Würzburg

Gottesbegegnung

Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt, hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. einmal gesagt. In dieser Woche sind weltweit tausende Gläubige zu Wallfahrtszielen unterwegs. Vor einem Marienbild zu verweilen und der Mutter Jesu die eigenen Bitten anzuvertrauen, kann der Beginn einer inneren Umkehr sein. Fünf Glaubenszeugnisse über das Glück, mit Maria Gott zu finden

Mariä Himmelfahrt
Mariä Himmelfahrt Gottesdienst mit anschließender Lichterprozession anläßlich Mariä Himmelfahrt mit München und Freisings Erzbischof Reinhard Marx am 15. August 2009 am Wallfahrtsort Maria Vesperbild. Bild: Gläubige stehen während des Gottesdienstes vor einem Lichtermeer in... Foto: Katharina Ebel

Gnadenort Maria Vesperbild

Zuhause herrschte nur eine oberflächliche Religiosität. Der Religionsunterricht war schlecht. Nach dem Abitur hatte ich mich weitgehend von der Kirche entfernt und trat später aus ihr aus. Ich wusste nichts über den Glauben, bildete mir aber ein, gut unterrichtet zu sein. Ich kannte beispielsweise den Satz nicht: „Wer unwürdig isst, der isst sich das Gericht!“ So ging ich immer zur heiligen Kommunion. Der Aufbau einer Existenz, die Karriere, die Gründung einer Familie mit drei Kindern, der Hausbau et cetera: alles ohne Jesus!

Dann trafen mich mehrere „Schicksalsschläge“ – heute würde ich es „Zeichen von oben“ nennen: eine schwere Blutvergiftung, ein Unfall, die Scheidung, auf die eine neue Partnerschaft folgte, dann eine schwere Krebserkrankung auf Leben und Tod. Weinend fuhr ich in die Klinik. Über drei Monate erhielt ich zwölf Stunden täglich Chemotherapie an Schläuchen. Ein Schutzengelbild an meiner Spindtüre gab mir das Gefühl von göttlichem Schutz. Der restliche Tumor wurde hernach in einer fast neunstündigen Operation entfernt. Unter wahnsinnigen Schmerzen leidend wurde ich für drei Monate zum Pflegefall.

Immer deutlicher wurde mir klar, dass es Gott geben müsse. So ging ich sonntags wieder in die Kirche und suchte bald nach mehr. Dieses „mehr“ fand ich am 13. Juli 2004. Ich las in der Zeitung: „Fatimatag in Maria Vesperbild“. Ich war neugierig und fuhr hin. Monsignore Wilhelm Imkamp predigte über die Höllenvision der Fatimakinder. Über so etwas hatte ich bisher überhaupt nicht nachgedacht. Auf einmal war ich so erfüllt. Ich versuchte vergeblich, meine Tränen zu verbergen. Es war ein großes Glücksgefühl, dass es eine Mutter gibt, die mir auf der einen Seite zeigte, dass ich auf dem Weg zur Hölle unterwegs war, gleichzeitig mich aber liebevoll zur Umkehr einlud! Ab diesem Zeitpunkt besuchte ich jeden Tag die heilige Messe in Maria Vesperbild. Jahrelang um das sechste Gebot ringend, stellte meine Lebensgefährtin mich schließlich vor die Alternative: Gott oder ich! Ich bin glücklich, mich für Gott entschieden zu haben. Maria Vesperbild ist und bleibt für mich ein wichtiger Gnadenort – lebenslang!

Der Verfasser ist Monsignore Erwin Reichart, dem Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, persönlich bekannt und möchte anonym bleiben

Maria Vesperbild Mariä Himmelfahrt
Mariä Himmelfahrt im Wallfahrtsort Maria Vesperbild bei Ziemetshausen. Foto: Bernhard Weizenegger (Bernhard Weizenegger)

Durch Maria zum Katholizismus

Der Verlust des Ehepartners ist ein tiefer Einschnitt im Leben eines Menschen. Es gilt nicht nur, die Trauer zu bewältigen, sondern auch sein Leben neu zu strukturieren. Auch die Sinnfrage wird vor diesem Hintergrund wieder virulent. So war es auch im Leben von Werner, einem evangelischen Christen. Mit 47 Jahren verliert er seine geliebte Gattin und Mutter der drei gemeinsamen Kinder durch eine schwere Krankheit.

