Heiter, sonnig, unspektakulär

Das Osterfest mit Papst Franziskus in Rom: Die Auferstehung Jesu Christi sollte im Mittelpunkt stehen. Von Guido Horst

Der Papst segnete die Stadt und den Erdkreis. Zuvor hatte Franziskus an die bedrängten Christen und die Opfer von Krieg und Armut erinnert. Foto: dpa
Der Papst segnete die Stadt und den Erdkreis. Zuvor hatte Franziskus an die bedrängten Christen und die Opfer von Krieg ... Foto: dpa

Rom (DT) Der Himmel hatte ein Nachsehen und die ganz großen Menschenmassen, wie man sie sich für die zweite Hälfte der Osterwoche erwartet, blieben aus: Rom hat mit Papst Franziskus ein sonniges und heiteres Osterfest gefeiert. Auch wenn am Auferstehungssonntag an die zweihunderttausend Menschen den Petersplatz und die Via della Conciliazione füllten, um am Ende der zweistündigen Feier den päpstlichen Segen „Urbi et orbi“ zu hören, blieben Gedränge und Verkehrstumulte aus. Hatte sich am Karsamstag übelstes Aprilwetter über der Ewigen Stadt ausgetobt, so war Ostern ein warmes Fest unter strahlend blauem Himmel. Zu der gelösten Stimmung auf dem Petersplatz mögen die zweitausend Tulpen, sechstausend Narzissen und zweieinhalbtausend Hyazinthen beigetragen haben, die den Sagrato, die Altarinsel vor der Fassade des Petersdomes, einrahmten – ein österlicher Blumenschmuck, für den seit bald dreißig Jahren die Niederländer sorgen.

Glich Rom zu Ostern einer Insel des Friedens, so war die Osterbotschaft von Franziskus auch von den Konflikten dieser Welt gezeichnet und durchaus politisch. Die Predigt des Papstes in der Osternacht im Petersdom, während der er zehn Männern und Frauen aus Italien, Weißrussland, Senegal, dem Libanon sowie aus Frankreich und Vietnam die Sakramente der Taufe, der Firmung und der Erstkommunion spendete, stand noch ganz im Zeichen eines Lieblingsbegriffs des Jesuitenpapstes: dem Gehen, dem Gehen nach Galiläa zum Ort der ersten Begegnung mit Jesus Christus. Die in Rom residierenden Kardinäle feierten mit Franziskus die Ostervigil, der Petersdom war gut gefüllt, aber nicht berstend voll. In der Botschaft zum Segen „Urbi et orbi“ am Vormittag des Ostersonntags sprach der Papst aktuelle Krisenherde an: den Konflikt „im geliebten Syrien“, die „brudermörderische Gewalt im Irak“, die „Auseinandersetzungen in der Zentralafrikanischen Republik“ sowie „die grausamen terroristischen Attentate in einigen Regionen Nigerias sowie die Gewaltakte im Süd-Sudan“.

Ein Osterfest in Rom, wie es normaler nicht sein könnte – verstärkt durch die via Massenmedien vermittelte Tatsache, dass in diesem Jahr alle Christen – ob Lateiner oder Byzantiner, ob Katholiken oder Orthodoxe, ob die, die dem Gregorianischen oder die, die dem Julianischen Kalender folgen, das Osterfest am gleichen Sonntag feierten. Der nicht gerade wegen seiner Katholizität bekannte italienische Nachrichtenkanal „TG News 24“ hatte die nette Idee, zur Osternacht die Bilder von den christlichen Feierlichkeiten in aller Welt zu zeigen: Von Moskau über Bagdad und Damaskus sowie Jerusalem und Rom bis hin zu Haiti, Peru, Mexiko-City und Südkorea oder Manila auf der anderen Seite der Weltkugel. Dazu auf allen Kanälen Berichte über die am Sonntag heiligzusprechenden Päpste – und natürlich über Franziskus selbst. Zur besten Sendezeit brachte der Sender „La7“ am Abend des Ostersonntags eine Dokumentation über den Papst aus Lateinamerika, den „modernen Reformer“, der aus der katholischen Kirche eine „arme Kirche für die Armen“ machen wolle.

Dem setzte Franziskus die Schönheit, den Gehalt und die Bedeutung sowie den geregelten Ablauf der päpstlichen Liturgien entgegen, den festlichen, aber nicht überbordenden Rahmen der Osterfeiern der Kirche Roms. Der Papst wollte Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi ins Zentrum rücken. So als hätte Franziskus gemerkt, dass sich ihm gegenüber in den Medien nach einem Jahr Pontifikat eine ungeheure Erwartungshaltung aufgebaut hat. Aber weder fuhr der Papst im zerbeulten Renault 4 zur Ostermesse ein, noch trieb er den ehemaligen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone mit Peitschenhieben aus dem Vatikan, nachdem ruchbar geworden war, dass sich dieser einen Altersruhesitz in unmittelbarer Nähe des Vatikan-Hotels „Sanctae Marthae“ einrichten lässt, der Schätzungen zufolge vierhundert bis achthundert Quadratmeter Grundfläche umfassen soll. Auf seine Weise hat Franziskus ein völlig unspektakuläres Osterfest gefeiert. Noch ist es Zeit, die völlig überzogenen Einschätzungen der kommenden Heiligsprechungsfeier am Barmherzigkeitssonntag nach unten zu korrigieren.