Herzstücke des christlichen Glaubens

Der bürgerliche Familienmensch könnte beinahe neidisch werden: Pater Karl Wallners humorvolles Buch über das Abenteuer, im Kloster zu leben

Der Titel des Buches ist verblüffend, wenn nicht genial. Aus dem spöttischen „Wer's glaubt, wird selig“ entsteht durch die Weglassung eines einzigen Buchstabens: „Wer glaubt wird selig“. Da sieht man, wie einfach es sein kann, dem Teufel und seinen vielen anonymen Jüngern ihre Zweifels-Botschaften zu vermiesen. Kürzer und prägnanter kann man kaum sagen, was der sogenannte Nutzen des christlichen Glaubens ist. Wer glaubt wird selig! Dabei sind wir Christen oft so umständlich, langatmig bis langweilig, wenn wir über den Glauben reden wollen. Ehe wir den vielen ungläubigen Getauften oder Ungetauften erklärt haben, warum sie glauben sollten, haben diese längst abgeschaltet oder erst gar nicht angeschaltet. Oft wagen wir, gesättigt mit frustrierenden Gesprächserfahrungen, noch nicht einmal den Versuch der Vermittlung. Da hilft diese provozierende Kurzformel, weil sie natürlich auch deutlich macht, wie es den Ungläubigen ergeht. Sie bleiben Unselige, wenn sie nicht glauben.

Pater Wallner versteht etwas von Marketing und Medienarbeit, sonst wäre er als Pressesprecher seines Klosters falsch am Platz. Um Mission geht es dem Zisterziensermönch mit nahezu jeder Zeile seines Buches. Der Leser wird angesteckt von einem Mann, der offensichtlich zufrieden, ja glücklich mit seinem „sinnvollen Leben als Mönch“ ist, wie der Untertitel verrät. Da könnte man als bürgerlich lebender Familienmensch fast neidisch werden. Die Ehelosigkeit, die strengen Regeln des Klosters, Askese und lange Gebetszeiten erscheinen nicht als Last oder Einschränkung, sondern als Ermöglichung und Weiterung einer menschlichen Existenz, die offen für Gottes neue Welt wird.

Nicht nur der Titel ist außergewöhnlich, sondern auch der Erscheinungsort – jedenfalls für eine christliche Veröffentlichung. Der Lübbe-Verlag gibt normalerweise die wenig lesenswerten Thriller von Dan Brown oder bei der Tochter „Bastei“ die Heftchen für „Liebe, Leidenschaft und jede Menge Gefühl“ heraus, früher auch gerne die Abteilung für „Schmutz und Schund“ genannt. Das Buch Wallners wird also neue Leserschichten erschließen können. Daher mag man es dem Verlagslektor nachsehen, dass er den Unterschied zwischen einem Gläubiger und einem Glaubenden nicht zu kennen scheint (Wallner: „Als Gläubiger halte ich viel vom Gebet“, 96).

Warum das Gebet elementar für jeden Gottsucher ist

Neue Leserschichten kann das Buch Wallners auch dadurch erreichen, weil der Verlag dem auch als Dogmatikprofessor wirkenden Mönch dazu überredet hat, sein Buch im Stile einer „Plauderei im Kaffeehaus“ zu schreiben. Das ist zumindest ein interessantes literarisches Experiment. Streng genommen bräuchte man dafür natürlich zwei oder drei Autoren, sonst bleibt es notgedrungen eine ziemlich monologische Angelegenheit, diese Plauderei. Dieser kaum zu umgehende Umstand lässt sich allerdings dadurch jedenfalls ansatzweise beheben, dass man das Buch als Hörbuch erwirbt. Beim Bügeln, Abwaschen oder Autofahren entsteht dann vielleicht wirklich eine innere Plauderei mit dem Autor über Zeit und Ewigkeit, über Glauben und Seligkeit, über Tod und Unglauben.