Er schließt sich einem ökumenischen Gebetskreis an. Ein Mitglied des Gebetskreises sagt ihm, er müsse unbedingt Marienfried kennenlernen. So fährt er zum ersten Mal die mehr als hundert Kilometer von seiner württembergischen Heimat bis zu jener Gebetsstätte im Herzen von Schwaben. Der Ort hat es ihm sofort angetan. In Marienfried erlebt er den Frieden und er erlebt Maria. Werner ist von diesem Ort so fasziniert, dass er sehr bald wöchentlich die lange Strecke nach Marienfried fährt. An diesem Gnadenort kann er gut beten. Als evangelischer Christ nähert er sich mit manchen Fragen, aber innerlicher Aufgeschlossenheit dem dort gelebten katholischen Glauben und nimmt an den Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen der Gebetsstätte teil.

Die heilige Messe wird für Werner sehr wichtig und das Beten des Kreuzwegs am Waldrand. Vor allem aber lernt Werner die Gottesmutter Maria kennen. Er sagt selbst: „Seit dieser Zeit, in welcher ich mit der Gottesmutter Maria auf dem Glaubensweg bin, habe ich sehr viele und heftige positive Veränderungen durch sie erfahren dürfen.“ Auch Werners Familie und seine Freunde bemerken, dass er sich verändert. Er sieht Maria als seine Mutter, die ihm beisteht und ihn beschützt. Auch bei zwei Motorradunfällen hat er ihre Hilfe spüren dürfen.

Was Werner ebenso fasziniert ist die eucharistische Anbetung, die in Marienfried einen großen Stellenwert hat. In der Stille findet er zum persönlichen Gespräch mit Jesus. Seit März 2014 hält Werner bei seinem Besuch in Marienfried wöchentlich zwei Stunden eucharistische Anbetung. War er anfangs noch der Meinung, er könne einen Mittelweg zwischen evangelischem und katholischem Glauben gehen, so hat er nun gemerkt, dass dies nicht möglich ist. Die Liebe zur Eucharistie und die Liebe zu Maria sind für ihn nun so wichtig geworden, dass seine Konversion in die katholische Kirche nur konsequent ist. Am kommenden Sonntag wird er in Marienfried in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen.

Der Autor, Georg Alois Oblinger, ist Rektor der Gebetsstätte Marienfried "Maria, Mutter der Kirche"

Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes
Zum großen Wallfahrtstag kommen jedes Jahr Tausende Pilger am Donnerstag nach Fronleichnam in die Zisterzienserabtei Mar... Foto: Wolfgang Radtke (KNA)

Bekehrt durch die Liturgie

Als der junge Mann aus Ungeduld in eine Kirche eintrat, vor der er schon zu lange auf einen Freund wartete, war er ungläubig. Als er die auf dem Altar ausgesetzte Monstranz sah, fiel er auf die Knie und glaubte. Das ist die berühmte Bekehrungsgeschichte von André Frossard. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf ihn die Bekehrungsgnade. So schnell geht es nicht immer, aber oft spielt die Liturgie in der Begegnung mit Gott eine entscheidende Rolle.

So ist es auch in Kloster Maria Engelport im stillen Flaumbachtal bei Treis-Karden an der Mosel. Dort lebt die Liturgie. Die Anbetungsschwestern vom Königlichen Herzen Jesu beten den ganzen Tag vor dem Allerheiligsten und singen das Stundengebet. Die Kanoniker des Instituts Christus König und Hohepriester feiern das Messopfer in der außerordentlichen Form des römischen Ritus. Doch sind es nicht nur traditionelle Katholiken, die die Klosterkirche besuchen. Biker, Wanderer, Jakobspilger aller Art, auch Neugierige oder Besucher einer nahen Hängebrücke finden ihren Weg zu diesem idyllisch gelegenen Wallfahrtsort. Seit fast 800 Jahren wird hier gebetet, meist in derselben liturgischen Form wie seit 2014 wieder. Das hilft vielen auf dem Weg der Bekehrung.

