Jüdischer Philosoph verteidigt Päpste

Berlin (DT/KNA) Der französische jüdische Philosoph Bernard-Henri Levy hat Papst Benedikt XVI. vor Kritikern in Schutz genommen. In einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstag) wandte sich Levy vor allem gegen den Vorwurf, in der Amtszeit Benedikts XVI. habe es Rückschritte in der Beziehung der Kirche zum Judentum gegeben. Der Papst habe wiederholt betont, er wolle „den ,Dialog unter Gleichen‘ mit den ,älteren Brüdern‘ der Christen, den Juden, ,vertiefen und fortentwickeln‘. Man könne ihm alles Mögliche vorwerfen, “aber sicher nicht, den von Johannes XXIII. begonnen Prozess ,einzufrieren‘“, schrieb Levy. Sobald die Rede auf Benedikt komme, beherrschten „zumal in Frankreich, Vorurteile, Unaufrichtigkeit und sogar die glatte Desinformation jede Diskussion“, beklagte der Philosoph. Levy erinnerte an die Besuche von Benedikt XVI. in den Synagogen in Köln und New York sowie jüngst in Rom. Zugleich betonte er, dass sich Benedikt XVI. das von Johannes Paul II. an der Jerusalemer Klagemauer gesprochene Gebet zu eigen gemacht habe. „Er hat das jüdische Volk also um Verzeihung gebeten, für einen Antisemitismus, der sich lange aus dem Katholizismus speiste“, so Levy. Da er dies mit den Worten seines Vorgängers getan habe, „könnte man also aufhören, eselsgleich zu wiederholen, er würde gegenüber seinem Amtsvorgänger einen Rückschritt vollziehen“. Levy ging auch auf die Kritik an Papst Pius XII. und seiner Haltung gegenüber den Nazis ein. Noch als Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli habe er 1937 die Enzyklika mit „Brennender Sorge“ verfasst. Dies sei bis heute eines der „entschlossensten und wortgewaltigsten Manifeste gegen die Nazis“. Als Papst habe er nicht nur im Stillen dafür gesorgt, „dass den verfolgten römischen Juden die Klöster offen standen“, er habe wichtige Rundfunkansprachen gehalten, die ihm später die Anerkennung Golda Meirs eingebracht hätten. Wörtlich schreibt Levy: „Die ganze Welt schwieg über die Shhoah, und da will man jetzt nahezu die gesamte Verantwortung für dieses Schweigen auf die Schultern des Souveräns legen, der weder Kanonen noch Flugzeuge hatte; der sich zweitens bemühte, seine Informationen mit denen zu teilen, die solche Waffen hatten, und drittens, in Rom und anderswo eine große Zahl derer zu retten vermochte, für die er die moralische Verantwortung trug.“