Gold und Gnade für das Himmelreich

Der ehemalige Abt von Stift Heiligenkreuz teilt aus der Fülle seines Wissens aus: Wer von den Mönchen lernt, wird in jedem Fall reich. Von Urs Buhlmann

Sage niemand, im Kloster backe man kleine Brötchen: Der Zisterzienser Gregor Henckel-Donnersmarck und der resignierte Abt des Prämonstratenser-Chorherrenstiftes Geras, Joachim Angerer, schneiden ein Klosterbrot an. Foto: Kathbild/Rupprecht
Sage niemand, im Kloster backe man kleine Brötchen: Der Zisterzienser Gregor Henckel-Donnersmarck und der resignierte Ab... Foto: Kathbild/Rupprecht

Wer in der Wiener Innenstadt im Ersten Bezirk nahe der Roten-turmstraße unterwegs ist, die den wichtigen Knotenpunkt Schwedenplatz mit der Innenstadt rund um den Stephansplatz verbindet, wird immer wieder einen stattlichen Herrn im schwarz-weißen Habit der Zisterzienser sehen, der im Zweifel auf dem Weg zum oder vom nahegelegenen Heiligenkreuzerhof ist. Dieses reizvolle Quadrum aus der Barockzeit bietet mitten in der Geschäftigkeit der Großstadt einen stillen Rückzugsort samt eigener, überaus prächtiger Kapelle. Nicht nur einige der begehrtesten Mietwohnungen Wiens finden sich hier, auch der ehemalige Abt des namensgebenden Zisterzienser-Stifts Heiligenkreuz im Wiener Wald hat sich dort, auf eigenem Grund und Boden, ein Refugium geschaffen. Dieses Nebeneinander von alltäglicher Geschäftigkeit und fast schon klösterlicher Stille ist sinnbildhaft für das Leben von Gregor Henckel-Donnersmarck. Der schlesische Grafensohn war 1977 nach einer beachtlichen Laufbahn bei einem Logistik-Unternehmen bei den Zisterziensern eingetreten – und hat auch dort Karriere gemacht. Er sanierte ein heruntergekommenes anderes Stift seines Ordens, war Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke für Österreich und stand seinem Heimatkloster zwischen 1999 und 2011 als überaus erfolgreicher Abt vor. (Wobei seine jetzige Existenz als Ruheständler in der Wiener Dependance seines Hauses wohl noch angenehmer ist).

Abt Gregor zieht einen Strich unter seine so außergewöhnliche Doppel-Laufbahn als Manager und Oberhaupt eines blühenden Konventes und lässt uns in einem launig geschriebenen, aber unbedingt ernst zu nehmenden Buch an dem teilhaben, was er gelernt und erfahren hat.

Henckels Leitidee ist ganz einfach und unmittelbar nachvollziehbar: Es ist nichts Böses dabei, Geld zu verdienen oder zu besitzen, es kommt darauf an, was man daraus macht. Zu Recht geißelt der Abt das Protzgehabe mancher prominenter Neureicher, denen zweifelhafte TV-Sender Gelegenheit geben, ihren schlechten Geschmack vorzuführen. Da ist Abt Gregor schon streng: „Wem es in seinem materiellen Reichtum an Demut mangelt und wer meint, sich alles erlauben zu können, nur weil er viel Geld hat, der begeht tatsächlich eine schwere Sünde.“ Denn es gilt: „Erst im Umgang mit den Gütern dieser Welt erweist sich, ob ein Mensch die christliche Lektion der Demut gelernt hat.“ Der Autor hilft seinen Lesern, indem er derartige Kernaussagen seines Buches grafisch hervorhebt und in die Mitte rückt. In diesem Licht also schneiden ein Bill Gates und andere Superreiche, die als Großstifter in Erscheinung treten, bei ihm gut ab. Er definiert Vermögen nämlich als das, was man damit zu tun vermag. Also auch viel Gutes. Zwar gäbe es keine christliche Anleitung, reich zu werden (wie auch keine Verheißung dafür, dass auf Erden einmal die Armut aufhören werde), doch ließen sich einige Elemente dafür benennen, wie man auf christlich vertretbare Weise sein Geld verdienen und dabei zu einem Vermögen kommen könne. (Insoweit hält sein Buch dann doch, was der Titel verspricht). Henckels Ratschläge – und man muss noch einmal betonen, dass er im zivilen wie in seinem zweiten Berufsleben ein erfolgreicher Manager war – sind allerdings so einfach, dass sie wahrscheinlich gerade deswegen von manchen Adepten, die kompliziertere Formeln erwartet haben, nicht beachtet werden.