Die Schwestern erzählen von der Punkerin, die nach dem zufällig besuchten Hochamt noch lange weinend in der Kirche kniete: „Es war so schön. Gott ist hier. Ich komme wieder!“ Die Kanoniker berichten von Gott Fernstehenden, die sie nach der Liturgie erschüttert um ein Gespräch bitten. Viele ändern ihr Leben von Grund auf. Der Tagesbeichtstuhl ist deswegen immer besetzt. Auch bloße Touristen bekehren sich in der Liturgie. Aus lauen Christen werden nicht selten regelmäßige Messbesucher.

Nach einer stillen lateinischen Messe sagt ein junger Mann, der kein Wort Latein versteht: „Jetzt weiß ich, dass ich katholisch werden muss.“ Ein Handwerker meint erstaunt: „Gott ist ja wirklich da!“ Ein Kommentar über Kloster Engelport in einem Blog aus dem Osten titelte unter dem Eindruck des in der Liturgie Erlebten schlicht: „Unter Engeln…“. In Maria Engelport weisen die Engel auf Christus hin, der täglich in der Eucharistie angebetet wird. Er bekehrt die Menschen. Die Liturgie aber hilft auf dem Weg der Bekehrung zu Ihm.

Von Generalvikar Michael Schmitz, Institut Christus König und Hohepriester


Leben für die Muttergottes

Die Zeit vor den Staatsprüfungen war geprägt vom Verzicht auf studentische Unterhaltungen wie Skifahren auf umliegenden Gletschern oder Ausflüge in das schon frühlingshaft warme Italien. Die Studentenstadt Innsbruck war voller Versuchungen für uns Studenten, die juridischen Examen in das darauffolgende Semester gleiten zu lassen und die Studienzeit damit in die Länge zu ziehen.

Ein gütiger alter Kapuzinerpater – nach seinem Tod erfuhr ich, dass er Bischof und der letzte Apostolische Administrator in China vor Mao war – hatte meine Studiensituation durchschaut und mich ohne mein Wissen für die Wochen vor der Verwaltungsrechtsprüfung in ein Gästezimmer im nahen Benediktinerkloster Fiecht eingebucht. Da saß ich nun, ohne Ablenkung durch Telefon, Freundin und lustige Unternehmungen vor meinen Skripten. Es blieb mir nichts übrig, als die Zeit zu nutzen und zu studieren. Die einzige Auszeit war ein Spaziergang nach dem Mittagessen, der mich stets am Eingang der großen Klosterkirche vorbeiführte. Das Innere zu sehen war mir kein Bedürfnis, hatte ich doch in acht Jahren Benediktinerinternat viele Kirchen endlos lange von innen gesehen. Meine studentische Freiheit hatte daraus eine säkularisierte Lebensführung gemacht.

Die Wochen vergingen, das Studium ging voran und jeden Tag kam ich am Tor der Stiftskirche vorbei, ohne sie von innen gesehen zu haben – bis kurz vor Ende meines Aufenthalts. Schon am Tor vorbei, drängte mich eine starke Eingebung, fast eine Stimme, in das Kirchengebäude einzutreten. „Ich kann ja mal sehen, ob die Kirche restauriert worden ist“, begründete ich für mich selbst den Eintritt.

Es war winterlich kühl in der Kirche, die erst kürzlich restauriert worden sein musste. Ein hohes schmiedeeisernes Gitter stoppte mich. Plötzlich fiel mein Blick auf eine Kniebank vor dem Gitter, und ich hatte die Eingebung: „Knie dich dort nieder!“ Ich war lange nicht mehr gekniet. Kaum kniete ich, hatte ich die Eingebung: „Jetzt gib dein Leben Jesus!“ Meine Reaktion war Erschrecken und Ablehnung: Nicht als hätte ich etwas gegen Jesus gehabt – ich kannte ihn ja nicht. Aber die Angst vor Watschen für mein bisheriges Leben hielten mich von einem solchen Schritt ab. Ich spürte: „Dann gib dein Leben der Muttergottes. Sie wird dich denselben Weg führen – aber ohne Watschen.“ Einverstanden!

