Linksradikale gegen Lebensrechtler

Gegendemonstranten attackieren Abtreibungsgegner in München

München (DT/idea) Linksradikale haben eine Demonstration christlicher Lebensrechtler in München mit Flaschen und Kondomen beworfen. Ziel der Attacken war der „Gebetszug für das Leben“ der überkonfessionellen Vereinigung „EuroProLife“ am vergangenen Samstag. Bei der vierstündigen Prozession trugen die etwa 300 Teilnehmer Holzkreuze als Ausdruck der Trauer um abgetriebene Kinder. Ein Kreuz wurde von einem Gegendemonstranten in die Isar geworfen. Medienangaben zufolge nahm die Polizei drei Personen „aus dem linken Spektrum“ wegen eines Flaschenwurfes auf ein Polizeifahrzeug und anderer Sachbeschädigungen fest. Elf weitere Personen mussten ihre Personalien angeben, weil sie die Versammlung der Abtreibungsgegner mit Trillerpfeifen störten.

Gegen die Demonstration hatte sich auch die Erzdiözese München gewandt. Sie warf dem Veranstalter vor, sich im vergangenen Jahr nicht glaubwürdig von Neonazis distanziert zu haben, die sich unter die Demonstranten gemischt hatten. Deshalb lehnte es die Diözese diesmal ab, „EuroProLife“ eine Kirche für einen Gottesdienst zu Beginn des Gebetszuges zur Verfügung zu stellen. „Wir lassen uns nicht vor den Karren von Neonazis spannen“, hieß es.

Nach Angaben des Präsidenten von „EuroProlife“, Wolfgang Hering (München), hatte die Polizei keine Hinweise auf eine Unterwanderung durch Rechtsradikale. Kurzfristig seien fünf von ihnen aufgetaucht, aber nach wenigen Minuten wieder verschwunden. Dem Vorwurf, Neonazis zu dulden, hatte Hering bereits im Vorfeld widersprochen. Gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur idea kündigte Hering an, „mit der Diözese Klartext zu reden“. Dabei soll auch die Kritik der Erzdiözese am Einladungszettel angesprochen werden. Darin hieß es, dass Europa mit einer Geburtenrate von nur 1, 5 „weit unter dem für den Selbsterhalt eines Volkes nötigen Mindestwert von 2, 1“ liege. Der Pressesprecher der Erzdiözese, Bernhard Kellner (München), bezeichnete dies gegenüber idea als „völkische Sprache“. Nach katholischer Auffassung sei die Kirche universal und handele völkerübergreifend.

Entscheiden künftig Radikale über Gottesdienste? Scharfe Kritik an der Diözese übten der Vorsitzende des Treffens Christlicher Lebensrecht-Gruppen, Hartmut Steeb (Stuttgart), und des Bundesverbands Lebensrecht, Martin Lohmann (Bonn). Das Schließen von Kirchentüren für Menschen, die bei ihrem Einsatz für das Lebensrecht eine Zeit geistlicher Besinnung und Gebet suchen, sei „unverständlich und inakzeptabel“, so Steeb gegenüber idea. Er bezeichnete das Gottesdienstverbot als „panische Reaktion gegenüber möglichen Problemen“. Das Erzbistum dürfe „nicht zulassen, dass rechts- und linksradikale Truppen künftig durch ihre Drohungen bestimmen, wann Kirchen schließen und wann und für wen Gottesdienste und Zeiten des Gebets stattfinden können“. Steeb ist Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz. Lohmann zufolge ist die Ansicht, ein Hinweis auf eine zu niedrige Geburtenrate sei „völkische Sprache“, eine „ungeheuerliche Unterstellung“. Wer sich für das Leben und die Unantastbarkeit des Lebensrechtes von Anfang bis zum natürlichen Ende einsetze, leiste einen unersetzlichen Dienst für eine Kultur der Humanität, so der Journalist.