Guter Baum mit vielen Früchten

Der Speyerer Bischof würdigt den Karmel Hauenstein zum 50. Jahrestag der Kirchweihe

Speyer (DT) „Alle, die an meinem Bund festhalten, bringe ich zu meinem heiligen Berg und erfülle sie in meinem Bethaus mit Freude.“ Es war diese freudige Verheißung des Propheten Jesaja aus der ersten Lesung, die am vergangenen Sonntagabend über der Feier zum 50. Jahrestag der Kirchweihe des Klosters Hauenstein stand. Der heilige Berg war im Kontext des Gottesdienstes nicht der Berg Zion, sondern der Berg Karmel, der 1958 auch im Herzen des Pfälzer Waldes erstand. Bis die Getreuen des Herrn allerdings im damals neu erbauten Gotteshaus mit Freude erfüllt wurden, dauerte es fast zehn Jahre. Bereits 1946 war von Bischof Wendel die Erlaubnis zur Gründung eines Karmelklosters in der Diözese Speyer erteilt worden. Nach einer anfänglichen Niederlassung in Hildebrandseck, die auf Druck der französischen Besatzungsmacht wieder geräumt werden musste, fanden die ersten Schwestern ein neues Domizil in Königsbach bei Neustadt, wo Bischof Wendel am 23. Juli 1947 ein provisorisches Kloster einweihte. Die rasch anwachsende Zahl von Schwestern machte einen Neubau notwendig. Nach längerer Suche fiel die Wahl auf Hauenstein, wo 1958 innerhalb eines Jahres das neue Kloster in der Nähe der alten Katharinenkapelle erbaut wurde. Elf Schwestern bezogen am 26. Oktober das Kloster, das Bischof Emanuel mit der Kirche nur eine Woche später, am 2. November 1958, einweihte.

Das Karmelitinnenkloster in Hauenstein kann trotz seiner noch jungen Geschichte auf eine erstaunliche Wirksamkeit zurückblicken. Immerhin wurden 1986 in Speyer und im Jahre 2000 in Wemding in der Diözese Eichstätt Neugründungen vorgenommen. Als Wermutstropfen wurde es in diesem Zusammenhang empfunden, dass die frühere langjährige Priorin Mutter Magdalena nicht zugegen war. Der Herr hatte sie am Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel diesen Jahres überraschend zu sich gerufen im Alter von 80 Jahren.

Der Karmel in Hauenstein und seine beiden Gründungen in Speyer und Wemding unterscheiden sich von den übrigen Karmelitinnenklöstern in Deutschland durch die Satzungen. Während die anderen Klöster die neuerarbeiteten Konstitutionen, die der Heilige Vater 1991 approbiert hat, übernommen haben, leben die Schwestern in Hauenstein, Speyer und Wemding nach den Konstitutionen, die 1990 ebenfalls vom Heiligen Vater approbiert wurden, denen aber die Satzungen der heiligen Teresa von Avila zugrunde liegen. Damit unterstehen die drei Klöster direkt dem Heiligen Stuhl und nicht dem General der Karmeliten.

In seiner Predigt nannte es Bischof Karl-Heinz Wiesemann eine glückliche Fügung, dass der Festgottesdienst zur Kirchweihe mit dem Weltmissionssonntag zusammenfiel. Schließlich sei eine Karmelitin die Patronin der Weltmission, Therese von Lisieux, die in ihrer Autobiographie beschreibt, wie sie ihren Platz in der Kirche in der Berufung zur Liebe gefunden hat. Grund aller Mission ist und bleibe die Kontemplation, in der sich der Mensch ganz und gar der Betrachtung der göttlichen Liebe aussetzt, so wie es im Karmel tagtäglich geschieht. Ohne dieses innerste Durchdrungensein von der Liebe erweise sich alles menschliche Tun und Mühen nur als Stückwerk. Bestand habe nur, was aus Liebe getan wird, wie es Paulus in seinem Hohenlied der Liebe im ersten Korintherbriefe unübertroffen zusammengefasst hat. In der liebenden Betrachtung liefere sich der Mensch ganz dem lebendigen Gott aus, der dann an ihm wirken kann und ihn von innen her verwandelt. So gelte für die Feier der Kirchweihe einmal mehr das Wort des Psalmisten: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, baut jeder umsonst, der daran baut.“

Der Bischof beschloss seine Ausführungen mit dem Wunsch, die Karmelitinnen mögen ihrer Berufung treu bleiben, da sie die Liebe als Atem und Herzschlag der Kirche wach halten und so manch ungedeckter Münze an kirchlicher Aktivität mit ihrem Gebet zur Deckung verhelfen. Den Besuchern des Gottesdienstes gab der Bischof das Wort Teresas von Avila mit auf den Weg: „Gott ist so groß, dass er es wohl wert ist, dass wir ihn ein Leben lang suchen.“