Kritik an Gleichgültigkeit

Papst ruft Mittelmeerstaaten zur Zusammenarbeit auf

Brindisi (DT/KNA) Bei seinem Pastoralbesuch in Süditalien hat Papst Benedikt XVI. die Mittelmeer-Anrainerstaaten und die Länder des Nahen Ostens zur friedlichen Zusammenarbeit aufgerufen. Zur Vermeidung von Konflikten müsse man jeden möglichen Weg der Diplomatie und des Dialogs nutzen, sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag bei einem Gottesdienst in der apulischen Provinzhauptstadt Brindisi. Benedikt XVI. forderte erneut stärkere Handlungsmöglichkeiten internationaler Organisationen. Handlungen der Weltgemeinschaft und ihrer Institutionen, die im Respekt vor der internationalen Ordnung stehen, dürften niemals als Einschränkung staatlicher Souveränität interpretiert werden, so der Papst. Und wörtlich: „Im Gegenteil sind es Gleichgültigkeit oder das Ausbleiben von Interventionen, die echten Schaden verursachen.“

An der Messe nahmen am Hafen von Brindisi gut 60 000 Menschen teil, darunter auch hohe Vertreter der orthodoxen Kirche und anderer Konfessionen. Die Veranstaltung war der Höhepunkt einer zweitägigen Pastoralreise des Kirchenoberhaupts auf dem italienischen Stiefelabsatz. Die Pastoralvisite ist der erste Besuch eines Papstes in Brindisi seit Urban II. (1088–1099) vor über 900 Jahren. Nach der Messe stand ein Austausch mit den Bischöfen Apuliens und eine Begegnung mit Priestern und Seminaristen auf dem Programm. Am späten Nachmittag kehrt das Kirchenoberhaupt nach Rom zurück.

Am Vorabend hatte Benedikt XVI. die Jugend zum Einsatz für die strukturschwache Region aufgerufen. Es liege in ihrer Verantwortung, dass die Entwicklung sich „zum größeren Wohl für alle“ wende, sagte der Papst bei seiner Ankunft in Brindisi. „Macht die Gaben fruchtbar, die Gott euch mit der Jugendlichkeit gegeben hat: Kraft, Intelligenz, Mut, Begeisterung und Lebenswillen“, so der 81-Jährige. Das „dramatische Phänomen der Arbeitslosigkeit“ laste auf vielen jungen Menschen im Süden Italiens. Zugleich seien sie vom Lockruf des schnellen Geldes und von der Versuchung falscher Paradiese und materieller Befriedigung bedroht. Christus sei die Antwort auf ihre Fragen. Benedikt XVI. erinnerte an die Großherzigkeit Brindisis gegenüber Flüchtlingen. Ungeachtet der eigenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten habe die Stadt über Jahre Menschen aufgenommen, die mit Booten vom Balkan aus Hilfe in Italien gesucht hätten. Der Papst lobte auch das Engagement von Zivilbehörden und Militär sowie ihre Zusammenarbeit mit der Kirche und humanitären Organisationen.