Märtyrer des Ehesakraments

Zum Gedenktag des heiligen Pfarrers Rodrigo Aguilar Alemán am 28. Oktober 2014. Von Regina Einig

Der heilige Rodrigo Aguilar Alemán gehört zu den Märtyrern der mexikanischen Christenverfolgung im zwanzigsten Jahrhundert. Er kam am 13. März 1875 in Sayula im Bundesstaat Jalisco als Ältester von zwölf Kindern zur Welt. Rodrigo war begabt und trat 1888 in Zapotlán el Grande (heute: Ciudad Guzmán) ins Knabenseminar ein. Sein literarisches Talent blieb nicht lange verborgen: Bald schrieb Rodrigo Artikel über Glaubensfragen für die Lokalzeitungen. 1903 empfing er die Diakonenweihe. Am 4. Januar 1905 wurde er zum Priester geweiht und wirkte in verschiedenen Pfarreien. Tiefen Eindruck machte auf ihn eine Pilgerfahrt ins Heilige Land, über die er nach der Rückkehr ein Buch schrieb. Im März 1925 übernahm er die Pfarrei Unión de Tula. Als Pfarrer war er hoch angesehen wegen seiner caritativen Tätigkeit. Er investierte viel Zeit in die Katechese und in die Gründung von Laienverbänden.

Die antiklerikalen Umtriebe der mexikanischen Regierung erreichten im Sommer 1926 ihren vorläufigen Höhepunkt, als Präsident Plutarco Elías Calles das nach ihm benannte Calles-Gesetz erließ. Der Präsident strebte ein Schisma in Form einer vom Papst getrennten Nationalkirche für Mexiko an. Nachdem die öffentliche Religionsausübung untersagt worden war, eskalierte der Konflikt. 1927 musste Pfarrer Aguilar fliehen, nachdem er von einem Ortsbewohner verraten worden war. In Ejutla im Bundesstaat Jalisco, konnte er sich im Gymnasium San Ignacio bei den Anbetungsschwestern vom Heiligsten Sakrament verstecken und dort die Sakramente spenden. Von dort aus betreute er auch die Gläubigen seiner Pfarrei weiter, die ihn im Kloster besuchten und ihm Hostien brachten. Die Ordensfrauen versteckten außer Pfarrer Aguilar noch weitere Priester und mehrere Seminaristen.

Am 27. Oktober 1927 besetzten Regierungstruppen Gymnasium und Kloster. Als die Soldaten kamen, wollte Pfarrer Aguilar gerade einen Seminaristen in Latein prüfen. Nachdem er bemerkt hatte, dass Soldaten im Haus waren, versuchte er nicht zu fliehen, sondern vernichtete die Akten mit den Namen der Seminaristen. Der Anführer der Kompagnie ließ die Seminaristen und Ordensschwestern am Leben. Gegen Pfarrer Aguilar hatte er allerdings eine tiefen persönlichen Hass, weil dieser zuvor einer Frau von einer kirchlich ungültigen Ehe mit ihm abgeraten hatte. Aus Rache verhängte er gegen ihn die Todesstrafe.

Beim Abtransport verabschiedete sich der Geistliche gefasst von den Ordensfrauen mit dem Satz „Wir sehen uns im Himmel wieder“. In der Nacht zum 28. Oktober wurde Pfarrer Aguilar zum Marktplatz von Ejutla gebracht. Ehe die Soldaten ihn an einem Mangobaum aufhängten, vergab er öffentlich seinen Henkern und segnete den Strick. Als die Schlinge schon um seinem Hals lag, fragte ihn einer der Soldaten: „Und wer ist nun am Leben?“ „Christus König und Maria von Guadalupe“ antwortete Pfarrer Aguilar. Am Abend nach der Hinrichtung nahmen Ortsbewohner den Leichnam ab und begruben ihn. Fünf Jahre später wurden die sterblichen Überreste Pfarrer Aguilars in seiner ehemaligen Pfarrkirche in Unión de Tula beigesetzt. Am 22. November 1992 sprach Johannes Paul II. den Geistlichen selig. Am 21. Mai 2000 wurde er in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen.