„Glühende Liebe zur Kirche“

Lothar Roos feierte in Bonn Goldenes Priesterjubiläum

Bonn (reg) Im nigerianischen Bistum Enugu trägt eine Bibliothek seinen Namen: Zum Goldenen Priesterjubiläum des Sozialethikers Lothar Roos kamen am Montag Schüler, ehemalige Kollegen und Weggefährten ins Collegium Albertinum nach Bonn. Am Festgottesdienst nahmen unter anderem der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick und der emeritierte Staatsrechtler Josef Isensee teil sowie zahlreiche Mitglieder der Joseph-Höffner-Gesellschaft und des Bundes Katholischer Unternehmer. Der aus Mosbach stammende Jubilar war am 12. Juni 1960 in Freiburg im Breisgau von Erzbischof Hermann Schäufele zum Priester geweiht worden und und lebt seit 1979 in Bonn. Der Kölner Weihbischof Manfred Melzer verwies in seiner Predigt auf die Fußwaschung der Jünger, durch die Christus jedem Priester den Platz angewiesen habe und erinnerte an das „ergreifende Zeichen der Verfügbarkeit“, das Roos durch seine Priesterweihe gegeben habe.

Der Jubilar betete beim Messopfer unter anderem für seine Mutter, „ohne die ich nicht Priester geworden wäre“ und für den Kaplan seiner Heimatpfarrei, der seine Primizpredigt gehalten habe.

Sichtbarer Beweis der hohen Wertschätzung, die Roos als Priester und Wissenschaftler genießt, war die Präsenz seines internationalen Schülerkreises: Obiora Ike, ehemaliger Generalvikar des Bistums Enugu (Nigeria), würdigte den Jubilar im Gespräch mit dieser Zeitung „als sehr menschlichen Lehrer und führenden Vertreter der klassischen katholischen Soziallehre, der seine Studenten beim Namen kennt und Zeit für sie hat“. Während seiner Studienzeit in Innsbruck habe er, Ike, gemerkt, dass er mehr kirchliche Positionen zu gesellschaftlichen Situationen suche. In Bonn sei er an Roos verwiesen worden: „Das war mein Glück“, so Ike. Der Jubilar beherrsche die hohe Kunst des Korrigierens: „Er lässt jeden zu Wort kommen, aber er lässt keinen im Irrtum nach Hause gehen. Dabei argumentiert er so fakten- und kenntnisreich, dass der andere seine Position auch annehmen kann. Er ist ein Lehrer, der den Glauben vermittelt. Das Priestertum ist im Leben meines wissenschaftlich herausragenden Lehrers das Wichtigste“, so Ike wörtlich. Lehren sei für Roos eine Form der Ausübung des priesterlichen Dienstes gewesen. Die Pastoral sei darüber nicht zu kurz gekommen. An Wochenenden habe der Jubilar ihn oft in die Pfarreien mitgenommen, in denen er aushalf. Und zu einem Kongress anlässlich des 100. Jahrestags der Veröffentlichung der Enzyklika Rerum novarum konnte der Schüler den Lehrer in Enugu empfangen. Die Begeisterung für die Christliche Soziallehre war ansteckend: Nach der Rückkehr nach Afrika, so Obiora Ike, habe er in seiner Heimatdiözese Enugu ein Institut für die Verbreitung der Soziallehre der Kirche und den wissenschaftlichen Austausch gegründet (CIDJAP).

Herbert Ullmann, Direktor des Collegium Albertinum, würdigte die „glühende Liebe zur Kirche“, mit der Roos Theologen ein Beispiel gebe. Enge Kontakte verbinden den jugendlich wirkenden, liebenswürdigen Jubilar bis heute mit seiner Heimatpfarrei Mosbach. Mit Treue und großem Engagement versieht er dort an vielen Wochenenden und nahezu allen Hochfesten seinen priesterlichen Dienst. Die Freiburger Sozialethikerin Ursula Nothelle-Wildfeuer unterstrich: „Was ihn auch als Priester kennzeichnet, ist die Art, wie er vor allem die Frauen unter seinen Schülern förderte: Ihm lag daran, dass sie ,Mater et magistra‘ – in Anspielung auf den Titel der ersten Sozialenzyklika von Johannes XXIII. – sein konnten.“ Wie Familienarbeit und Berufsarbeit miteinander vereinbar gemacht werden konnten, das habe Roos durch seinen so ausgeprägt familienfreundlichen Umgang mit den Mitarbeiterinnen gezeigt, die Familie hatten.

Am Sonntag feiert Lothar Roos in der Pfarrei St. Bruder Klaus in Mosbach-Waldstadt um 10 Uhr eine Dankmesse.