Junge Federn: Kein Update für Maria

Kein Update für Maria

Die Initiative Maria 2.0 rief zum Kirchenstreik. Eine Woche lang sollten Frauen keine Kirche betreten. Die Initiative fordert unter anderem Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche, Aufhebung des Pflichtzölibats sowie die Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen auszurichten. Maria stehe stellvertretend für das Frauenbild der katholischen Kirche. Eine Frau, die man auf einen Sockel stellen und verehren könne, die aber selbst schweigen, Demut und Gehorsam zeigen solle, so Mit-Initiatorin Voß-Frick. Dieses Marien- und Frauenbild teile die Initiative nicht. Maria 2.0 stehe für eine starke Frau, die sich engagieren und selbstverständlich alle kirchlichen Aufgaben übernehmen könne. Und im Zentrum stehe Maria als Schwester. Die Forderungen von Maria 2.0 sind nicht neu. Zudem wurden sie in den letzten Jahrzehnten in der evangelischen Kirche umgesetzt. Erfolgreich? Eher nicht. Die Kirchen werden immer leerer. 2017 verließen rund 200 000 Menschen die evangelische Kirche und die katholische Kirche gut 168 000. Priestermangel, Missbrauch und schrumpfende Mitgliederzahlen sind auch Probleme, die die evangelische Kirche hat. Ist das also das erfolgreiche Zukunftsmodell der katholischen Kirche? Maria hat in wahrer Freiheit ihr Ja gegeben. Einer Freiheit, die nicht egozentrisch ist, sondern offen für den Plan Gottes. Gott dieses Ja zuzugestehen hat nichts mit einer falschen Demut oder devot sein zu tun, sondern erkennt an, dass nicht der Mensch selbst Gott in seinem Leben ist. Er erkennt, dass dort, wo Gott ist, auch das persönliche Glück zu finden ist.

Was Kardinal Ratzinger 2005 in der „Missa pro eligendo romano pontifice“ sagte, hat nichts an Aktualität eingebüßt. „Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgestempelt, wohingegen der Relativismus, das sich ,vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin-und-hertreiben-lassen‘, als die heutzutage einzige zeitgemäße Haltung erscheint. Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt.“ Der Glaube ist nicht Dekoration, Verzierung. Glauben haben heißt, Christus wirklich in die Mitte unseres Lebens zu stellen, so Papst Franziskus. Und Christus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Folgen wir dem Glauben der Kirche, dann folgen wir dieser Wahrheit. Einer Wahrheit, die nicht subjektiv und nicht beliebig ist. Einer Wahrheit, die uns zum Leben führt. Maria hat diese Wahrheit erkannt. Durch ihr „Ja“ wurde sie zur Mutter Christi – und zu unserer Mutter.

Der Autor, 26, arbeitet beim katholischen Sender Radio Horeb