Junge Federn: Mut zur Lücke

Und, was möchtest du nach der Schule machen? Das ist sicherlich die am häufigsten gestellte Frage an junge Menschen, die wir häufig noch gar nicht so genau beantworten können. Eine mögliche Antwort auf diese Frage: das „Gap.Cologne“, an welchem ich zusammen mit sechs Studenten in Köln teilgenommen habe. Dabei handelt es sich um ein 2018 erstmals gestartetes Orientierungssemester, das Abiturienten nach der Schule einerseits die Möglichkeit gibt, Einblicke in verschiedenste, an der Schule so nicht unterrichtete Fächer zu gewinnen. So kann der häufigen Unschlüssigkeit bezüglich der Berufswahl durch professionelle Berufs- und Persönlichkeitsberatung sowie interessante Arbeitsplatzbesichtigungen entgegengewirkt werden. Ein einmaliges Konzept! Drei besonders wichtige Aspekte waren die Interdisziplinarität, die Qualität und die Individualität.

1. Die Interdisziplinarität: Wir durften in viele interessante Fächer einen Einblick erhalten wie Psychologie, Theologie, Rhetorik, Geschichte der Neuzeit, Bioethik und besonders auch in die verschiedenen Disziplinen des Kernfaches des Orientierungssemesters: der Philosophie. Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Diese und ähnliche Fragen haben wir in der Philosophie kennengelernt, wobei stets der Mensch als ein vernunftbegabtes Sinneswesen in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt wurde. In der Rechtsphilosophie zum Beispiel ist es insofern wichtig, als dass er mit Vernunft und freiem Willen ausgestattet, Handlungen und selbst vom Staat gegebene Gesetze auf ihre Rechtmäßigkeit hin untersuchen kann und muss. Die Philosophie hat uns insbesondere eine Vorstellung vom Wesen des Menschen, seiner Einzigartigkeit und seiner Verantwortlichkeit vermittelt.

2. Die Qualität: Damit meine ich die Tiefe und Fundiertheit der Professoren und der Methodik. Die Methodik überzeugte mit der Herangehensweise, der Beschäftigung mit den Ursprüngen unserer Zivilisation, getreu der Aussage des Aristoteles, dass man nur zu wahrer Einsicht kommt, „wenn man die Dinge sich von ihren Ursprüngen her entwickeln sieht“. Von den vielen hochrangigen und einzigartigen Professoren und Dozenten sei Dr. Hüntelmann erwähnt, der als einer der wenigen Philosophen in Deutschland die bleibende Bedeutung von Thomas von Aquins Philosophie herausstellt und auf heutige philosophische Fragestellungen hin anwendet.

3. Die Individualität: Zu guter Letzt sei noch das große Interesse für jeden Einzelnen durch den Programmdirektor des Gap.Cologne, Johannes Hattler, und den Leiter der Studien- und Berufsorientierung, Joaquin Garcia, zu erwähnen. Es zeigte sich aber auch im ganzen Programm für die Berufsorientierung besonders bei der Erarbeitung des Persönlichkeitsprofils und dem Eins-zu-eins-Mentoring, dass für jeden ganz individuell nach dem passenden Studium oder Ausbildung gesucht wurde.

Man kann gar nicht all die schönen außeruniversitären Veranstaltungen und Treffen, wie der Reise nach Pamplona an eine der besten Privatuniversitäten Spaniens oder der atemberaubenden Führung auf den Dächern des Doms mit dem früheren Generalvikar von Köln, Dominik Meiering, aufzählen. Diese Erlebnisse und das einmalige Lehrprogramm lassen letztlich eigentlich nur einen Abschlusssatz zu:

Mut zur Lücke! Es lohnt sich auf jeden Fall.

Die Autorin studiert Klassische Philologie an der HU Berlin