Würzburg

Junge Federn: Quo vadis, Kirche?

Die Kirche in Deutschland und weltweit macht sich auf synodale Wege. Aber wohin führen diese? Ein Blick in die Geschichte gibt Hinweise.

Pilgerin auf dem Jakobsweg
Wohin führt die Kirche ihr Weg durch die Zeit? Foto: Matthias Dunemann

Mit dieser Frage betitelte der polnische Schriftsteller Henryk Sienkiewicz seinen Roman, der die Anfänge des Christentums zu Zeiten Neros thematisiert. Quo vadis – Wohin gehst du? Eine Frage, die mit Blick auf die katholische Kirche gerade in Deutschland nichts an Aktualität verloren hat. Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gilt es die Zeichen der Zeit zu erkennen. Wie unterschiedlich das aussehen kann, wurde bei den Reaktionen der Bischöfe auf den Brief des Papstes an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland erkennbar.

Grund für den Brief war der von den Bischöfen beschlossene Synodale Weg. Den 19-seitigen Brief jedoch als bloße Bestätigung für den synodalen Weg zu sehen, wäre fahrlässig. Und doch hat man den Eindruck: Vier Wochen, nachdem sich der Papst zu Wort gemeldet hat, kreist die deutsche Kirche wieder einmal um sich selbst.

Die Frage nach dem künftigen Weg ist eng mit der Frage nach der eigenen Identität und dem Verständnis über Glaube und Kirche verbunden. Hier entwickelt sich zunehmend eine große Diskrepanz innerhalb der Gläubigen. Wie ist dies zu erklären? Die Antwort gab ein junger Theologe mit dem Namen Joseph Ratzinger im Jahr 1958. In einer Zeit, in der die Kirche voll Gläubiger war, erkannte der junge Professor eine „Kirche von Heiden, die sich noch Christen nennen, aber in Wahrheit zu Heiden wurden.“ Der Ruf Christi „Komm und folge mir nach!“ drängte die ersten Christen zu einer „geistigen Entscheidung des Einzelnen zum Glauben, auf dem Akt der Bekehrung. […] Kirche war eine Gemeinschaft von Überzeugten“, so Ratzinger. Diese persönliche Entscheidung für oder gegen den christlichen Glauben wurde im Laufe der Geschichte relativiert.

Franziskus warnt vor Strukturgläubigkeit

Politische und gesellschaftliche Entwicklungen wirkten sich auch auf die Kirche aus, angefangen von der Christenverfolgung über die konstantinische Wende bis hin zur 1968er Bewegung. Doch wie kann man der aktuellen Glaubenskrise entgegenwirken? Papst Franziskus sagt es deutlich: Auf einem Weg gemeinsam mit der ganzen Kirche unter dem Licht des heiligen Geistes. Schon 2015 hatte Franziskus vor der Versuchung gewarnt zu glauben, dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Weg der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen seien.

Wie kann also der christliche Glaube überleben? In seiner Missbrauchsanalyse gibt Benedikt XVI. die Antwort: katechumenale Gemeinschaften, einen Raum in einer mehr demoralisierten Kultur, in dem das Besondere und Neue der christlichen Weise zu leben eingeübt wird und zugleich geschützt ist. Der Gläubige bedarf eines Katechumenats, einer Einführung in den Glauben.

Sind also die Debatten um Frauenpriestertum, Laienpredigten oder eine neue Sexualmoral wirklich sinnführend? Vielleicht sollte die Kirche ihr Augenmerk darauf ausrichten, Strukturen zu entwickeln, in der die Menschen wieder Gott begegnen können. Die Frage „Quo vadis?“, die der Legende nach Petrus vor den Toren Roms an Jesus richtete, gilt auch uns. Nun liegt es an uns, zu antworten.

Johannes Wieczorek, 27, arbeitet beim katholischen Sender Radio Horeb