Junge Federn: Was ist Weihnachten?

Eine poetische Reflexion über die Bedeutung des Weihnachtsfestes. Von Carolin Lüdeke

Carolin Lüdecke, freie Autorin "Junge Federn"

Ist es der Duft nach Vanille und Zimt, der uns die Bedrückung des Alltags nimmt und uns auf den Advent einstimmt?

Oder sind es die Lichter in allen Farben, die uns in dunkler werdenden Tagen in ein verzücktes Staunen hineintragen?

Sind es die Getränke und Speisen, die ein wohliges Satt-sein verheißen, und uns für einen Moment den Sorgen Entreißen?

Was ist mit den Gesängen und Liedern, die ein längst verhalltes Echo erwidern und wieder Schönheit in den Trott des Alltags eingliedern?

Oder bedeutet Weihnachten nach Geschenken zu jagen Und sich mit quälenden Fragen zu plagen, wie ob sich die Beschenkten dann auch freuen oder klagen?

Aber warum schenken und warum Schmücken? Warum sich über den Winter entzücken? Warum die Speisen und warum singen? Warum alte Lieder zum Erklingen bringen? Warum die Düfte und warum sich freuen? Hat das nicht etwas Größeres zu bedeuten?

In mancher Erinnerung, auch wenn sie verblasst ist, erleuchtet ein Schimmer und dieser kommt, auch wenn da schwere Last ist, tief aus dem Herzen, vielleicht verschüttet von Not, von Trauer, von Schmerzen.

Aber Weihnachten ist grade diese eine Zeit In der sich die Menschen besinnen und weit, weit öffnen.

Ihre Herzen werden wieder offen für Liebe, nicht eine aus Lust oder dem Triebe, so wie es die Gesellschaft versteht, sondern eine Liebe, die für immer besteht...

Sie ist unerschütterlich und unermüdlich, sie ist unendlich demütig und gütig. Sie ist Zukunft, Glaube und Hoffnung, sie ist lieblicher als jede irdische Verlockung.

Und Weihnachten bedeutet haargenau das, dass Wut, Trauer, Ärger und Hass nebensächlich werden und blass vor dem, was an Weihnachten geschehen ist, nämlich, dass die überdimensional große Liebe in Jesus Christ, Mensch geworden ist.

Was bedeuten die lieblich süßen Düfte, die in Schwaden durch die Lüfte in unser Herz einziehen?

Was sind schon alt hergebrachte Lieder, wenn uns der Sinn dieser, nicht wieder Einfällt? Also wozu ist das alles gut, wenn es uns oft in rasende Wut oder zumindest in Stress versetzt? Warum geben wir uns den Ärger, die Arbeit, da wir im Alltag doch schon die ganze Zeit genau damit verbringen?

Lohnt sich denn das Ganze, wenn Weihnachten in seinem Glanze nur auf einem Trend besteht? Nein, es ist kein Trend und keine Mode, es ist kein Marketing und keine Methode, um noch mehr Profit durch Konsum zu machen.

Und auch das Essen, die Düfte, die Deko Wären nur ein kleines und schwaches Veto In unserer bewegten Zeit, wenn es nicht auf etwas Bedeutendes zeigt.

Wie unbegreiflich ist es, dass der unendliche Gott, dessen Name herrlich und gewaltig ist, sich zum Spott, für die unwürdigen und Sünder gemacht hat, obwohl doch grade er die größte Macht hat!

Aber was viele eben nicht verstehen, dass seine Stärke und Macht darin bestehen, nicht daran festzuhalten, wie Gott zu sein.

Nein, er der Große macht sich klein, damit wir, die ihn täglich verraten, bewegt und berührt werden durch die demütigsten Taten, die je einer vollbracht hat Und die uns frei machten, und das, genau das ist Weihnachten.

Die Autorin, 22, studiert katholische Theologie in Heiligenkreuz