„Wenn ihr reich werden wollt, denkt nicht ans Geld. Wer immer nur dem Geld nachläuft, der wird nicht viel davon haben“, ist so ein Ratschlag. Es fehlt nämlich dann das Leichte, Spielerische und Kreative. Ein Bill Gates hat zunächst einmal das getan, was er am liebsten tun wollte, sich nämlich mit Computern und deren Programmierung zu beschäftigen. Erst später ist daraus ein Big Business geworden, das ihn zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht hat.

Man solle sich allerdings beraten lassen, wenn man sich mit einer möglichen Berufs- oder Geschäftsidee befasst, wobei die, die einem am nächsten sind, nicht immer die besten Ratgeber sind. Fehler zu machen sei ausdrücklich erlaubt – da werden auch die Autoren zahlreicher Erfolgsratgeber zustimmen. Es helfe, sich auch im Geschäftsleben an den vom heiligen Bonaventura so formulierten theologischen Grundsatz „Gratia supponit naturam“ zu halten. Wenn die Gnade wirklich die menschliche Natur voraussetze, dann wird man in seinem Geschäftsgebaren und auch gegenüber den Mitarbeitern keine unsinnigen Ideen verwirklichen. Immer wieder warnt Abt Gregor vor einer Fixierung auf den reinen Profit: „Wenn ihr die Kraft des Geldes nutzen wollt, geht phantasievoll-spielerisch damit um. Wer sich an sein Geld klammert, wird dadurch scheitern.“

Seine goldene Regel allerdings ist noch einfacher: „Sagt, was ihr tut und tut, was ihr sagt.“ Der Abt erklärt: „Manche Menschen glauben, dass sie unehrlich sein müssen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Sie sind der Ansicht, es ginge im Leben nur darum, sich möglichst nicht erwischen zu lassen.“ Kommt einem da nicht unwillkürlich das Beispiel eines namhaften deutschen Autoherstellers in den Sinn, der nun seine Reputation auf Jahre zerstört hat? Henckel-Donnersmarck hat natürlich recht, wenn er fordert, dass man sich auch im Berufs- und Geschäftsleben so verhalten soll, wie man es gegenüber den Menschen im vertrauten Umfeld tut, nämlich anständig. Das zahlt sich am Ende aus, sagt er, und nichts anderes.

Ebenso soll jeder bei seinen Leisten bleiben oder, in der Diktion des Abtes: „Hofft nicht gegen eure Natur. Gott hat euch die Anlagen geschenkt, auf deren Verwirklichung ihr hoffen sollt.“ Richtiges Hoffen, so gesehen, ist also nicht die unrealistische Erwartung, man könne von heute auf morgen ein anderer werden, sondern die Verwirklichung des Möglichen. Was man aber immer tun kann und soll, weil man, egal, wo man tätig ist, immer mit Menschen zu tun hat: „Arbeitet an eurem Auftreten und an eurer sozialen Kompetenz. Wenn darin eure Schwäche liegt, werdet ihr nie große Erfolge feiern.“

Es sind wahrlich einfache, unmittelbar einsehbare und wahrscheinlich deswegen auch leicht zu vernachlässigende Ratschläge, die Gregor Henckel-Donnersmarck seinen Lesern mit auf den Weg gibt. Aus ihnen spricht die überdurchschnittliche Beobachtungsgabe und Berufserfahrung des Managers ebenso wie die Menschenfreundlichkeit und Gelassenheit des Mönches. Sein Orden, die Zisterzienser, sind im Übrigen zum Phänomen auch für Wirtschaftshistoriker geworden, weil das Ideal selbstlosen Dienens, verbunden mit dem Wirtschaften in eine gemeinsame Kasse, geradezu zwangsläufig zu ökonomischem Erfolg führt, wie neuere Forschungen gezeigt haben. Henckels Ansatz ist also einerseits altbewährt und folgt auf der anderen Seite modernen Management-Methoden, die immer auf das Potenzial des Einzelnen setzen. Zugleich weiß sich Henckel-Donnersmarck, der ein vielgefragter Ratgeber auf dem Gebiet der Wirtschaftsethik geworden ist, im Einklang mit Papst Franziskus: Er übersetzt „Evangelii gaudium“ einfach mit: Das Geld muss dienen und nicht regieren!

Gregor Henckel-Donnersmarck: Reich werden auf gute Art. Vermögenstipps eines Geistlichen. Verlag Herder, Freiburg 2016, 192 Seiten, ISBN 978-3-451-06799-0, EUR 9,99