Ich stand von der Kniebank auf und verließ die Kirche. Auf die 45 Jahre seither zurückblickend weiß ich, dass dies der entscheidende Drehpunkt in meinem Leben war. Natürlich gab es darin schwierige Momente und Härten, aber ich weiß, dass mich Mutterhände immer zärtlich vorbereitet, wenn nicht ganz durch diese Momente hindurchgetragen haben. Die Staatsprüfungen und das Jurastudium kamen zu einem guten Abschluss. Der begonnene Weg jedoch führte mich ganz unerwartet in eine andere Richtung: zu einem Leben in Jesus als Sein Priester.

Monsignore Leo Maasburg war viele Jahre Reisebegleiter und Beichtvater von Mutter Teresa. Zwölf Jahre lang leitete er als Nationaldirektor die Päpstlichen Missionswerke in Österreich.

Bildnis der "Pilgernden Gottesmutter" der Schönstatt-Bewegung
Eine Frau hält das Bildnis "Pilgernde Gottesmutter" in den Händen. Foto: Harald Oppitz

Maria in Medjugorje begegnen

Ich empfinde große Dankbarkeit, wenn ich an Medjugorje denke. Durch die Botschaften der Muttergottes habe ich entdeckt, dass alles, was wir sind und haben, ein Geschenk Gottes ist: das Leben, der Glaube an Gott, die Berufung zum Priestersein. Seither möchte ich weitergeben, was ich empfangen habe. „Eine große Freude kann man nicht für sich behalten“, hat Papst Benedikt XVI. den Jugendlichen in Köln gesagt.

Wie bin ich nach Medjugorje gekommen? Mein Bruder ist 1982 dorthin gefahren. Neugierig geworden habe ich mich einige Monate später einer Wallfahrtsgruppe angeschlossen. Gott hat durch Maria mein Herz berührt, ich fühlte mich zu diesem Heiligtum stark hingezogen und habe es unzählige Male besucht. Eine der ersten Gnaden, die ich geschenkt bekam, war die Einsicht, dass ich in der Beichte meine Sünden dem Herrn übergeben soll. Es war mir peinlich, doch ich wusste: An der Beichte führt für dich kein Weg vorbei.

Die Freude, die ich durch die Versöhnung mit Gott und im Gebet erfahren durfte, hat mein Leben neu gemacht. Langsam bin ich an der Hand der Muttergottes in das kirchliche Leben hineingewachsen. Ich half mit, einen Gebetskreis für Jugendliche zu organisieren, bei dem das Gebet um den Frieden im Mittelpunkt stand. Jahre später, mitten im Wirtschaftsstudium, habe ich verstanden, dass der Herr mich zum Priestertum beruft. 2003 hat mich Kardinal Schönborn geweiht.

Ich bin Maria sehr dankbar. In all den Jahren hat mich die Mutter des Herrn an der Hand gehalten und geführt. „Mein Herz begleitet behutsam jeden eurer Schritte“ (Botschaft vom 25.12.1986). Jedem Priester kann ich nur empfehlen, in Medjugorje Zeit im Beichtstuhl zu verbringen. Er wird Menschen begegnen, die wieder zu glauben begonnen haben, Menschen, die sich nach Heiligkeit sehnen und die bereit sind, ihr Leben zu ändern.

Das wirkliche Wunder von Medjugorje ist für mich, dass die Gnaden, die Gott durch Maria schenkt, auch in meinen Pfarren fruchtbar werden: ein Mehr an sakramentalem und geistlichem Leben, aber ebenso die Bereitschaft, Dienste in der Kirche zu übernehmen und den Glauben weiterzugeben.

Pfarrer Erich Neidhart leitet den Pfarrverband Orth an der Donau (Niederösterreich).