Glaubenskurs Teil 7: Warum das Kreuz?!

Der multimediale Glaubenskurs von „Tagespost“, Youcat und Radio Horeb. Von Bernhard Meuser

An boy kisses a crucifix on Good Friday at Penteli monastery, north of Athens
An boy kisses a crucifix on Good Friday at Penteli monastery, north of Athens April 18, 2014. REUTERS/Yorgos Karahalis (GREECE - Tags: RELIGION SOCIETY) - RTR3LTKB Foto: © Yorgos Karahalis / Reuters (X90075)

Warum musste uns Jesus ausgerechnet am Kreuz erlösen?

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Die Isenheimer Antonitermönche bestellten bei Meister Grünewald ein Kunstwerk, einen Altar, dessen Mitteltafel aus einer Kreuzigung bestand, die an grausamem Realismus alles übertraf, was bis dahin gemalt worden war: Hände im Schmerzkrampf, ein ausgemergelter Körper, nur noch Haut und Knochen, voll Schwären und Eiter, Dornen im Kopf, Blut und Wunden ohne Zahl. Die Ordensbrüder stellten den alten Tag in der Kapelle auf und brachten täglich die unheilbar Kranken vor dieses Bild. Es musste den unter Schmerzen sich windenden Feuerkranken oder den mit blau-schwarzen Beulen übersäten Pestkranken erscheinen, als sei da einer von ihnen ans Holz genagelt. Die Antoniter hielten das Gebet vor dem Kreuz für eine quasi Medicina – eine Art Medizin. Trieben sie ihren Spott mit den Ärmsten der Armen? Muss man den Leidenden auch noch ihr eigenes Elend vor Augen führen? So denken wir heute und würden eher dazu neigen, den Sterbenden Opioid- Schmerzmittel und eine Videoendlosschleife von Mr. Bean zu verabreichen. Die Menschen im Mittelalter entnahmen der quasi Medicina vermutlich drei Botschaften: 1. Die Botschaft von der Solidarität Gottes, 2. Die Reue über die eigenen Sünden, 3. Die Hoffnung auf fundamentale Rettung. Was auf den ersten Blick grausam klingt, verdient eine nähere Betrachtung.

Wieso sollen auch wir das Leid in unserem Leben akzeptieren und so „das Kreuz auf uns nehmen“ und damit Jesus nachfolgen?

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Zu 1. Wenn man in großen Leiden steht, besteht der tiefste Schmerz häufig darin, dass man sich von Gott und Mensch verlassen vorkommt. Da muss ich jetzt allein durch! Es ist tröstlich, wenn andere Leidende in der Nähe sind. Und es ist doppelt tröstlich, wenn Gott da ist. Was soll ich im Ernstfall mit einem Gott, der vom Reigen seliger Geister umgeben ist, aber mindestens an einem Ort noch nie war: in meinen Leiden. Früher sagte man: Opfere deine Leiden mit den Leiden Christi auf! In moderne Sprache übersetzt: Verwandle deine Leiden in ein Geschenk für andere, tu es gemeinsam mit Jesus, der für dich am Kreuz litt, der dir seinen Tod zum Geschenk machte, für dein Heil und das Heil der ganzen Welt.

Was macht einen Menschen bereit zur Reue?

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Zu 2. Wer Menschen kennt, die dem Tod ins Gesicht blicken, erfährt häufig, dass die seelischen Schmerzen die größeren sind: der Schmerz, seine Biographie nicht ungeschehen machen zu können, die Wunden, die man geschlagen, die Menschen, die man verlassen hat oder denen man manches schuldig blieb. In der Reue über ein angebrochenes, häufig zerbrochenes Leben tröstet der Blick auf den, der alles gut macht, der auch meine Geschichte zu einer absolut guten Geschichte machen möchte. Und sei es im letzten Augenblick. „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“ (Karfreitagsliturgie).

Was hat sich durch die Auferstehung in der Welt geändert?

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Zu 3. Christen sterben häufig mit einem Kreuz in der Hand oder in Sichtweite des Kreuzes. Bei Jesus blickt man durch ... auf die letzte Pointe des Lebens, – und die besteht nicht in einer Erd-, See- oder Feuerbestattung. Die letzte Pointe des Lebens ist die Auferstehung von den Toten. „Die wahre Revolution, die das Leben radikal verändert, hat Jesus Christus mit seiner Auferstehung vollbracht: mit Kreuz und Auferstehung“, sagt Papst Franziskus.

Wie sieht die Kirche die übrigen Religionen?

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Die Frage, wie man den Leiden entkommt, wird in allen Religionen der Erde gestellt. Wir dürfen sie auch auf das Sterben hin befragen. Ich stelle mir einmal vor, die Antoniter hätten – statt bei Meister Grünewald ein Kreuz – einen Buddha erworben, um die Kranken vor seiner lächelnden Seelenruhe zu versammeln. Im Buddhismus heißt es lapidar: „Leben ist Leiden“ und dieses Leiden höre nicht mehr auf, bis wir uns der Ursache aller Leiden, der Begierden (= Wünsche) entwöhnt hätten. Ich möchte aber nicht wunschlos (un-)glücklich werden, sondern an das tiefste Ziel meiner Wünsche gelangen: nämlich ganz heil zu werden. Ich möchte Leben haben, Leben in Überfluss, Leben ohne Ende. Ich möchte mir das Leben nicht abgewöhnen, den Vorrat meiner Freude nicht abzählen, bis er aufgebraucht ist. Ich bin Christ; in welche Not auch immer ich gerate – ich weiß: Ich komme aus dieser Nummer heil heraus.

Warum sehnen wir uns nach Glück?

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„Ein Mensch ohne Religion“, hat Erzbischof Helder Camara einmal gesagt: „ist ein Wanderer ohne Ziel, ein Fragender ohne Antwort, ein Ringender ohne Sieg und ein Sterbender ohne neues Leben.“ Bischof Camara hätte besser gesagt: „...ohne christliche Religion“. Je mehr Kreuze aus den Klassenzimmern, Gerichtssälen und von den Berggipfeln entfernt werden, desto heiliger müssen Christen das Bild des Gekreuzigten in ihren Herzen halten, denn es ist ein letztes verschattendes Bild vor dem großen Bild der Freude, dem Aufgang der Sonne: der Auferstehung.
Heiliger Bernhard von Clairvaux (ca. 1090–1153)

Wer das Thema mit Freunden oder einer Gruppe tiefer erarbeiten möchte, kann sich unter www.youcat.org Studyguide No.7 kostenlos herunterladen. Die nächste Folge bei Radio Horeb wird am 13. Mai um 19.45 Uhr ausgestrahlt.

Rückblick

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