Knappe Mehrheit für Wahlpflichtfach Religion

Dimap-Umfrage zu den Aussichten der Bürgerinitiative „Pro Reli“ beim Volksentscheid am Sonntag

Berlin (DT/KNA) Eine knappe Mehrheit der Berliner will nach einer Infratest Dimap-Umfrage beim Volksentscheid am 26. April für die Einführung von Religion als Wahlpflichtfach stimmen. Wie die „Berliner Morgenpost“ am Samstag berichtete, sprachen sich 51 Prozent der Befragten dafür aus, dass Schüler künftig zwischen Ethik und Religionsunterricht wählen dürfen. 46 Prozent unterstützten hingegen die Linie des Senats, wonach wie bisher nur Ethik als Pflichtfach für alle Schüler verbindlich ist. Ob die Befürworter des Religionsunterrichts das vorgeschriebene Zustimmungsquorum von 25 Prozent aller Wahlberechtigten erreichen, ist der Umfrage zufolge noch offen.

Infratest Dimap befragte im Auftrag der „Berliner Morgenpost“ und der RBB-„Abendschau“ zwischen dem 6. und 9. April 2 500 wahlberechtigte Berliner in Telefoninterviews. Nach Einschätzung von Infratest-Dimap-Chef Richard Hilmer deutet der derzeitige Stand der Mobilisierung darauf hin, dass die Initiative „Pro Reli“ Probleme haben werde, die notwendigen Stimmen zu erreichen. 53 Prozent der Befragten gaben an, sich für das Thema zu interessieren.

Das Meinungsforschungsinstitut geht von einer Wahlbeteiligung von 35 Prozent aus. In diesem Falle käme „Pro Reli“ nur auf eine Zustimmung von 18 Prozent aller Wahlberechtigten. Bei der Umfrage zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen dem Ost- und Westteil der Stadt.

Im Osten sprachen sich 60 Prozent gegen eine Wahlpflicht zwischen Ethik und Religion und 40 Prozent dafür aus. Im Westen ist das Verhältnis umgekehrt. Von den Kirchenmitgliedern sprachen sich 70 Prozent für „Pro Reli“ aus, unter den Konfessionslosen waren zwei Drittel dagegen. Bei den CDU-Anhängern äußerte sich eine Mehrheit von 76 Prozent für die Einführung von Religion als Wahlpflichtfach, bei den Anhängern der Links-Partei waren es nur 18 Prozent. Bei den SPD-Anhängern optierten 55 Prozent dagegen, während die FDP-Anhänger eher zu „Pro Reli“ und die Grünen-Anhänger eher dagegen tendierten.

Als Hauptgrund für ihre Entscheidung nannten „Pro Reli“-Anhänger die Wahlfreiheit und sprachen sich gegen eine „Bevormundung von Schülern und Eltern“ aus. Die Gegner des Volksentscheids betonten, Religion sei Privatsache. Laut Umfrageinstitut herrscht allerdings bei vielen noch Verwirrung, wo sie ihr Kreuz machen sollen, um auch tatsächlich in ihrem Sinne abzustimmen.