Junge Federn. Wer singt, betet doppelt

Wer singt, betet doppelt

So soll es einmal Augustinus von Hippo formuliert haben. Der Kirchenvater steht damit nicht alleine, denn auch die Bibel spricht häufiger davon, dass Gott auf diese Weise gepriesen worden ist und zu preisen sei. Zum Beispiel als der Herr sein Volk durchs Rote Meer führte und sie aus der Hand der Ägypter befreite oder im Psalm 98, wo es heißt: Singt dem Herrn ein neues Lied. So ist es nicht verwunderlich, dass das Singen fester Bestandteil in der katholischen Liturgie ist: Ob klare feste gregorianische Choräle, ob eine eindrucksvolle Orchestermesse, oder nur die einfach singende Stimme des Kantors, wenn der Kyrieruf durch die Kirche schallt. Das Singen kann Ausdruck der Freude, des Bittens, des Klagens oder des Lobpreises sein.

Unabhängig von der katholischen Liturgie kann das Singen auch noch andere Formen annehmen. Als friedlicher Protest etwa. So soll der Märtyrer Maximilian Kolbe, der stellvertretend für einen Familienvater im Konzentrationslager in den Hungerbunker gesperrt wurde, bis zu seinem Tod durch die Giftspritze immer wieder gesungen haben. Nicht nur ein Widerspruch gegen die Gewaltherrschaft, der die Unbeugsamkeit zeigt, auch ein Widerspruch gegen Tod und Verderben, genährt von der unzerstörbaren christlichen Hoffnung auf das ewige Heil über das leibliche Sterben hinaus.

Es gibt also viele gute Gründe sich zum Singen zu versammeln. So taten es dann auch die Pfadfinder der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE), als sie vergangenes Wochenende zu ihrem jährlichem Singe- und Instrumentalwettstreit nach Neu-Ulm an die Donau kamen. Rund 1 000 Sänger, Musiker und Zuschauer suchten Freude in der Musik und die Jury die besten Künstler. Von religiösen Liedern über pfadfinderische Fahrtenlieder in verschiedenen Sprachen, bis hin zu selbstgedichteten und komponierten Werken, wie „Omas Federbett“, auf dem man im Zeltlager eben nicht schlafen kann. Mal wurde der Geist erhoben wie beim siebenstimmigen Ave Maria von Franz Bibl, mal konnte man sich entspannt zurücklehnen, als das „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ durch die Halle schallte. Da kamen auch die internationalen Gäste auf ihre Kosten, wie etwa der Franzose Bruno Borde, der neue Chef des europäischen Dachverbands der KPE oder ein Stellvertreter des amerikanischen Pfadfinderverbandes, der extra aus den Vereinigten Staaten angereist war.

Am nächsten Morgen wurde noch gemeinsam die sonntägliche heilige Messe gefeiert, in die auch der Dank für einen gelungenen Singewettstreit mit einfloss. Natürlich erschallten zur Orgel dann wieder viele Stimmen in der Kirche, denn wer singt, betet doppelt.

Der Autor arbeitet als Softwareentwickler und engagiert sich für die Katholische Pfadfinderschaft Europa in Nürnberg