Koch: Kirchen waren sich vor 50 Jahren näher

Linz (DT/KNA) Der vatikanische Ökumene-Minister Kardinal Kurt Koch sieht heute eine geringere Nähe der Kirchen als zu Beginn der ökumenischen Bewegung und in der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils. Gleichzeitig betonte der Präsident des Vatikanischen Einheitsrates im Interview der „Kirchenzeitung“ der Diözese Linz, die katholische Kirche halte am Ziel der „sichtbaren Einheit“ der Kirchen fest. Koch bedauerte, dass es unter allen Kirchen keine gemeinsame Vorstellung von Ökumene gebe: „Wir müssen uns neu darüber verständigen, wohin die ökumenische Reise gehen soll und muss. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Reformationsgedenkens 2017 wies der Kardinal auf die Bedeutung Martin Luthers (1483–1546) als spirituelle Gestalt auch für Katholiken hin. „Luther war ein Gottsucher. Wir müssen diese Zentralität der Gottesfrage wieder entdecken“, forderte der Kurienkardinal. Die katholische Kirche sei mit den Lutheranern seit 50 Jahren im Dialog, erinnerte Koch. Heute drohe aber vieles wieder in Vergessenheit zu geraten. Man müsse nun „die Früchte sammeln, die Dialogtexte veröffentlichen, damit sie nicht mehr verloren gehen, sondern Wegweiser für die Zukunft bleiben“. Als größten Dialogerfolg mit den Lutheranern nannte Koch nicht die im Juni 2013 veröffentlichte Erklärung zum Reformationsgedenken 2017, sondern die bereits 1999 unterzeichnete „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“.