Lebensschützer zeigten Flagge

Breite Unterstützung der Hierarchie für römischen „Marsch für das Leben“. Von Guido Horst

Rom (DT) Die Teilnahme des Bürgermeisters von Rom, Gianni Alemanno, sowie von zahlreichen Politikern verschiedener Parteien und etwa vierzig Kardinälen und Bischöfen aus Italien, dem Ausland und dem Vatikan haben am Sonntag dem zweiten nationalen „Marsch für das Leben“ in der Ewigen Stadt besonderes Gewicht gegeben. Tausende von Lebensschützern zogen am Vormittag vom Kolosseum zur Engelsburg, zur Mittagszeit feierte dann der Erzpriester von Sankt Peter, Kardinal Angelo Comastri, am Kathedra-Altar der Basilika eine Messe mit einigen tausend Teilnehmern des Marsches. Zu diesem eingeladen hatte die italienische Vereinigung „Famiglia Domani“ (Familie morgen) und die „Europäische Bewegung für die Verteidigung des Lebens“. Mehrere Dutzend weitere Vereine, Orden, Bewegungen und Lebensschutzorganisationen Italiens trugen die Initiative mit. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich fünfzehntausend Menschen aus ganz Italien an dem Marsch. Aber auch Delegationen und Gruppen aus dem Ausland waren nach Rom gekommen.

Dass der Bürgermeister Roms von der Berlusconi-Partei „Volk der Freiheit“ den Marsch in der ersten Reihe anführte, sorgte für Unmut bei den Linksparteien. Damit habe er „Rom in das Mittelalter zurückgebombt“, ließen Kritiker verlauten. Ihm selber, so erklärte Alemanno vor Journalisten, sei es darum gegangen, ein Zeichen zu setzen, „dass keine Familie oder Frau dazu gezwungen werden kann, auf ein Kind zu verzichten“. Rom, so der Bürgermeister weiter, habe sich immer um die Familie bemüht und allen sei zu sagen: „Versucht wenigstens das Gesetz 194 in seinem vollen Umfang anzuwenden, auch da, wo es vorbeugen will, was allzu oft vergessen wird.“ Das Gesetz 194, das vor 34 Jahren in Kraft trat, regelt in Italien die Abtreibung. Auf seiner Grundlage, so erklären die Lebensschützer, hätten bisher fünf Millionen ungeborene Kinder ihr Leben verloren.

Zu den Kardinälen, die den Marsch unterstützten, gehörten der Erzbischof von Mailand, Angelo Scola, Erzbischof Carlo Cafarra von Bologna und Marc Ouellet, der Präfekt der vatikanischen Bischofskongregation. Bereits am Samstagabend hatte Kardinal Raymond Leo Burke, Präfekt der Apostolischen Signatur, des obersten Vatikan-Gerichts, mit Teilnehmern des Marsches in der Basilika Santa Maria Maggiore eine Eucharistische Anbetung gehalten, zur Sühne für das Verbrechen der Abtreibung. Vorher hatte in der von den Legionären Christi geleiteten Päpstlichen Universität „Regina Apostolorum“ eine Tagung zum Thema „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ stattgefunden, auf der Mediziner und Bioethiker sprachen. Auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hatte seine Unterstützung des Lebensschutz-Marsches erklärt. Im Gesamtprogramm des Treffens fanden auch zwei Gottesdienste im tridentinischen Ritus statt.

Viele der Teilnehmer an dem Marsch trugen kleine weiße Kreuze, die mit roter Farbe als Symbol für Blut bespritzt waren. Slogans und Spruchbänder wandten sich gegen das Geschäft mit der Abtreibung. Mit Trikots mit der Aufschrift „Orden für das Leben“ machten die Malteser auf sich aufmerksam. Viele Ordensfrauen nahmen an dem Marsch teil, ebenso wie auch zahlreiche Priester, die meist in Soutane gingen. Auffallend hoch war die Beteiligung junger Familien. Für die Kinder fuhr eine kleine Eisenbahn in dem Lebensmarsch mit. Nur vereinzelt traten kleine Gruppen von Feministinnen auf, die die Teilnehmer des Lebensmarsches beschimpften. Auf dem Weg von der Engelsburg zum Petersdom stellten sich auf dem Petersplatz viele Lebensschützer mit ihren Fahnen, vor allem polnische Delegationen, unter dem Fenster des Papstes auf, um mit Benedikt XVI. das Regina Coeli zu beten. Aber der weilte an diesem Sonntag in Arezzo in der Toskana.