Junge Federn: Katholische Gelbwesten

Von links bis rechts solidarisieren sich politische Kräfte, auch diesmal haben sich Katholiken den Protesten angeschlossen. Von Simon Kajan

Katholische Gelbwesten

Die Gelbwestenbewegung ruft in Frankreich immer mehr Menschen auf die Straße. Zumeist friedlich, aber mit der typisch französischen „Colere“ geben sie der Wut über enthobene Technokraten und die als ungerecht empfundene Politik der Regierung Ausdruck. „Hollande degagé“ – „Hollande, hau ab“ – dieser Ruf von den Demonstrationen der Manif pour tous gegen die Einführung der „Ehe für alle“ in Frankreich war mit der Wahl Macrons zunächst verstummt, doch kehrt er auf den zum Messias stilisierten Präsidenten Macron gewendet zurück. Auf den Lippen einer viel breiteren Koalition. Diesmal geht es nicht gegen das Elitenprojekt „Homo“-Ehe, sondern gleich gegen eine ganze elitäre Reformagenda, gegen die Entgrenzung von Wirtschaft und Staat. Von links bis rechts solidarisieren sich politische Kräfte, auch diesmal haben sich Katholiken den Protesten angeschlossen. Die von Präsident Macron gestartete Online-Umfrage zur Eruierung politischer Forderungen der „Gelbwesten“ brachte der Abschaffung der „Homo“-Ehe somit auf Anhieb einen Spitzenrang ein. Die Gilet Jaunes catholique haben sich, inspiriert von der Erfahrung der Kampagne gegen die „Homo“-Ehe, mit in die vorderen Reihen gestellt. Zwanzig katholische Intellektuelle formulierten ihre Forderungen nach einem neuen sozialen Katholizismus in der Zeitschrift La Vie: „Heute müssen Katholiken aufstehen, um die Menschen in Frankreich zu unterstützen und für ein globales Wirtschaftssystem und ein Europa im Dienste der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung zu kämpfen.“ Das periphere Frankreich würde durch die Globalisierung an den Rand gedrückt. Ein Ideenlabor wird gefordert, das die katholische Soziallehre erneut als „Sozialen Kompass“ in die Debatte einführt. Bischof Marc Aillet von Bayonne zitiert angesichts der Gelbwesten Benedikt XVI. „In diesem Moment unserer Geschichte besteht das eigentliche Problem darin, dass Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und dass, während das Licht Gottes erlischt, der Menschheit die Führung fehlt und die zerstörerischen Wirkungen sich immer mehr darin manifestieren“. Die Gelbwesten sind auch eine Herausforderung für das katholische Frankreich!

Der Autor studierte Philosophie, Theologie und Religionsphilosophie in Bonn, München und Münster