein deutscher Artillerie-Offizier die Kanonen bei der Belagerung. Er hatte das schon am Fuße des Musadag getan, dort allerdings ohne Erfolg. In Urfa machte er seine Schlappe vom Musadag erfolgreich wett und zerschoss das Armenierviertel, woraufhin die Kurden die Armenier niedermetzelten.

Manchmal sprechen noch Steine

Seit dem Ersten Weltkrieg erinnern nur Steine noch an die Armenier. Oft sind auch die Ruinen gänzlich verschwunden. Am südlichen Ufer des Vansees liegt bei Ganjak auf einer Terrasse einer Halbinsel das Thomas-Kloster. Nach einer Blütezeit im 16. bis 18. Jahrhundert wurde es 1801 noch einmal restauriert und ausgebaut, erlebte aber 1895 eine Plünderung und 1915 die Zerstörung. Nach armenischer Überlieferung befanden sich hier die Reliquien des Apostels Thomas, die aus Indien über Edessa hierher kamen. Gegenüber einer kleinen Insel am Westufer ist vom Kloster St. Johannes noch ein Teil der Kirche erhalten. Das Kloster unterhielt im 15. Jahrhundert ein berühmtes Skriptorium und wurde im 18. Jahrhundert erweitert und 1801 sowie 1829 restauriert. „Religiöser und politischer Fanatismus machten dann im 20. Jahrhundert eine Weiterführung des Klosters unmöglich“, umschreibt Josef Guter in seinem „Lexikon der christlichen Klöster“ die Zerstörung im Jahr 1915. Ähnlich zurückhaltend drückt sich der gleiche Autor auch bei anderen Klöstern aus, sei es bei den griechischen in der Umgebung von Trabzon oder bei anderen armenischen Klöstern. „Religiöse Intoleranz führte aber schließlich doch zu seinem unrühmlichen Ende“, heißt es beim Sumela-Kloster. „Das armenische Kloster Surb Yakob (Sankt Jakobus) wurde im 19. Jahrhundert zuerst Ziel entsetzlicher Plünderungen, dann Schauplatz fürchterlicher Massaker und wurde 1969 vollständig abgerissen.“ Der Name Yedikilise (Sieben Kirchen) für das Varak-Vank-Kloster weist auf die Bedeutung dieser heute ebenfalls zerstörten Klosteranlage hin, von der heute nur eine Marienkirche und eine Sophienkirche stehen. Auch hier drückt sich Guter vorsichtig aus: „Am Anfang des 20. Jahrhunderts musste aufgrund der religiösen und völkischen Spannungen das Kloster aufgegeben werden“. Das Kloster war vor dem Jahr 1000 zeitweilig Residenz des Patriarchen und zählte über 300 Mönche. In den Ruinen haben kurdische Bauern Ställe eingerichtet. Westlich des Sees in Richtung Iran sind noch die Ruinen des Bartholomäus-Kloster in den Bergen in 2 000 Meter Höhe zu sehen, die durch das Erdbeben vom Jahre 1966 einstürzten. Nach der Legende soll hier der Apostel Bartholomäus gemartert worden sein. Fünfzehn Kilometer von der iranischen Grenze entfernt sieht man beim Dorf Soradir eine Klosterkirche, die 1885 Mirakhorian beschrieb. Heute ist die Kirche ein Getreidespeicher. Andere Klöster finden wir in der Provinz Erzincan, so das Kloster Surb Grigor (St. Gregor) und Kaposivank, die mit ihren einst prächtigen Kreuzkuppelkirchen heute traurige Ruinenfelder sind. Vier Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Muº lag das alte Apostelkloster. Es war für die armenische Schriftkultur des 15. und 16. Jahrhundert von großer Bedeutung, denn es war ein Kulturzentrum dieses Gebietes. Ruinen sind beim Dorf Arak zu sehen. In Kars ist zwar die Apostelkirche erhalten, aber nicht mehr eine Kirche. „Sowohl unter den Osmanen wie unter der russischen Besetzung (1877–1920) wurde das Gebäude als Kirche verwendet.“ Warum heute nicht mehr? Nur Ruinen sind die Kirchen von Xchonk, das einst fünf Kirchen zählte, wie sein türkischer Name Beºkilise belegt. Die Anlage liegt nahe beim Ort Tekor beziehungsweise Digor.

Vernichtet sind auch die Kirchen der Nestorianer im Hakkarigebiet, wo bis zum Ersten Weltkrieg der Patriarch der „Apostolischen Kirche des Ostens“ residierte, das Oberhaupt der nestorianischen Christen. Mit einem Jeep fährt man von der Provinzhauptstadt Hakkari zu einer Passhöhe auf 3 100 Meter und muss dann sechs Stunden zu Fuß gehen, um im Dorf Koçanes die Kirche des Patriarchen zu sehen und auch 20 weitere ehemalige Kirchen, die von den Kurden als Schafställe benutzt werden.

