Keine „Kirche in der Kirche“

Generalkongregation der Jesuiten nach zwei Monaten beendet

Vatikanstadt (DT/KNA) Nach zweimonatigen Beratungen in Rom hat die 35. Generalkongregation der Jesuiten ihre Arbeit beendet. Wie die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ am Samstag berichtete, unterstrich der neue Generalobere des weltgrößten Männerordens, der Spanier Adolfo Nicolas, in seiner Bilanz die Loyalität der Jesuiten gegenüber dem Papstamt. Es treffe nicht zu, dass sie „eine Kirche in der Kirche“ seien, so der spanische Generalobere. Die 225 Delegaten des obersten beschlussfassenden Organs des Jesuitenordens hatten zuvor mit großer Mehrheit ihre Zustimmung zu einem Brief von Papst Benedikt XVI. bekundet. Darin rief der Papst den Orden zur Treue gegenüber dem katholischen Lehramt auf.

Weiter verabschiedete die Generalkongregation in den vergangenen beiden Monaten fünf Dekrete, die sich mit Gehorsam, Mission, jesuitischer Identität, interreligiösem Dialog und Leitungsfragen befassen. Diese Richtlinien sind bindend für die Leitung des 19 200 Mitglieder zählenden Ordens. Die wichtigste Personalentscheidung fiel am 19. Januar bei der Wahl des 71-jährigen Nicolas zum Nachfolger des Niederländers Peter-Hans Kolvenbach (79). Dieser hatte sein Amt nach 24 Jahren aus Altersgründen abgegeben. Nicolas sagte laut „Osservatore“, die grundsätzlich unbefristete Amtszeit eines Generaloberen sei kein Diskussionspunkt während der Beratungen gewesen. Er persönlich erhoffe sich aber ebenfalls Verständnis, wenn die Umstände ihn zu einem Rücktritt drängten. Ein Jesuiten-General wird auf Lebenszeit gewählt, für den Amtsverzicht Kolvenbachs musste Benedikt XVI. seine ausdrückliche Erlaubnis geben.

Weitere personelle Weichenstellungen betrafen die Ernennung von neun Regionalassistenten, die den Generaloberen in Rom als Experten für ihre Heimatkontinente unterstützen, und die Wahl eines Aufsichtsrats, der die Arbeit der Ordensleitung kontrolliert. Zu diesen vier Konsultoren gehört nun auch Federico Lombardi (65), Vatikan-Sprecher und Jesuit aus dem norditalienischen Piemont.