Im Stile einer Plauderei erklärt Wallner augenzwinkernd, humorvoll, entspannt und doch sehr sachkundig die Herzstücke des christlichen Glaubens. Mit vielen persönlichen Erlebnissen aus 27 Jahren Mönchsleben kommt der Pater daher und vermeidet durchaus nicht die zentralen Themen der sogenannten letzten Dinge. Warum man sich mehr auf das Jenseits als heute vielmals üblich konzentrieren sollte; warum das Beten so elementar für jeden Gottsucher ist; und warum der Weg nicht schon das Ziel ist. Das alles erfährt der Leser in „Wer glaubt, wird selig“. Um es in einem Bild zu sagen: Während sonst Dogmatik-Professoren oftmals gradlinig wie der Flug einer Gewehrkugel argumentieren und schreiben, fliegt Wallner eher wie ein Vogel von Baum zu Baum. Er verzichtet auf den üblichen Apparat von Anmerkungen und Verweisen auf die theologische Literatur und streut eher vereinzelt Hinweise auf die Bibel, die Kirchenväter oder andere wichtige Autoren ein. Das kommt denen entgegen, die etwa beim hochgeschätzten Jesus-Buch des Papstes schon nach wenigen Seiten die Flügel gestrichen haben, weil das Niveau doch einfach zu hoch war.

Leider ist das Schicksal der meisten schönen Bücher heute: Sie werden gekauft, verschenkt und verstauben dann im Bücherregal. Das könnte auch Wallners Buch passieren. Denn allein die Dicke des Buches mag manchen Zeitgenossen vom Lesen abschrecken. Dieser Gefahr lässt sich mit zweierlei Ratschlägen vorbeugen. Erstens findet der Leser schon im zweiten Kapitel die Überschrift „Warum habe ich nie Zeit?“ und dort vielleicht eine treffende Antwort. Sollte das nicht der Fall sein – der Autor möge den unziemlichen Ratschlag verzeihen – möge man die nächsten 150 Seiten einfach überschlagen. Denn das spannendste Kapitel des Buches beginnt erst auf Seite 177.

Oscarreife Leistung und Auftritt bei „Wetten dass“

In Abschnitt „Oscar, Papst und Popstars“ entsteht Gänsehaut-Gefühl, wenn Pater Wallner von den letzten aufregenden Jahren im Kloster erzählt, als der Neffe des Abtes sein später oscarprämiertes Drehbuch („Das Leben der anderen“) in einer Gästezelle schreibt. Oder als Papst Benedikt überraschend seinen nur einstündigen Besuch 2007 anmeldet (der erste Papstbesuch seit der Klostergründung 1133) und Mönche wie Pilger glücklich macht. Oder wie die Mönche durch den weltweiten Erfolg ihrer CD Bekanntschaft mit der Welt der Popstars machen – bis hin zu einem Auftritt bei Thomas Gottschalk in „Wetten, dass...“. Doch nicht diese medienfüllenden Ereignisse allein, sondern erst die Schilderung vom Tod dreier Mönche des Klosters geben dem Kapitel eine eigentümliche Tiefe und Spannung. Der Leser versteht, warum Christen einen Gott feiern und bekennen, der Geschichte macht und zugleich die Welt im Tod überwindet.

Die strenge Liturgie der Gregorianischen Choräle, mit denen die Mönche von Heiligenkreuz sogar die Charts stürmten („Chant – Music for Paradiese“), spricht heute offenbar auch Jugendliche an, gerade weil die Disco- oder Pop-Kultur nicht nachgeäfft wird. Wie man „Fit für Gott“ wird oder einen Erstkontakt zum Höchsten findet, dann ist das mehr, als die „Welt“ zu bieten hat. Hat mein Leben ein Ziel? Hört mich Gott? Wie komme ich mit mir ins Reine? Diese und andere Fragen sorgen bei der regelmäßigen Jugend-Vigil des Klosters für einen solchen Andrang, dass sich größere Jugendgruppen inzwischen anmelden müssen. Was modern ist, muss man sich also nicht unbedingt vom Zeitgeist diktieren lassen. Die eigenen Traditionen, der lebendige Gott selbst, der Seligkeit verheißt und schenkt, sind faszinierend genug. Das haben auch die zwanzig jungen Leute gedacht, die in den letzten fünf Jahren in das Kloster eingetreten sind.