Keine dringender Gesprächsbedarf mit Senat

Berlin: Christen prüfen weitere Kooperation mit Ethikunterricht

Berlin (DT/KNA) In die Debatte über den Religionsunterricht an den Berliner Schulen kommt wieder Bewegung. Die katholische und die evangelische Kirche erklärten in der vergangenen Woche auf Anfrage, sie prüften eine weitergehende Zusammenarbeit mit dem staatlichen Ethikunterricht. Bislang kooperiert die evangelische Kirche an sechzig staatlichen Schulen, das Erzbistum Berlin nach eigenen Angaben offiziell nicht und nach Angaben von Lehrkräften nur ausnahmsweise.

Die Senatschulverwaltung äußerte in einer am selben Tag veröffentlichen Erklärung die Bereitschaft, ihre Gespräche mit den Kirchen und dem Humanistischen Verband über Kooperationen „jederzeit“ wieder aufzunehmen. Diese hätten in diesem Jahr jedoch noch keinen Gesprächsbedarf signalisiert, so die Bildungsverwaltung in ihrer Antwort auf eine Anfrage aus dem Abgeordnetenhaus. Schuldezernent Steffen-Rainer Schultz von der evangelischen Landeskirche begründete die Gesprächspause mit dem Volksbegehren „Pro Reli“.

Die von der katholischen und evangelischen Kirche unterstützte Initiative erhielt im April bei einem Volksentscheid jedoch keine Mehrheit dafür, dass der Religionsunterricht vom freiwilligen Zusatzangebot zur gleichrangigen Alternative des Ethikpflichtfachs wird. Schultz erklärte, er gehe nun von einem weiteren Ausbau der Kooperationen aus. Diese hätten in vielen Fällen den Rückgang der Teilnehmerzahlen am evangelischen Religionsunterricht verhindert oder gebremst, der nach Einführung des Ethikfachs eingesetzt habe. Bei den Kooperationen erteilen Religions- und Ethiklehrer eine Wochenstunde gemeinsam. Für Schüler, die an beiden Fächern teilnehmen, reduziert sich die wöchentliche Stundenzahl im Werteunterricht damit von vier auf drei Stunden.

Der evangelische Schuldezernent unterstrich zugleich, er sehe derzeit keinen vorrangigen Gesprächsbedarf mit dem Senat. Nach dem Schulgesetz seien Entscheidungen über Kooperationen Sache der einzelnen Schulen. „Zudem müssen die betroffenen Ethik- und Religionslehrer miteinander können“, so Schultz.

Der Schuldezernent des Erzbistums Berlin, Hans-Peter Richter, gab an, auch die katholische Kirche sondiere intern die Möglichkeiten von Kooperationen mit Ethik und anderen Schulfächern. Erst nach Abschluss dieser Prüfung und nur gemeinsam mit der evangelischen Kirche sei ein Gespräch mit dem Senat sinnvoll.