Großmufti fordert Ende der Christenvertreibung

Beirut (DT/KNA) Der Großmufti des Libanon, Scheich Abdul Latif Derian, hat ein Ende der Christenvertreibung im Nahen Osten gefordert. Christen seien Partner der Muslime, wer sie misshandle, misshandle auch alle Muslime, sagte der sunnitische Geistliche nach Angaben der libanesischen Zeitung „Daily Star“ (Mittwoch) bei einem Besuch in Großbritannien. Ein Naher Osten ohne Christen sei nicht denkbar. Die Muslime rief er zur Einheit auf. Der Islam sei eine geeinte Religion. Kampagnen islamistischer Terrorgruppen zerstörten dieses Bild und zielten darauf ab, Unfrieden zu stiften. Derian forderte darüber hinaus einen neuen Anlauf für Präsidentschaftswahlen im Libanon. Das Volk sei der derzeitigen Verzögerung müde, die allen schade. Zuvor hatte sich auch der libanesische Patriarch Bechara Rai für ein Ende des politischen Patts im Libanon ausgesprochen und erklärt, sich in dieser Frage an den UN-Sicherheitsrat wenden zu wollen. Die mit Rom unierte maronitische Kirche ist die größte christliche Gemeinschaft im Libanon. Nach der Verfassung muss der Staatspräsident immer Maronit sein. Der Libanon ist seit zehn Monaten ohne Staatsoberhaupt, weil sich das prowestliche Bündnis „Allianz des 14. März“ und die zu Syrien orientierte „Allianz des 8. März“ nicht auf einen Nachfolger für den am 25. Mai zurückgetretenen Michel Suleiman einigen können. Seit Monaten wird zudem über ein neues Wahlgesetz debattiert.

Ein für Montag geplantes spirituelles Treffen am Amtssitz des libanesischen Patriarchen, Bechara Rai, soll nun Bewegung in den Streit um das vakante Präsidentenamt im Libanon bringen. Wie die Tageszeitung „Naharnet“ am Mittwoch unter Berufung auf arabischsprachige Medien berichtete, sollen die beiden zerstrittenen politischen Lager des Libanon aufgefordert werden, ihre Politik im Sinne der Bürger neu auszurichten. Konkrete politische Bemühungen sollen laut dem Bericht nach den Osterfeiertagen vorgenommen werden. Patriarch Rai hatte sich wegen des Patts bei der Präsidentenwahl wiederholt besorgt um die Sicherheit und Stabilität des Libanon geäußert.