Die letzten armenischen Kirchen Anatoliens

Nach der Armenierverfolgung von 1915 und dem Rückzug der Franzosen aus Kilikien 1923 und 1938 aus dem Hatay-Gebiet bei Antiochien ist das einzige armenische Dorf der Türkei heute das kleine Vakifli Köyü auf dem Musadag, wo alle anderen Kirchen der von Franz Werfel in seinem Roman „Die vierzig Tage des Musadagh“ beschriebenen Dörfer verschwunden sind oder nur als Ruinen stehen wie in Tekepinar. Die Kirche von Vakifli Köyü wurde 1997 völlig restauriert, der Friedhof ist noch in Gebrauch. In den Sommermonaten kommt ein Priester aus Istanbul. Da einige Dorfbewohner als Gastarbeiter in Deutschland leben, kann man sich im Dorf auch deutsch verständigen.

Der Jahreskalender „Takvim“ des Armenischen Patriarchat in Istanbul nennt heute nur noch sechs weitere geöffnete armenische Gotteshäuser in Anatolien, und zwar in Kayseri, Diyarbakir (zwei), Derik bei Mardin, Iskenderun und Kirikhan. Armenier gibt es nach Angaben des Patriarchats noch in folgenden Städten, aber ohne Gotteshaus: Adana, Amasya (Gümüºhaciköy), Ankara, Antalya, Bitlis, Elazig, Kastamonu, Malatya, Ordu, Sason, Sivas, Tokat und Yozgat.

Von den sechs Gemeinden liegen außer Vakifli Köyü auch die Kirchen von Iskenderun und Kirikhan im Hatay-Gebiet. In Diyarbakir wurde die 1881 ausgebrannte Kirche 1883 neu errichtet. Im Ersten Weltkrieg diente sie als Quartier und Stützpunkt deutscher Offiziere, dabei wurde ihr Turm zerstört. Die Kirche diente bis 1960 verschiedenen Zwecken, ehe sie in jenem Jahr den Armeniern als Gotteshaus zurückgegeben werden konnte. Sie wurde 1986 total renoviert, litt aber durch die Erdbeben von 1988 und 1989. Eine weitere armenische Kirche in Diyarbakir wird bis heute von Türken als Warenlager benutzt.

Kayseri hatte bis zum Schicksalsjahr 1915 drei armenische Kirchen. Die älteste, eine Marienkirche, ist bis heute ein Sportzentrum des Kayseri Provincial Sport Department. Ein Teil wird von der Karate- und Judo-Abteilung gebraucht, der andere dient für Hockey-Spiele. Eine zweite Kirche aus dem Jahre 1552 existiert nicht mehr. Nur die St. Gregor-Kirche an der Stadtmauer dient noch dem Gottesdienst.

Es gab auch protestantische Gemeinden

Obwohl es schon in den Tagen Philipp Melanchthons Kontakte der Reformation zum Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel gegeben hatte, kam es erst im 19. Jahrhundert zur Gründung evangelischer Gemeinden durch englische und amerikanische Missionare. Von Gebetsräumen einzelner Freikirchen abgesehen, gibt es protestantische armenische Kirchen nur noch in Istanbul. Im heutigen Stadtteil Gedikpaºa stand zunächst eine Holzkirche, dann eine Steinkirche, die 1911 im neugotischen Stil mit einem „armenischen“ Turm nach dem Beispiel alter armenischer Kirchen völlig neu gestaltet wurde. Die Dreifaltigkeitskirche in Beyoglu wurde 1846 gebaut und in den Jahren 1905 bis 1907 erweitert. Aus dem Jahre 1908 stammt die Emanuel-Kirche in Eminönü im Gebäude des Bibelhauses der Amerikanischen Mission. In ganz Anatolien gingen seit 1915 die Kirchen und Schulen, Waisenhäuser und Spitäler verschiedener evangelischer Missionsgesellschaften aus Deutschland, der Schweiz, Dänemark und der USA unter. Franz Werfel hat in seinem Roman „Die Vierzig Tage des Musadagh“ mit dem Pastor Aram aus Maraº auch den Protestanten ein Denkmal gesetzt. Nicht nur in Maraº, sondern in vielen anderen Städten Anatoliens gab es evangelische Einrichtungen: in Kayseri und Sivas ebenso wie in Urfa und Harput. Pastor Johannes Lepsius hatte dafür seine Orientwerke geschaffen, Pastor Christoffel seine heute nach ihm benannte Blindenmission. Christoffel musste als Augenzeuge 1915 feststellen, dass „vom Schwarzen Meer bis nach Syrien die Predigt des Evangeliums verstummt“ sei. Als Leiter des evangelischen Blindenheimes in Malatya erlebte er in jenem Jahr die Morde und Folterqualen, die Zwangsbekehrungen zum Islam und die Massenadoptionen armenischer Kinder, die „künstlich zu fanatischen Muhammedanern gemacht“ wurden. „Die protestantischen Gemeinden sind vernichtet, ihre Prediger, bis auf einzelne Ausnahmen (vielleicht vier bis fünf) getötet. Ihre Kapellen und Schulen weggenommen, geschändet oder zerstört. Dasselbe gilt von den katholischen und altarmenischen Gemeinden.“

Im Paulus-Jahr muss sich die Türkei mehr als sonst fragen lassen, wie sie zu ihrer Vergangenheit steht.