Kirchenväter als Leitstern

Zum Gedenktag des heiligen Edmund Campion am 1. Dezember. Von Katrin Krips-Schmidt

Der heilige Edmund Campion gehört zu den katholischen Märtyrern, die unter der Regentschaft der englischen Königin Elisabeth I. um ihres Glaubens willen verfolgt, grausam gefoltert und schließlich oftmals auf bestialische Weise umgebracht wurden.

Campion wurde am 24. Januar 1540 in London als Sohn eines Buchhändlers geboren. Er studierte als Stipendiat sehr erfolgreich am St. John's College zu Oxford. Nachdem er den Eid auf die geistliche Oberhoheit der englischen Krone geschworen hatte, wurde er zunächst Diakon der anglikanischen Kirche. Doch immer mehr wurde ihm bei seiner Beschäftigung mit den Kirchenvätern klar, wie sehr sich die anglikanische Lehre von der Tradition der Kirche unterschied. 1569 fand er zur katholischen Kirche zurück.

Unter dem Druck der Katholikenverfolgung setzte er sich nach Flandern ab, wo er im Englischen Kolleg von Douai – der von Philipp II. von Spanien 1559 gegründeten Ausbildungsstätte für Missionare für England – Theologie studierte. 1573 schloss er sich in Rom der Gesellschaft Jesu an, absolvierte sein Noviziat in Brünn und ging schließlich nach Prag, wo er 1578 zum Priester geweiht wurde.

Seit 1580 schickten die Jesuiten Missionare über den Kanal, auch Campion machte sich gemeinsam mit seinem Ordensbruder Robert Persons auf den Weg, um die seit 1534 endgültig von Rom getrennten Anglikaner für die Kirche wieder zurückzugewinnen. Da von Seiten der Regierung jeglicher Missionsversuch katholischer Geistlicher als Hochverrat und Umsturzversuch gedeutet und entsprechend geahndet wurde, konnte Campion nur in der Verkleidung als Schmuckhändler und unter falschem Namen seinen Auftrag verrichten, predigen, Beichte hören und Schriften gegen die Staatskirche verfassen. Schließlich wurde er im Juli 1581 gefangengenommen und in den Tower nach London gebracht. Königin Elisabeth I. wollte ihn persönlich zwingen, seinem Glauben abzuschwören – dem widersetzte er sich jedoch standhaft. Selbst Foltermethoden wie das sogenannte „Little Ease“ – ein Loch (45 cm breit, 120 m hoch, 60 cm tief), in dem der Gefangene weder stehen noch liegen konnte – ließen ihn nicht schwach werden.

Als er am 31. Oktober zum Tode verurteilt wurde, entgegnete er seinen Richtern: „Wenn ihr uns verurteilt, dann verurteilt ihr eure eigenen Vorfahren; ihr verurteilt damit alle eure früheren Bischöfe und Könige und somit alles, was einst den Glanz Englands ausgemacht hat.“ Am 1. Dezember 1581 hängte, streckte und vierteilte man den Jesuitenpater. Seine letzten Worte waren: „Ich sterbe als ein treuer Katholik.“

1886 wurde Edmund Campion von Papst Leo XIII. seliggesprochen. Paul IV. sprach ihn 1970 heilig. Mehrere Schulen tragen seinen Namen, in Kingston auf Jamaika ebenso wie in Mumbai und im indischen Bhopal. Der britische Schriftsteller und Konvertit Evelyn Waugh verfasste eine Biografie des Jesuitenmärtyrers.